Wechselwirkung des Jahres 2015: Simvastatin und Amlodipin

Auf dem Pharmacon bezeichnete Prof. Dr. Hans-Peter Lipp die Wechselwirkung zwischen dem Lipidsenker Simvastatin und dem Kalziumkanalblocker Amlodipin als Interaktion des Jahres 2015.

Wechselwirkung des Jahres 2015: Simvastatin und Amlodipin

Auf dem Pharmacon in Schladming am 20. Januar 2016 bezeichnete Prof. Dr. Hans-Peter Lipp, Chefapotheker des Universitätsklinikums Tübingen, die Wechselwirkung zwischen dem Lipidsenker Simvastatin und dem Kalziumkanalblocker Amlodipin als Interaktion des Jahres 2015. Lipp zufolge ist diese Interaktion die Wechselwirkung, die in den USA am häufigsten übersehen würde. Auch in Deutschland müsse dieser Wechselbeziehung mehr Beachtung geschenkt werden. Eine weitaus bessere Wahl bei dieser Komedikation stelle der Lipidsenker Atorvastatin dar, der Lipp zufolge als AMTS-sicherere Alternative für die Kalziumkanalblocker-Lipidsenker-Kombinationstherapie eingestuft werden kann.

Hepatische Interaktionen

Bekanntermaßen erfolgt die Metabolisierung der meisten Wirkstoffe hepatogen. Müssen mehrere Wirkstoffe gemeinsam hepatisch eliminiert werden, sind mitunter Interaktionen zu erwarten. So auch bei der kombinierten Gabe von Simvastatin und Amlodipin. Der HMG-CoA-Reduktase-Inhibitor Simvastatin wird wie der 1,4-Dihydropyridin-Kalziumkanalblocker Amlodipin in Darm und Leber hauptsächlich vom Cytochrom P450 Isoenzym (CYP) 3A4 metabolisiert. Dies führt dosisabhängig zu einer Substratkonkurrenz an dem Isoenzym. Genauer: Amlodipin inhibiert den normalerweise ausgeprägten First-Pass-Metabolismus von Simvastatin. In Folge erhöht sich die Statinkonzentration im Plasma.

Erhöhtes Myopathie-Risiko durch hohe Simvastatin-Konzentration

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2014 zeigte bei einer gleichzeitigen Gabe von 40 mg Simvastatin und 10 mg Amlodipin um etwa 80 Prozent höhere Simvastatin-Plasmaspiegel, als sie sonst bei dieser Dosis erreicht werden. Mit der hohen Simvastatin-Konzentration steigt auch das Risiko von Myopathien (inklusive Rhabdomyolyse mit oder ohne akutem Nierenversagen). Eine Nebenwirkung, die dosisabhängig bei allen Statinen vorkommen kann. Die meisten Fachinformationen legen aufgrund der pharmakokinetischen Interaktion eine Simvastatin-Maximaldosis von 20 mg pro Tag fest, wenn gleichzeitig Amlodipin eingenommen werden muss. Auch die ABDA-Datenbank weist auf eine möglicherweise erhöhte Simvastatin-Wirkung hin und empfiehlt, Patienten mit dieser Kombinationstherapie sorgfältig zu überwachen.

Atorvastatin als Alternative

Um Wechselwirkungen wie die zwischen Simvastatin und Amlodipin zu vermeiden, muss die Dosis der entsprechenden Wirkstoffe angepasst oder die Kombinationsbehandlung gänzlich vermieden werden. Im Fall der kombinierten Gabe von Simvastatin und Amlodipin hat sich Lipp zufolge Atorvastatin als sichere Lipidsenker-Alternative bewährt. Zwar erhöhe sich der Atorvastatin-Plasmaspiegel ebenfalls durch Amlodipin, jedoch nur um rund 18 Prozent. Die geringe Interaktion zwischen Atorvastatin und Amlodipin ist darauf zurückzuführen, dass Atorvastatin im Gegensatz zu Simvastatin keinem ausgeprägten First-Pass-Metabolismus über das intestinale CYP 3A4 unterliegt.

Weitere Alternativen zu Simvastatin könnten die CYP 3A4-unabhängig metabolisierten Statine Fluvastatin , Pravastatin oder Rosuvastatin darstellen.

Originaldateien:
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/01/21/amlodipin-und-simvastatin-interaktion-des-jahres-2015
http://journals.lww.com/md-journal/Fulltext/2016/01120/Risks_of_Adverse_Events_Following_Coprescription.66.aspx
http://www.pharmacon.de/schladming/

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 05.04.2016

Quelle:

Pharmacon Kongress

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