Warfarin erhöht Demenz-Risiko

Warfarin soll das Risiko einer Demenz erhöhen, insbesondere wenn der Wirkstoff zur Schlaganfall-Prävention bei Vorhofflimmern eingesetzt wird. Zu diesen Ergebnissen kommen Forscher des Intermountain Medical Center Heart Institute in Salt Lake City, Utah. Ohne Vorhofflimmern sei das erhöhte Demenz-Risiko auch vorhanden, jedoch nicht so ausgeprägt.

Warfarin erhöht Demenz-Risiko

Warfarin ist ein typischer Wirkstoff, um Thrombembolien zu vermeiden und deren Folgeschäden vorzubeugen. Der Vitamin-K-Antagonist wird insbesondere bei Vorhofflimmern (VHF) eingesetzt, um Gefäßverschlüsse im Rahmen eines apoplektischen Insults zu verhindern. Bekannt ist, dass VHF-Patienten mit einem erhöhten Demenz-Risiko assoziiert sind. Entsprechende Erfahrungen konnten bereits durch unterschiedliche Studien bestätigt werden. Jetzt die neueste Erkenntnis: Eine Langzeitanwendung von Warfarin steigert das Demenz-Risiko bei VHF zusätzlich. Ergebnisse einer entsprechenden Studie wurden auf dem letzten amerikanischen Kardiologenkongress der American Heart Association in New Orleans präsentiert.

Bis zu 3-fach erhöhtes Demenz-Risiko bei Vorhofflimmern

Die Wissenschaftler untersuchten in der Studie, wie sich Warfarin zur Schlaganfall-Prävention bei Vorhofflimmern und anderen Indikationen hinsichtlich einer Demenz auswirkt. Dafür wurden Daten von mehr als 6.000 Patienten ausgewertet. Alle Probanden erhielten als Antikoagulationstherapeutikum langfristig Warfarin. Die Aufteilung erfolgte in zwei Gruppen, Patienten mit Vorhofflimmern und Patienten, die den Wirkstoff aufgrund einer anderen Indikation erhielten. Keiner der Teilnehmer zeigte zu Beginn der Studie demenzielle Symptome. Nach sieben Jahren ergab eine erneute Untersuchung, dass VHF-Patienten zwei- bis dreimal häufiger eine Demenz entwickelt hatten als Patienten ohne die Diagnose Vorhofflimmern.

Auf ausgeglichenes Warfarin- Management achten

Den Studienergebnissen zufolge erhöht eine Langzeitbehandlung mit Warfarin grundsätzlich das Risiko einer Demenz, und zwar unabhängig von der Demenzform (inklusive Alzheimer-Krankheit). „Ein Demenzrisiko wird bei Patienten mit und ohne Vorhofflimmern beobachtet. Die Anwesenheit von Vorhofflimmern vermittelt aber ein zusätzliches Risiko”, so Dr. T. Jared Bunch, Leiter der Studie und Direktor der kardialen Elektrophysiologie am Intermountain Medical Center Heart Institute in Salt Lake City.

Besonders negativ wirken sich der Studie zufolge stark schwankende Blutkonzentrationen von Warfarin auf die Entwicklung einer Demenz aus. Dementsprechend sollten diese mit einem individuell angepassten Warfarin-Management vermieden werden. Bunch fordert seine Kolleginnen und Kollegen auf, Antikoagulanzien wie Warfarin nur bei zwingender Indikation zu verordnen. Zudem sei die Therapie regelmäßig zu kontrollieren und gegebenenfalls anzupassen.

Zusammenhang zwischen VHF, Warfarin und Demenz noch unklar

Warum eine Langzeitgabe von Warfarin das Demenz-Risiko erhöht, ist bislang noch nicht im Detail geklärt. Diskutiert werden vor allem minimale Warfarin-induzierte Blutungen im Gehirn, die sich negativ auf bestimmte Hirnareale auswirken und möglicherweise eine Demenz begünstigen. „Weitere Forschungen sind notwendig, um die vielen komplexen Mechanismen zu identifizieren, die Vorhofflimmern mit Demenz verknüpfen.“, sagt Bunch. Und weiter: „Wir planen eine Reihe neuer Studien, mit dem Ziel herauszufinden, welche Behandlungen das Risiko einer Demenz bei Vorhofflimmern verringern können.“

Autor: Dr. Christian Kretschmer

Stand: 14.12.2016

Quelle:

Intermountain Medical Center Heart Institute, Utah

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