Rote Blutkoerperchen

Was ist Cablivi?

Cablivi ist ein neues Orphan Arzneimittel der Firma Sanofi und ist das erste Therapeutikum speziell für die Behandlung von Erwachsenen mit Erworbene thrombotische thrombozytopenische Purpura (aTTP). Cablivi ist in Verbindung mit Plasmaaustausch und Immunsuppression für die Behandlung von Erwachsenen mit einer Episode erworbener thrombotischer thrombozytopenischer Purpura (aTTP) indiziert. Die Erkrankung ist auch unter den folgenen Synonymen bekannt: Thrombotisch-thrombopenische Purpura oder Moschcowitz-Syndrom.

Wirkung

Cablivi reduziert die Dauer bis zum Ansprechen der Thrombozytenanzahl; daneben verringert das Arzneimittel:

  • die Rezidivrate der Krankheit
  • die Anzahl der Tage des Plasmaaustausches
  • das Volumen des verwendeten Plasmas
  • die Dauer von Krankenhausaufenthalt/Intensivstationsaufenthalt

Wirkstoff

Caplacizumab ist ein humanisierter, bivalenter Nanokörper, der aus zwei identischen humanisierten Bausteinen (PMP12A2hum1) besteht, die gentechnisch durch einen 3-Alanin-Linker verbunden sind. Der Wirkstoff hemmt die Interaktion zwischen von-Willebrand-Faktor und Thrombozyten und verhindert so eine durch von-Willebrand-Faktor-vermittelte Thrombozytenadhäsion, die für aTTP charakteristisch ist. Es wirkt sich auch auf die Disposition von von-Willebrand-Faktor aus, was zu einer transienten Verringerung des Gesamt-von-Willebrand-Faktor-Antigenspiegels führt und zu einer gleichzeitigen Reduktion des Faktor VIII:C-Spiegels während der Behandlung.

Dosierung

Erstdosis: Intravenöse Injektion von 10 mg Caplacizumab vor der Plasmapherese.

Folgedosen: Tägliche subkutane Gabe von 10 mg Caplacizumab nach Abschluss einer jeden Plasmapherese für die Dauer der täglichen Plasmapheresebehandlung, danach tägliche subkutane Injektion von 10 mg Caplacizumab über 30 Tage nach Beendigung der täglichen Plasmapheresebehandlung.  Gabe von 10 mg Caplacizumab fortzusetzen, bis die Anzeichen der immunologischen Grunderkrankung abgeklungen sind (z. B. dauerhafte Normalisierung des ADAMTS13-Aktivitätsniveaus).

Im klinischen Entwicklungsprogramm wurde Caplacizumab täglich bis zu 65 Tage lang verabreicht. Es liegen keine Daten zu einer Wiederaufnahme der Caplacizumab-Therapie vor. Weitere Informatienen entnehmen Sie bitte der Fachinformation.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen sind

  • Epistaxis
  • Kopfschmerzen
  • Zahnfleischblutungen
  • Urtikaria
  • Fieber
  • Ermüdung

Studienlage

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Caplacizumab bei Erwachsenen, die an einer Episode von erworbener TPP leiden, wurden in zwei randomisierten, kontrollierten Studien nachgewiesen: die Phase-III-Studie ALX0681-C301 „HERCULES“ und die Phase-II-Studie ALX-0681-2.1/10 „TITAN“.

HERCULES- und TITAN-Studie

In der HERCULES-Studie führte die Behandlung mit Caplacizumab zusätzlich zu Standard-of-Care zu einer signifikant kürzeren Ansprechzeit der Thrombozytenzahl (p <0,01), einer signifikanten Reduktion des aTTP-bedingten Todes, des Wiederauftretens von aTTP oder mindestens eines Major thromboembolisches Ereignis während der Studienmedikation (p <0,0001) und eine signifikant geringere Anzahl von aTTP-Rezidiven im gesamten Studienzeitraum (p <0,001).

Wichtig ist, dass die Behandlung mit Caplacizumab im Vergleich zur Placebo-Gruppe zu einer klinisch bedeutsamen Reduktion der Plasmaaustausch-Dosis und der Verweildauer auf der Intensivstation und im Krankenhaus führte. Darüber hinaus beugt Caplacizumab refraktären Erkrankungen vor und wirkt sich positiv auf die Normalisierung von Organschadensmarkern (Laktatdehydrogenase, kardiales Troponin I und Serumkreatinin) aus. Caplacizumab hat ein günstiges Sicherheitsprofil, das mit seinem Wirkungsmechanismus übereinstimmt.

In den Studien TITAN und HERCULES wurden in der Caplacizumab-Gruppe keine Todesfälle während der Studienmedikation berichtet, während in der Placebo-Gruppe zwei Todesfälle in der TITAN-Studie und drei Todesfälle in der HERCULES-Studie berichtet wurden.

Follow-up-Studie

Eine dreijährige Follow-up-Studie (NCT02878603) von Patienten, die die HERCULES-Studie abgeschlossen haben, ist in Arbeit und wird die langfristige Sicherheit und Wirksamkeit von Caplacizumab und die wiederholte Anwendung von Caplacizumab sowie die Langzeitwirkung von aTTP weiter bewerten.
 

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 02.10.2018

Quelle:

Pressemitteilung Sanofi, European Medicines Agency (EMA)