Neueinführung Luxturna bei Netzhautdystrophie

Luxturna ist ein neues Voretigen Neparvovec-haltiges Gentherapeutikum das zur Behandlung von erwachsenen und pädiatrischen Patienten mit Sehverlust aufgrund einer erblichen Netzhautdystrophie eingesetzt wird.

Augen Operation

Wofür wird Luxturna angewendet?

Luxturna ist ein neues Arzneimittel der Firma Novartis Pharma und wird angewendet zur Behandlung von erwachsenen und pädiatrischen Patienten mit Sehverlust aufgrund einer erblichen Netzhautdystrophie, die auf nachgewiesenen biallelischen RPE65-Mutationen beruht, und die über ausreichend lebensfähige Netzhautzellen verfügen.

Ein prä- und postoperativer immunmodulatorischer Behandlungsplan mit Prednisolon oder einem Äquivalent ist der Fachinformation zu entnehmen.

Was ist Voretigen Neparvovec?

Voretigen Neparvovec ist ein Gentransfer-Vektor, der das Kapsid eines Adeno-assoziierten viralen Vektors vom Serotyp 2 (AAV2) als Transportvehikel für die cDNA des humanen retinalen Pigmentepithelspezifischen 65 kDa-Protein (hRPE65) in die Retina verwendet. Voretigen Neparvovec wird mittels rekombinanter DNA-Techniken aus einem natürlich vorkommenden AAV gewonnen.

Wirkung von Voretigen Neparvovec

Das retinale Pigmentepithel-spezifische 65-Kilodalton-Protein (RPE65) befindet sich in den retinalen Pigmentepithelzellen und wandelt all-trans-Retinol in 11-cis-Retinol um. Während des Sehzyklus (Retinoidzyklus) wird das 11-cis-Retinol zum Chromophor 11-cis-Retinal umgewandelt. Diese Schritte sind für die biologische Umwandlung eines Lichtphotons in ein elektrisches Signal innerhalb der Retina entscheidend. RPE65-Genmutationen führen zu einer verringerten oder fehlenden RPE65-alltrans-Retinyl-Isomerase-Aktivität, was den Sehzyklus blockiert und so zu einem Sehverlust führt. Die Akkumulation von toxischen Zwischenprodukten führt im Laufe der Zeit zum Absterben der Zellen des retinalen Pigmentepithels und in der Folge zum fortschreitenden Zelltod der Photorezeptoren. Personen mit einer biallelischen RPE65-Mutation-assoziierten Netzhautdystrophie weisen oft schon in der Kindheit oder in der Adoleszenz einen Sehverlust auf, der letzendlich zur vollständigen Erblindung führt.

Die Injektion von Voretigen Neparvovec in den Subretinalraum führt zur Transduktion von retinalen Pigmentepithelzellen mit cDNA, die für das normale humane RPE65-Protein codiert (Gen-Augmentationstherapie), und bietet dadurch das Potenzial zur Wiederherstellung des Sehzyklus.

Anwendung und Dosierung

Die Behandlung muss durch einen Netzhautchirurgen mit Erfahrung in der Durchführung von Makulaoperationen eingeleitet und durchgeführt werden. Luxturna ist eine sterile Konzentratlösung, die subretinal verabreicht wird. Das Arzneimittel muss vor Verabreichung aufgetaut und verdünnt werden. Luxturna ist in einer Einzeldosis-.Durchstechflasche zur einmaligen Verabreichung erhältlich. Die Verabreichung muss in einem Operationssaal unter aseptischen Bedingungen erfolgen. Die Pupille muss dilatiert sein. Weiterführende Details zur Verabreichung sind der Fachinformation zu entnehmen.

Nebenwirkungen von Luxturna

Die häufigsten in Zusammenhang mit der Verabreichung bedingten Nebenwirkungen (Inzidenz von ≥ 5 %) waren

Sehr häufig

  • Hyperämie der Konjunktiva
  • Katarakt
  • Anstieg des Augeninnendrucks  

Häufig

  • Netzhauteinriss
  • Hornhautdellen
  • Makulaforamen
  • subretinale Ablagerungen
  • Augenentzündung
  • Augenreizung
  • Augenschmerz
  • Makulopathie (Faltenbildung auf der Makulaoberfläche)

Die vollständige Auflistung aller Nebenwirkunegen ist der Fachinformation zu entnehmen.

Schwangerschaft, Stillzeit und Verkehrstüchtigkeit

Voretigen Nepavovec sollte nicht während der Schwangerschaft angewendet werden. Die Entscheidung der Anwendung während der Stillzeit bedarf einer Nutzen-Risiko-Abwägung und der Entscheidung, ob entweder das Stillen oder aber die Behandlung ausgesetzt wird.

Da nach der subretinalen Injektion vorübergehend Sehstörungen auftreten können, sollten keine Fahrzeuge führen oder Maschinen bedienen. Erst nach Feststellung der Sehkraft durch den Arzt darf der Patient beides wieder machen.

Studienlage zur Zulassung

Luxturna wurde in einer Hauptstudie mit 31 Patienten mit erblicher Netzhautdystrophie aufgrund von RP65-Mutationen untersucht.

Hauptindikator für die Wirksamkeit war, wie gut die Patienten in einem Mobilitätstest abschnitten, bei dem sie einen Parcours mit Kurven und Hindernissen bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen absolvieren mussten. Der Test galt als bestanden, wenn die Patienten den Parcours innerhalb von 3 Minuten abschlossen und gegen höchstens 3 Hindernisse stießen.

Nach einer einjährigen Behandlung verbesserten Patienten, die mit Luxturna behandelt wurden, ihre Werte um 1,8 Punkte, während Patienten, die Luxturna nicht erhielten, ihre Werte lediglich um 0,2 Punkte verbesserten. Patienten, die mit Luxturna behandelt wurden, waren in der Lage, sich besser entlang des Parcours zu bewegen. 13 der 21 Patienten (62 %), die mit Luxturna behandelt wurden, bestanden den Mobilitätstest bei der niedrigsten Lichtstärke von 1 Lux. Das gelang keinem Patienten, der das Arzneimittel nicht erhielt. Die Verbesserung des Sehvermögens der Patienten wurde über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren aufrechterhalten.

Lagerung

Konzentrat und Lösungsmittel müssen tiefgekühlt bei maximal -65 °C gelagert und transportiert werden. Nach dem Auftauen darf das Arzneimittel nicht wieder eingefroren werden. Das Arzneimittel darf maximal 4 Stunden bei Raumtemperatur unter 25 °C aufbewahrt werden.

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 15.04.2019

Quelle:

Fachinformation Novartis

European Medicines Agency (EMA)

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