COPD Diagnose

Mit Fragebogen zur COPD-Diagnose

Derzeit erfordert die Diagnose einer COPD die spirometrische Erfassung der Lungenfunktion. Hauptkriterium einer Obstruktion ist der Abfall des Verhältnisses der Einsekundenkapazität und der forcierten Vitalkapazität auf unter 0,7 (FEV1/VC < 70 %). Forscher der kalifornischen Universität in San Francisco, USA, fanden heraus, dass Raucher dieses spirometrische Diagnosekriterium nicht immer erreicht haben müssen, um dennoch typische obstruktive Symptome wie Husten, Dyspnoe oder Auswurf aufzuweisen.

Mitarbeiter der Studie entwickelten einen Fragebogen (COPD Assessment Test, kurz CAT), mit dem hinweisgebende Anzeichen einer COPD evaluiert werden konnten. Die jeweiligen Punktwertungen umfassten den Zahlenraum von 0 bis 40. Je höher gewertet wurde, umso ausgeprägter waren die Beschwerden. Es galt herauszufinden, ob sich bei einem erhöhten CAT-Wert (≥ 10) - aber noch erhaltener Lungenfunktion (FEV1/FVC ≥ 0,7) – das Risiko für pulmonale Exazerbationen im Vergleich zu asymptomatischen Patienten mit intakter Lungenfunktion erhöht. Eine Atemwegs-Exazerbation wurde mittels ambulanter oder stationärer Therapie von respiratorischen Beschwerden sowie über die Verordnung von Antibiotika oder Glukokortikoiden definiert.

Im Detail geschaut: Exazerbationen auch bei noch intakter Lungenfunktion

963 rauchende Probanden erfüllten die etablierten Charakteristika der Global Initiative für Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD), also ein Verhältnis von FEV1 zu FVC kleiner 0,7. 626 von ihnen gaben CAT-Werte gleich/größer als 10 an. Ebenso klagten aber auch 50 Prozent aller Raucher und ehemaliger Raucher mit erhaltener Lungenfunktion über obstruktive Beschwerden. Die mittlere (± SD) Rate von Atemwegs-Exazerbationen bei symptomatischen Rauchern oder ehemaligen Rauchern mit FEV1/FVC ≥ 0,7 war signifikant höher als die Rate bei asymptomatischen Rauchern oder ehemaligen Rauchern und Nichtrauchern mit gesunder Lungenfunktion (0,27 ± 0,67 vs. 0,08 ± 0,31 und 0,03 ± 0,21 Ereignisse pro Jahr, p <0,001 für beide Vergleiche).

Symptomatische Raucher oder ehemalige Raucher, unabhängig von einer obstruktiven Diagnose, wiesen ebenfalls eine größere Einschränkung der Alltagsaktivität, etwas niedrigere FEV1, FVC und Inspirationskapazitäten sowie eine größere Atemwegs-Wandverdickung (ohne Emphysem) nach HRCT auf als asymptomatische Raucher oder ehemalige Raucher mit erhaltener Lungenfunktion. 42% der symptomatischen Raucher oder ehemaligen Raucher mit CAT-Werten über 10 mussten auf Bronchodilatatoren und 23% auf inhalative Glukokortikoide zurückgreifen.

Ergebnis der Studie

Symptomatische Raucher oder ehemalige Raucher mit erhaltener Lungenfunktion erfüllen zwar nicht die aktuellen spirometrischen Kriterien für COPD, leiden aber dennoch an Atemwegs-Exazerbationen und Einschränkungen der Alltagsaktivität – und müssen Medikamente dagegen einsetzen. Derzeit verwenden Personen ohne COPD-Diagnose diese Medikamente also ohne evidenzbasierte Indikation. Die Studien-Autoren kritisieren den bisherigen Stellenwert der Spirometrie als Kernkriterium bei der Diagnosestellung einer COPD. Effektiver wäre ergänzend zu der spirometrischen Untersuchung die Beurteilung eines patientenindividualisierten Fragebogens. So fallen auch symptomatische Raucher und ehemalige Raucher mit noch erhaltener Lungenfunktion nicht durchs Diagnoseraster.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 08.06.2016

Quelle:

New England Journal of Medicine