Neueinführung Imfinzi bei NSCLC

Imfinzi (Wirkstoff Durvalumab) ist als Monotherapie zur Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC, Stadium III) bei Erwachsenen indiziert. Das Arzneimittel hat Ende Juli 2018 die EU-Zulassung erhalten und wurde im Oktober 2018 auf dem deutschen Markt eingeführt.

Lunge

Anwendung von Imfinzi

Imfinzi vom Hersteller AstraZeneca wird als Monotherapie zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen, inoperablen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) bei Erwachsenen angewendet. Das Arzneimittel mit dem Wirkstoff Durvalumab ist ausschließlich für Patienten geeignet, deren Tumoren PD-L1 in ≥ 1 Prozent der Tumorzellen exprimieren und deren Krankheit nach einer platinbasierten Radiochemotherapie keine Progression zeigte.

Imfinzi steht als Konzentrat zur Herstellung einer intravenösen Infusionslösung zur Verfügung und ist nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich.

Anwendungsempfehlung

Die Behandlung kann maximal zwölf Monate andauern. Im Fall einer Krankheitsprogression oder inakzeptablen Toxizität muss die Therapie früher beendet werden. Es wird jedoch empfohlen, klinisch stabile Patienten mit Initialverdacht einer Progression weiter zu behandeln, bis eine Verschlechterung der Erkrankung sicher bestätigt wurde. Die Behandlung mit Imfinzi muss von einem in der Anwendung von Krebstherapien erfahrenen Arzt eingeleitet und überwacht werden.

Dosierung

Die vom Hersteller empfohlene Dosis beträgt 10 mg Imfinzi pro Kilogramm Körpergewicht. Diese sollte alle zwei Wochen als intravenöse Infusion über einen Zeitraum von 60 Minuten gegeben werden. Eine Dosissteigerung oder -reduktion wird vom Hersteller nicht empfohlen. Je nach individueller Sicherheit und Verträglichkeit kann aber das Aussetzen einer Dosis erwogen werden oder ein dauerhaftes Absetzen erforderlich sein.

Wirkung von Durvalumab

Durvalumab, der Wirkstoff von Imfinzi, gehört zur Gruppe der monoklonalen Antikörper und wirkt als PD-L1-Inhibitor antineoplastisch.

Damit sich Tumoren vor einer Erkennung und Elimination durch das körpereigene Immunsystem schützen können, hilft die Expression des programmed cell death ligand 1 (PD-L1)-Proteins als adaptive Immunantwort. PD-L1 wird beispielsweise durch inflammatorische Signale wie IFN-gamma induziert. Es kann sowohl auf Tumorzellen als auch tumorassoziierten Immunzellen im Tumormikro-Milieu exprimiert werden. Durch Interaktion mit PD-1 und CD80 (B7.1) blockiert PD-L1 die Aktivierung und Funktion von T-Zellen. Nach dem PD-L1 an seine Rezeptoren bindet, verringern sich die zytotoxische T-Zell-Aktivität, Proliferation und Zytokinproduktion.

Durvalumab ist ein vollständig humaner, monoklonaler Immunglobulin-G1-kappa-(IgG1κ)- Antikörper. Er blockiert selektiv die Interaktion von PD-L1 mit PD-1 und CD80 (B7.1). Dabei ruft Durvalumab keine antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität (ADCC) hervor. Da aber die Interaktion zwischen PD-L1/PD-1 sowie PD-L1/CD80 blockiert wird, verbessert sich die antitumorale Antwort des Immunsystems und erhöht die Aktivierung von T-Zellen.

Studienlage Imfinzi

Die Zulassung beruht auf Daten der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten, multizentrischen Phase-III-Studie PACIFIC. An dieser nahmen 713 Patienten mit lokal fortgeschrittenem, inoperablem NSCLC teil. Die Probanden hatten innerhalb von 1 bis 42 Tagen vor Studienbeginn mindestens zwei Zyklen einer simultanen Radiochemotherapie abgeschlossen. Die Patienten wurden im Verhältnis 2:1 auf 10 mg/kg Imfinzi (n = 476) oder 10 mg/kg Placebo (n = 237) randomisiert. Alle zwei Wochen bekamen sie Placebo oder Imfinzi als intravenöse Infusion verabreicht. Die Therapie dauerte bis zu zwölf Monate lang an bzw. wurde bis zum Auftreten einer inakzeptablen Toxizität oder einer bestätigten Krankheitsprogression fortgesetzt.

Mit Imfinzi behandelte Patienten zeigten eine statistisch signifikante und klinisch bedeutsame Verbesserung der beiden primären Endpunkte Gesamtüberleben (OS) und progressionsfreies Überleben (PFS). Im Vergleich zu Placebo reduzierte Imfinzi das Risiko einer Progression nach Radiochemotherapie um 48 Prozent und verlängerte das mediane PFS um 11,2 Monate (16,8 Monate mit Imfinzi versus 5,6 Monate mit Placebo; HR = 0,52, 95%-KI: 0,42; 0,65, p-Wert < 0,0001). Die Verlängerung des PFS mit Imfinzi wurde in allen analysierten Patienten-Subgruppen beobachtet, einschließlich ethnische Abstammung, Alter, Geschlecht, Rauchgewohnheit, EGFR-Mutationsstatus und Histologie.

Nebenwirkungen von Imfinzi

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Husten, Infektionen der oberen und unteren Atemwege, Hautausschlag, Pruritus und Diarrhoe. Als weitere häufige Nebenwirkungen sind unter anderem möglich: orale Candidose, Infektionen der dentalen oder oralen Weichgewebe, Dysphonie, Abdominalschmerzen, Hypo- und Hyperthyreose, Nachtschweiß und infusionsbezogene Reaktionen.

Gegenanzeigen

Imfinzi darf nicht bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der Hilfsstoffe und nicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren angewendet werden.

Besondere Hinweise

Patienten sollten informiert werden, bei folgenden Anzeichen unverzüglich einen Arzt zu konsultieren:

  • Verdacht auf Pneumonie, interstitielle Lungenerkrankung oder Pneumonitis: neu auftretender oder sich verschlechternder Husten, Dyspnoe und Brustschmerzen
  • Verdacht auf Hepatitis: Nausea, Emesis, Inappetenz, rechtsseitige Abdominalschmerzen, Ikterus, Benommenheit, dunkler Urin, erhöhte Blutungsneigung oder raschere Bildung von Hämatomen
  • Verdacht auf Kolitis: Diarrhoe oder vermehrte Darmperistaltik, Stuhl mit Blut- oder Schleimauflage, Hämatochezie/Meläna, starke Abdominalschmerzen oder Druckempfindlichkeit im Abdomen
  • Verdacht auf Endokrinopathien, insbesondere Entzündungen von Schilddrüse, Nebenniere, Hypophyse und Pankreas: Tachykardie, Fatigue, Gewichtszunahme oder Gewichtsverlust, Schwindel mit und ohne Ohnmacht, Alopezie, Kältegefühl, Obstipation, dauerhafte oder unübliche Kopfschmerzen
  • Verdacht auf Typ-1-Diabetes: hoher Blutzucker, verstärktes Hunger- oder Durstgefühl und häufigeres Wasserlassen
  • Verdacht auf Nephritis: Anurie
  • Verdacht auf Dermatitis: Hautausschlag, Pruritus, orale Blasen oder Ulzerationen, dermatologische Auffälligkeiten an anderen Schleimhäuten
  • Verdacht auf Myokarditis: pectanginöse Beschwerden, Dyspnoe, Arrhythmie oder Palpitationen
  • Verdacht auf Myositis: Myalgie oder Myasthenie
  • Verdacht auf infusionsbezogene Reaktionen: Schüttelfrost oder Zittern, Juckreiz oder Hautausschlag, Hitzewallungen, Kurzatmigkeit oder keuchende Atmung, Schwindel und Fieber.

Weitere Details zu diesem Medikament können Sie der vorliegenden Fachinformation entnehmen.

PDFFachinformation Imfinzi

Autor: Dr. Christian Kretschmer

Stand: 24.10.2018

Quelle:

Fachinformation Imfinzi, European Medicines Agency

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