Ohne Valproat durch die Schwangerschaft

Der Pharmakovigilanzausschuss (PRAC) gibt neue Empfehlungen, um eine Valproat-Exposition in der Schwangerschaft zu vermeiden und somit das Ungeborene zu schützen.

Schwangere

Valproat kann in der Schwangerschaft die Gesundheit des Ungeborenen gefährden. Insbesondere besteht die Gefahr von Organfehlbildungen (vor allem Neuralrohrdefekte) und Entwicklungsstörungen. Deshalb ist es wichtig, Frauen mit Kinderwunsch frühzeitig über die Risiken einer Valproat-Therapie zu informieren. Der Pharmakovigilanzausschuss (PRAC) gibt deshalb neue Empfehlungen, wie das Antiepileptikum vor und in der Schwangerschaft eingesetzt werden sollte. Schon 2014 wurden die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen zu Valproat durch die Europäische Zulassungsbehörde (EMA) verschärft. Schon seit diesem Zeitpunkt ist die Anwendung des Wirkstoffs bei weiblichen Jugendlichen und Frauen im gebärfähigen Alter mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen verbunden.

PRAC-Empfehlungen

Die neuen Empfehlungen des Ausschusses für Risikobewertung im Bereich Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) haben zum Ziel, die pränatale Anwendung von Valproat einzuschränken und frühzeitig über die embryotoxischen Risiken aufzuklären. Zusätzlich ist die Einführung eines Schwangerschaftsverhütungsprogramms vorgesehen. So soll eine Valproat-Exposition des Ungeborenen im Mutterleib weitestgehend verhindert werden.

Zentrale Maßnahmen

Bei bestehender Zulassung für bipolare Störungen oder Migräne darf Valproat:

  • während der Schwangerschaft nicht angewendet werden.
  • bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter nicht angewendet werden - es sei denn, die Bedingungen des neu eingeführten Schwangerschaftsverhütungsprogramms (mehr darüber im nächsten Absatz) werden erfüllt.

Bei Epilepsie darf Valproat:

  • während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Bei einigen Patientinnen mit Epilepsie kann die Valproat-Therapie unter Umständen nicht abgebrochen und anderweitig ersetzt werden. Dann muss die Behandlung jedoch unter fachspezifischer Betreuung während der gesamten Schwangerschaftsdauer fortgeführt werden.
  • bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter nicht angewendet werden – es sei denn, dass die Kriterien des neu eingeführten Schwangerschaftsverhütungsprogramms befolgt werden.

Außerdem empfiehlt der PRAC, die äußere Verpackung Valproat-haltiger Arzneimittel durch visuelle Warnhinweise zum Risiko der Anwendung in der Schwangerschaft zu ergänzen. Zusätzlich sollte die 2017 eingeführte Patienten-Erinnerungskarte der äußeren Verpackung beigefügt werden. So kann in der Apotheke bei jeder Ausgabe des Arzneimittels auf die bestehenden Risiken hingewiesen werden.

Darüber hinaus sollten Pharmazeutische Unternehmen, die Valproat in den Verkehr bringen:

  • aktualisiertes Schulungsmaterial in Form eines Leitfadens für Angehörige der Heilberufe zur Verfügung stellen
  • eine Patienteninformationsbroschüre anfertigen
  • weitere Studien zu Art und Umfang der durch Valproat hervorgerufenen Risiken durchführen
  • die weitere Verwendung von Valproat beobachten und dessen langfristige Wirkung im Falle der Einnahme während der Schwangerschaft nachverfolgen.

Schwangerschaftsverhütungsprogramm

Das neu empfohlene Schwangerschaftsverhütungsprogramm zu Valproat umfasst folgende Aspekte:

  • Bewertung von Patientinnen hinsichtlich ihrer Gebärfähigkeit. In die Bewertung sollten die Patientinnen bezüglich ihrer individuellen Umstände mit einbezogen werden.
  • Schwangerschaftstests vor Therapiebeginn und bei Bedarf während der Therapie
  • Ausführliche Beratung über die Risiken einer Behandlung mit Valproat
  • Aufklärung über die Notwendigkeit einer wirksamen Schwangerschaftsverhütung während der gesamten Therapiedauer
  • mindestens einmal im Jahr fachärztliche Kontrollen der Behandlung
  • Einführung eines neuen Bestätigungsformulars. Dort wird dokumentiert, dass Patientinnen eine angemessene Beratung durch den verordnenden Arzt erhalten und diese auch verstanden haben.

Unerwünschte Wirkungen von Valproat auf das ungeborene Kind

Eine pränatale Valproat-Exposition erhöht - im Vergleich zu anderen Antiepileptika - das Risiko von schwerwiegenden Organfehlbildungen, insbesondere Spina bifida, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Herzfehler und Hypospadie. Darüber hinaus kommt es zu zum Teil schwerwiegenden Entwicklungsbeeinträchtigungen, inklusive Störungen aus dem Autismus-Spektrum-Bereich. Das Fehlbildungsrisiko von Valproat steigt dosisabhängig. Zudem erhöht sich das Fehlbildungsrisiko weiter, wenn der Wirkstoff mit anderen Antiepileptika (insbesondere Lamotrigin) kombiniert gegeben wird.

Weiteres Vorgehen

Die aktualisierten Empfehlungen des PRAC werden jetzt an die Koordinierungsgruppe für das Verfahren der gegenseitigen Anerkennung und des dezentralisierten Verfahrens – Humanarzneimittel (Co-ordination Group for Mutual Recognition and Decentralised Procedures – Human, CMDh) gesandt. Anschließend muss die CMDh zu den PRAC-Vorschlägen eine Stellungnahme abgeben. Es wäre allerdings zu begrüßen, wenn die neuen Empfehlungen in Kürze praktisch umgesetzt werden würden.

Autor: Dr. Christian Kretschmer

Stand: 19.02.2018

Quelle:

BfArM, Thieme, Journal of Neurology, Neurosurgery ans Psychiatry (JNNP)

  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige

Meistgelesene Meldungen

Pharma News

Ärztliche Fachgebiete

Orphan Disease Finder

Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen:

 

Newsletter