Nierenschäden durch NSAR auch bei jungen Menschen

Eine Therapie mit nicht-steroidalen Antirheumatika kann vor allem bei älteren Personen oder Patienten mit entsprechenden Vorerkrankungen und/oder Risikofaktoren die Nieren schädigen. Einer neuen Studie zufolge sind akute und chronische NSAR-assoziierte renale Probleme aber auch bei jüngeren, weitgehend gesunden Erwachsenen möglich.

NSAR

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) können Nierenschäden verursachen. Nach aktueller Lehrmeinung sind ältere Menschen sowie Patienten mit vorgeschädigter Niere oder entsprechenden Risikofaktoren wie Adipositas, Diabetes oder Hypertonie besonders gefährdet.

Einer aktuellen Studie mit US-amerikanischen Soldaten zufolge haben jedoch auch junge, körperlich aktive Erwachsene mittleren Alters ein erhöhtes Risiko für akute und chronische Nierenschäden, wenn sie häufiger NSAR einnehmen. Das Risiko wird als mäßig, aber signifikant beschrieben. Deshalb sollte das Potential von NSAR für renale Nebenwirkungen bei der Verordnung auch bei jüngeren Menschen aufmerksam beachtet werden, so die Studienautoren.

Aufbau der Studie

Wissenschaftler der Stanford University of Medicine verglichen in einer Beobachtungsstudie medizinische Daten von 764.228 aktiven Soldaten der US-Armee, um die renalen Auswirkungen von NSAR zu untersuchen. Die meisten Studienteilnehmer waren männlich (85,8%) mit einem Durchschnittsalter von 28,6 Jahren. Die Angaben zu medikamentösen Therapien und Erkrankungen wurden aus elektronischen Krankenakten und militärspezifischen digitalen Systemen entnommen. Die Studienautoren werteten die Daten von Soldaten aus:

  • denen im letzten halben Jahr keine verschreibungspflichtigen NSAR verordnet wurden (65,8%)
  • die in den letzten sechs Monaten monatlich 1 bis 7 definierte Tagesdosen (DDD) eines verschreibungspflichtigen NSAR einnahmen (17,9%)
  • die in den letzten sechs Monaten mehr als 7 DDD benötigten (16,3%).

Die am häufigsten verschriebenen NSAR-Präparate waren Ibuprofen und Naproxen. Diese machten zusammen 72,4% der verordneten Entzündungshemmer aus. Bei den 804.471 Ibuprofen-Verordnungen wurden zu 78,3% 800-mg-Tabletten verschrieben; bei den 376.078 Naproxen-Rezepten verordneten Mediziner in 95,7% der Fälle Tabletten mit 500 mg oder mehr Wirkstoff.

Ergebnisse der Studie

Der Beobachtungszeitraum der Studie betrug insgesamt vier Jahre. In dieser Zeit wurden bei 0,3% bzw. 2.365 Soldaten eine akute Nierenschädigung und bei 0,2% bzw. 1.634 Soldaten eine chronische Nierenerkrankung diagnostiziert. Im Anschluss verglichen die Wissenschaftler die Daten der NSAR-Nutzer mit denen der Probanden, die keine Medikamente erhielten. Dabei bezogen sie Risikofaktoren wie Adipositas, Diabetes und Hypertonie ein. Nach Angleichung aller Faktoren (postregressionsbereinigte Risikoberechnung) hatte die NSAR-Gruppe mit mehr als 7 DDD ein um 20% erhöhtes Risiko für eine Nierenschädigung. Genauer gab es bei 100.000 Anwendern eine zusätzliche Fallzahl von 17,6 akuten und 30 chronischen Nierenfunktionsbeeinträchtigungen. Die NSAR-Gruppe mit 1 bis 7 DDD zeigte zwar eine geringe, aber keine signifikante Zunahme renaler Komplikationen.

Komorbiditäten als Risikofaktoren

Die Wissenschaftler verglichen darüber hinaus die NSAR-assoziierten renalen Nebenwirkungen in den Anwendergruppen unter Berücksichtigung der allgemeinen Risikofaktoren. Mit einer erhöhten Rate renaler Nebenwirkungen bei NSAR-Anwendern mit Adipositas (BMI ≥ 30), Hypertonie oder Diabetes wurden die Erwartungen der Forscher bestätigt. Soldaten mit Bluthochdruck oder Rhabdomyolyse in der Anamnese wiesen beispielsweise ein mehr als zweifach erhöhtes renales Nebenwirkungsrisiko auf.

Demographische Unterschiede

Zudem wurden demographische Unterschiede ermittelt. Männer hatten ein mehr als doppelt so hohes Risiko für akute Nierenschäden und ein geringes (aber signifikant) erhöhtes Risiko für chronische Niereninsuffizienz als Frauen. Afroamerikanische Teilnehmer zeigten im Vergleich zu weißen Teilnehmern eine mehr als doppelt so hohe Gefahr, an einer chronischen Niereninsuffizienz zu erkranken. Probanden der hispanischen Ethnie wiesen im Vergleich zu anderen Ethnien ein geringeres renales Risiko akuter Nierenschädigungen auf.

Einflussfaktor Alter

Auch das Alter wirkt sich auf das renale NSAR-Risiko aus. Soldaten, die älter als 22 Jahre waren, hatten im Vergleich zu jüngeren Teilnehmern eine höhere renale Gefährdung. Die Alters-Assoziation zeigte sich am stärksten in der Analyse der chronischen Nierenschädigungen. So gab es bei den 42- bis 49-Jährige eine 5-fache Steigerung des renalen Risikos und bei Personen ab 50 Jahren einen 7-fachen Anstieg.

Militärspezifische Faktoren

Statistisch signifikante Risikoerhöhungen wurden auch in Verbindung mit einigen militärspezifischen Faktoren wie den Dienstgraden oder der aktiven Militärzeit festgestellt. Außerdem war die zunehmende Dauer des Militärdienstes mit einem erhöhten Einsatz von NSAR verbunden. Im Einzelnen machten Personen mit mehr als zwölf Dienstjahren 19,4% der Nicht-NSAR-Gruppe und 30,4% der NSAR-Gruppe > 7 DDD aus.

Fazit

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Einnahme von NSAR auch bei jungen und körperlich aktiven Menschen mit einem erhöhten renalen Risiko assoziiert sein kann. Diese Beobachtung sollte im medizinischen Alltag mehr Beachtung finden. Das gilt insbesondere für Patienten mit Vorerkrankungen wie Hypertonie, Diabetes und Adipositas.

Limitationen der Studie

Die Studie birgt jedoch Nachteile, unter anderem das Studiendesign als Kohortenstudie, die relativ kurze Nachbeobachtungszeit und die ausschließliche Militär-Klientel mit überwiegend männlichem Anteil. Es bleibt offen, ob die Ergebnisse tatsächlich mit denen nicht-militärischer Erwachsenen ähnlichen Alters korrelieren. Dabei ist zu bemerken, dass Soldaten ein üblicherweise höheres Pensum an körperlicher Anstrengung absolvieren als Zivilisten.

Zudem werden die Kampfeinsätze meist im warmen Süden der USA durchgeführt, in jüngster Zeit vorwiegend in weitgehend heißen und trockenen Regionen. Möglicherweise wurde so die Studie durch eine intermittierende Dehydratation, die das Flüssigkeitsvolumen weiter verringert und die renale Belastung erhöht, beeinflusst. Den Studienautoren zufolge lassen sich die Ergebnisse der Studie am besten auf Zivilisten mit anstrengenden, potenziell dehydratisierenden Berufen wie Athleten, Feuerwehrleuten, Land-, Bau- und Industriearbeitern übertragen.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 25.02.2019

Quelle:

Nelson et al. (2019): Association of Nonsteroidal Anti-inflammatory Drug Prescriptions With Kidney Disease Among Active Young and Middle-aged Adults. JAMA Network Open, DOI: https://dx.doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2018.7896

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