Migräneattacke

Am 15. Mai 2019 wird Ajovy (Fremanezumab) von Teva in Deutschland eingeführt. Ajovy ist der dritte monoklonale Antikörper zur Prophylaxe von Migräne. Den Anfang machte im November 2018 Aimovig (Erenumab) von Novartis, im April 2019 folgte Emgality (Galcanezumab) von Eli Lilly.

Die Markteinführung von Ajovy erfolgt nun, nachdem die Europäische Kommission der Zulassungsempfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) vom Februar 2019 gefolgt ist.

Anwendung von Ajovy

Ajovy ist indiziert zur Migräne-Prophylaxe bei Erwachsenen, bei denen mindestens vier Migränetage im Monat auftreten.

Wirkung von Fremanezumab

Bei Migräneattacken sind die Serumkonzentrationen des Calcitonin-Gene-Related-Peptids (CGRP) in der Vena jugularis externa signifikant erhöht, was auf eine Rolle von CGRP bei der Pathophysiologie von Migräne hindeutet. Fremanezumb ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der selektiv an das CGRP bindet und damit dessen vasodilatatorische Funktion, die bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielen soll, blockiert.

Fremanezumab besitzt somit den gleichen Wirkmechanismus wie Galcanezumab. Erenumab hingegen konkurriert wirksam und spezifisch mit CGRP um die Bindung am CGRP-Rezeptor und hemmt dessen Funktion am Rezeptor.

Anwendung und Dosierung von Ajovy

Ajovy wird subkutan injiziert. Mögliche Injektionsstellen sind Bereiche des Abdomens, des Oberschenkels und der Oberarme, wenn diese nicht empfindlich, gerötet oder verhärtet und frei von Hämatomen sind. Bei mehreren Injektionen sollte die Injektionsstelle gewechselt werden.

Sind Patienten in der subkutanen Selbstinjektion von medizinischem Fachpersonal angeleitet worden, so kann eine Selbstinjektion durch die Patienten erfolgen.

Dosierung

Zur Therapie stehen zwei Dosierungsoptionen zur Verfügung. Es kann eine einmal monatliche Injektion mit 225 mg erfolgen, daneben ist eine vierteljährliche Injektion mit einer Dosierung von 675 mg möglich. Da das Präparat lediglich in der Stärke 225 mg erhältlich ist, müssen beim vierteljährlichen Intervall drei Injektionen erfolgen. Wie oben bereits beschrieben, müssen dann verschiedene Injektionsstellen gewählt werden.

Wird der Dosierungsplan gewechselt, so sollte die Dosis des neuen Plans am nächsten geplanten Termin des vorherigen Dosierungsplanes verabreicht werden.

Eine Bewertung des Behandlungsnutzens ist innerhalb von drei Monaten nach Therapiebeginn vorzunehmen. Das Ergebnis dieser Prüfung entscheidet darüber, ob die Therapie fortgeführt wird oder nicht. Generell sollte die Notwendigkeit zur Fortsetzung der Therapie in regelmäßigen Abständen geprüft werden.

Nebenwirkungen von Ajovy

Die häufigsten Nebenwirkungen in den Zulassungsstudien mit über 2.500 Patienten waren lokale Reaktionen an der Injektionsstelle. Diese lokalen Reaktionen umfassten Schmerzen (24%), Verhärtungen (17%), Erytheme (16%) und Juckreiz (2%).

Wechselwirkungen

Die Eigenschaften von Fremanezumab lassen keine pharmakokinetischen Wechselwirkungen erwarten. Es wurden keine formellen klinischen Studien mit Ajovy zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt.

Während der klinischen Studien wurde Fremanezumab zusammen mit Medikamenten zur Migräne-Akutbehandlung (besonders Analgetika, Ergotaminderivate und Triptane) sowie mit präventiven Migränemedikamenten angewendet. Dabei wurde Fremanezumab nicht in seiner Pharmakokinetik beeinträchtigt.

Schwangerschaft, Stillzeit und Verkehrstüchtigkeit

Zur Anwendung von Ajovy während der Schwangerschaft liegen nur begrenzte Daten vor. Deshalb sollte die Anwendung des Präparates während der Schwangerschaft vermieden werden, auch wenn tierexperimentelle Daten keine Hinweise auf eine schädliche Wirkung zeigten.

Gerade in den ersten Tagen nach der Entbindung geht humanes Immunglobulin G (IgG) in die Muttermilch über und sinkt danach sehr bald auf niedrige Konzentrationen ab. Ob Fremanezumab in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt. Daher ist vor allem in den ersten Tagen nach der Geburt ein Risiko für das gestillte Kind nicht auszuschließen. Auch im Anschluss an diese Phase sollte die Anwendung von Fremanezumab in der Stillzeit nur erfolgen, falls dies klinisch erforderlich ist.

Das Präparat hat keinen bzw. einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen.  

Studienlage zur Zulassung

Zwei randomisierte, doppelt verblindete, placebokontrollierte Phase-III-Studien untersuchten die Wirksamkeit von Fremanezumab über einen Zeitraum von 12 Wochen bei Patienten mit episodischer bzw. chronischer Migräne.

Eingeschlossen in die Studie wurden Patienten, die eine mindestens 12-monatige Vorgeschichte mit Migräne (mit und ohne Aura) nach den Diagnosekriterien der internationalen Kopfschmerzklassifikation (International Classification of Headache Disorders, ICHD-III) hatten. Ausgeschlossen waren Patienten mit einem Alter über 70, Patienten, die an mehr als vier Tagen pro Monat Opioide oder Barbiturate anwendeten, sowie Patienten mit Myokardinfarkt, zerebrovaskulärem Insult oder thromboembolischen Ereignissen in der Vorgeschichte.

Ergebnisse

In beiden Studien zeigten Patienten aus der Fremanezumab-Gruppe unter beiden Dosierungsschemata eine statistisch signifikante und klinisch bedeutsame Verbesserung gegenüber Baseline bei den wichtigsten Endpunkten. Diese umfassten beispielsweise die mittlere Veränderung der durchschnittlichen monatlichen Anzahl von Migränetagen während des 12-wöchigen Behandlungszeitraums, eine Responderrate von 50% und die durchschnittliche monatliche Anzahl von Tagen mit Anwendung eines Akut-Kopfschmerzmedikaments gegenüber Baseline.

Weitere Informationen sind der Fachinformation von Ajovy zu entnehmen.

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 14.05.2019

Quelle:

Fachinformation Ajovy