Vielversprechender rekombinanter Tollwut-Staupe-Impfstoff entwickelt

Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts und der Thomas Jefferson University haben einen neuen Impfstoff gegen Staupe und Tollwut entwickelt.

Vielversprechender rekombinanter Tollwut-Staupe-Impfstoff entwickelt

Der im Augenblick verfügbare Lebend – Impfstoff gegen Staupe bei Tieren ist effektiv und enthält abgeschwächte Impfviren. Er kann aber in empfindlichen Tierarten zu Erkrankungen führen.

Tollwut und Staupe gehören zu den gefährlichsten Virusinfektionen bei Karnivoren. Sie führen häufig zum Tod. Durch Biss kann das Tollwutvirus auch auf Menschen übertragen werden. Es greift das Nervensystem an und führt zu tödlichen Erkrankungen. Die Tollwutimpfstoffe sind inaktivierte Impfstoffe, die ein sehr gutes Sicherheitsprofil und eine hohe Stabilität aufweisen. Staupe-Impfstoffe sind Lebend-Impfstoffe, die abgeschwächte Staupeviren enthalten. Diese vermehren sich im geimpften Tier weiter  und können für empfindliche Tierarten gefährlich werden.

Neuer Inaktivat-Impfstoff gegen Staupe und Tollwut

Der neue Impfstoff ist nun ein sicherer Inaktivat-Impfstoff, der im Tierversuch gleichzeitig gegen Staupe und Tollwut schützt, er besteht aus einem Mix von zwei rekombinanten inaktivierten Tollwutviren inklusive Tollwut-Glykoprotein und je einem von zwei Glykoproteinen des Staupe-Erregers.

Gentechnisch veränderte Tollwutviren

Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts und der Thomas Jefferson University haben das für Impfungen eingesetzte Tollwutvirus gentechnisch verändert. Auf seiner Oberfläche befinden sich neben dem Glykoprotein des Tollwuterregers auch eines der beiden Glykoproteine des Staupevirus. Die schützende Immunantwort wird gegen diese Glykoproteine gerichtet. Die rekombinanten Viren wurden aufgereinigt und inaktiviert, um Impfstoffkandidaten zu erzeugen, die dem Tollwutimpfstoff ähnlich sind.

In Versuchen mit Frettchen war bereits eine einzelne Impfung ausreichend, um schützende Antikörpertiter gegen Tollwut zu erzeugen. Staupe-Schutz bestand nur, wenn die Tiere mit einem Mix aus inaktivierten Tollwutviren mit je einem der Staupe-Glykoproteine geimpft worden waren. Der Mix-Impfstoff enthielt das Tollwutvirus-Glykoprotein und beide Staupevirus-Glykoproteine. Die Forscher sahen darin die Bestätigung, dass nur die Immunantwort gegen beide Staupevirus-Glykoproteine zum Schutz vor Staupe führt.

Vielversprechende Plattform für weitere Impfstoffe gegen Morbillviren

"Unser Tollwutvirus-basierter bivalenter Impfstoff ist eine vielversprechende Plattform für die Entwicklung von Impfstoffen gegen Morbilliviren" erläutert von Messling die Forschungsergebnisse. Zum einen ist hier kein Risiko einer Impfkrankheit vorhanden, weil die Viren inaktiviert sind. Zum anderen – ein weiterer wichtiger Vorteil inaktivierter Impfstoffe – sind sie deutlich weniger temperaturempfindlich als Lebendimpfstoffe.

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 13.02.2017

Quelle:

Paul-Ehrlich-Insititut (PEI)

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