Tezepelumab verhindert Exazerbationen bei therapierefraktären Asthmaerkrankungen

Der monoklonale Antikörper Tezepelumab könnte zukünftig Exazerbationen bei unkontrolliertem allergischem und nicht-allergischem Asthma rasch und zuverlässig verhindern.

Tezepelumab verhindert Exazerbationen bei therapierefraktären Asthmaerkrankungen

Der monoklonale Antikörper Tezepelumab greift sehr früh in den Pathomechanismus bei therapierefraktärem Asthma ein. Das ergaben Untersuchungen einer Phase-2-Studie, deren Ergebnisse im New England Journal of Medicine publiziert wurden (2017; DOI: 10.1056/NEJMoa1704064). In den vergangenen Jahren wurden immer wieder neue Biologika entwickelt, die an unterschiedlichen Angriffspunkten bei Asthma bronchiale ansetzen und anfallweise Atemnotattacken verhindern. Nachteil dieser Antikörper war bisher, dass einige nur bei allergischer Genese eine effektive Wirkung zeigten. Tezepelumab hingegen soll bei beiden Subgruppen gleichermaßen wirken. Indem der Antikörper das Zytokin TRSPP neutralisiert, wird die immunologische Reaktion früh unterbrochen und schwere asthmatische Komplikationen wie Atemnot und Erstickungsangst bleiben aus.

Tezepelumab wirkt unabhängig der asthmatischen Genese

Tezepelumab soll die lebensbedrohlichen Atemnotanfälle, unabhängig von der Asthma-Genese – also bei allergischem und nicht-allergischem Asthma – unterbinden. Bislang gibt es unterschiedliche Biologika, die an verschiedenen Stellen der Inflammationskaskade ansetzen und so akute Exazerbationen verhindern. Effektiv wirken dabei:

•    Omalizumab (humanisierter Antikörper mit Bindungsspezifität für den Fc-Teil des humanen IgE)
•    Tralokinumab (humaner IL-13-Antikörper)
•    Mepolizumab (humanisierter IgG1-Antikörper gegen IL-5)
•    Reslizumab (humanisierter IgG4-Antikörper gegen IL-5).

Tezepelumab greift früh in die Entzündungskaskade ein

Tezepelumab greift sehr früh in die Entzündungskaskade ein. Dabei neutralisiert der monoklonale Antikörper das Zytokin TRSPP (thymic stromal lymphopoietin), das in Haut- und Schleimhautepithelien gebildet wird. TRSPP soll - wissenschaftlichen Annahmen zufolge - antigenpräsentierende Zellen alarmieren und so eine immunologische Reaktion einleiten. Ohne TRSPP wird die Ausschüttung von Eosinophilen verhindert. Zudem entdeckte das Forschungsteam von Studienleiter Prof. Dr. Jonathan Corren (Spezialist für Allergie und Immunologie an der David Geffen School of Medicine an der Universität von Kalifornien, Los Angeles) ein Rückgang der FeNO-Konzentration. Die Konzentration von fraktioniertem endexpiratorischen Stickstoffmonoxid wird auch als Marker bei der Diagnosestellung von nicht-allergischem Asthma genutzt. Die Grundlagenforschung zeigte weiter, dass eine TRSPP-vermittelte Asthmareaktion ebenso durch Dieselabgase, Tabakrauch oder Viren ausgelöst werden kann.

PATHWAY-Studie  

An der randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten PATHWAY-Studie nahmen 584 Patienten mit Asthma bronchiale teil, die trotz intensiver Behandlung mit einem langwirksamen Beta-2-Sympathomimetikum (LABA) und einem inhalativen Steroid Exazerbationen erlitten. Die Probanden wurden in drei Gruppen mit unterschiedlichen Tezepelumab-Dosierungen (70 mg oder 210 mg in vierwöchentlichem Abstand oder 280 mg in 14-tägigem Rhythmus) sowie auf eine Placebogruppe aufgeteilt. Die Basisbehandlung mit LABA plus einem inhalativen Steroid wurde beibehalten.

Im Ergebnis erwiesen sich alle drei Tezepelumab-Dosierungen als wirksam. Die jährliche Asthmaanfalls-Rate reduzierte sich von 0,67 in der Placebo-Gruppe auf 0,26 (70 mg alle 4 Wochen), 0,19 (210 mg alle 4 Wochen) und 0,22 (280 mg alle 2 Wochen). Das entspricht einer Reduktion von 61, 71 und 66 Prozent (P<0,001 für alle Vergleiche).

Rascher Wirkungseintritt, gute Verträglichkeit

Die Exazerbations-reduzierende Wirkung von Tezepelumab setzte relativ schnell ein und blieb über die gesamte Behandlungsdauer von 52 Wochen bestehen. Die Therapie wurde zumeist gut vertragen und zeigte sich nebenwirkungsarm. Therapieabbrüche waren mit 2 Patienten in der mittleren Dosisgruppe, 3 in der Hochdosisgruppe und 1 in der Placebogruppe selten. Dennoch handelt es sich bei der relativ guten Verträglichkeit von Tezepelumab um eine Momentaufnahme.

Phase-3-Studie und langfristige Veränderungen bleiben abzuwarten

Leider zeigen sich nachteilige Auswirkungen bei der Behandlung mit Biologika wie Tezepelumab erst bei längerfristiger Anwendung. Da der monoklonale Antikörper sehr weit oben in die Inflammationskaskade eingreift, wäre langfristig ein Anstieg von Infektionen denkbar. Darauf könnten schon jetzt schwere Einzel-Episoden im Verlauf der PATHWAY-Studie hindeuten, warnt Prof. Dr. Elisabeth H. Bel (Pneumologin von der Universität Amsterdam) in einem Begleit-Editorial. So verstarb ein Patient an einem Schlaganfall, nach dem er eine Pneumonie erlitten hat. Ein anderer Patient erkrankte an einem Guillain-Barré-Syndrom. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Studienergebnisse in Phase 3 entwickeln.


Datum: 12.09.2017

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Quelle: The New England Journal of Medicine