Neueinführung Mektovi bei nicht-resezierbarem oder metastasiertem Melanom

Mektovi (Wirkstoff Binimetinib) wird als antitumoraler und antiproliferativer Wirkstoff zur Behandlung von Erwachsenen mit nicht-resezierbarem oder metastasiertem Melanom angewendet. Das Arzneimittel ist ausschließlich für Patienten mit einer BRAF-V600-Mutation in den Tumorzellen geeignet. Mektovi wird in Kombination mit dem BRAF-Kinase-Inhibitor Encorafenib (Handelsname Braftovi) verabreicht. Das Arzneimittel hat Ende September 2018 die EU-Zulassung erhalten und wurde im Oktober 2018 auf dem deutschen Markt eingeführt.

Melanom

Anwendung von Mektovi

Mektovi (Wirkstoff Binimetinib) des Herstellers Pierre Fabre wird in Kombination mit Encorafenib (Braftovi) zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit nicht-resezierbarem oder metastasiertem Melanom, dessen Krebszellen eine BRAF-V600-Mutation aufweisen, verordnet. Die Behandlung sollte von einem in der Verordnung von antineoplastischen Arzneimitteln erfahrenen Arzt eingeleitet und überwacht werden.

Anwendungsempfehlungen

Mektovi ist zum Einnehmen. Die Tabletten müssen als Ganzes zusammen mit Wasser geschluckt werden. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Wenn eine Binimetinib-Dosis vergessen wurde und der eigentliche Einnahmezeitpunkt mehr als sechs Stunden zurückliegt, sollte die Dosis ausgelassen werden. Übergibt sich der Patient nach der Einnahme von Binimetinib, sollte er keine weitere Dosis einnehmen. Die Behandlung wird im üblichen Schema mit der nächsten geplanten Dosis fortgeführt. Mektovi kann so lange eingenommen werden, wie der Patient von einer Behandlung profitiert und/oder keine inakzeptable Toxizität auftritt.

Mektovi ist nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich.

Dosierung

Mektovi ist als Tablette mit 15 mg Binimetinib erhältlich. Der Hersteller empfiehlt im Normalfall die Einnahme von zweimal täglich 45 mg (je drei Tabletten).

Bei stark belastenden oder nicht-tolerierbaren Nebenwirkungen ist es möglich, die Dosis zu verringern, die Behandlung vorübergehend zu unterbrechen oder ganz abzusetzen. Für Patienten, die zweimal täglich 45 mg Binimetinib erhalten, sollte die Dosis im Fall einer Dosisreduktion auf zweimal täglich 30 mg verringert werden. Eine Dosis unter 30 mg zweimal täglich wird vom Hersteller nicht empfohlen. Sollte der Patient die Dosis von 30 mg Binimetinib zweimal täglich oral nicht vertragen, muss die Therapie abgebrochen werden.

Sind die zu einer Dosisreduktion führenden Nebenwirkungen wirksam behandelt worden, kann eine Re-Eskalation auf zweimal täglich 45 mg Binimetinib erwogen werden. Im Fall einer Dosisreduktion aufgrund einer linksventrikulären Dysfunktion (LVD) oder irgendeiner Grad 4 Toxizität, empfiehlt der Hersteller keine Re-Eskalation der Dosis.

Bei behandlungsbedingten Toxizitäten während einer Behandlung mit Binimetinib in Kombination mit Encorafenib sollte die Dosis beider Arzneimittel gleichzeitig reduziert bzw. beide Behandlungen unterbrochen oder abgebrochen werden. Ausnahmen, bei denen Dosisanpassungen nur für Encorafenib erforderlich sind, sind Nebenwirkungen, die in erster Linie in Zusammenhang mit Encorafenib stehen. Dazu gehören insbesondere eine Uveitis einschließlich Iritis und Iridozyklitis, QTc-Zeit-Verlängerung sowie ein palmar-plantares Erythrodysästhesie-Syndrom (PPES).

Wird die Behandlung mit Binimetinib vorübergehend unterbrochen, sollte Encorafenib während dieser Zeit auf 300 mg einmal täglich reduziert werden. Einzeldosen von 450 mg Encorafenib sind erfahrungsgemäß nur schlecht verträglich. Wird Binimetinib dauerhaft abgesetzt, muss auch die Behandlung mit Encorafenib abgesetzt werden.

Wird die Behandlung mit Encorafenib vorübergehend unterbrochen, sollte im gleichen Zeitraum auch die Behandlung mit Binimetinib ausgesetzt werden. Wird die Behandlung mit Encorafenib beendet, gilt das ebenso für die Behandlung mit Binimetinib.

Wirkung von Binimetinib

Binimetinib ist ein nicht-ATP-kompetitiver, reversibler Kinase-Inhibitor der mitogen-aktivierten extrazellulär signalregulierten Kinase 1 (MEK1) und Kinase 2 (MEK2). MEK-Proteine sind vorgeschaltete Regulatoren des mit extrazellulären Signalen verbundenen Kinase-Signalübertragungswegs (ERK), der die Zellproliferation fördert. Beim Melanom und anderen Krebsarten wird dieser Signalweg oft durch BRAF-Mutationen innerviert, die MEK aktivieren. Binimetinib hemmt die Aktivierung von MEK durch BRAF sowie die MEK-Kinaseaktivität. Infolge wird das Wachstum von Melanom-Zelllinien mit BRAF-V600-Mutation gebremst.

Der BRAF-Inhibitor Encorafenib hemmt den MAP-Kinase-Signalweg (RAF/MEK/ERK). In Kombination mit Binimetinib wird so die antitumorale Effektivität gesteigert.

Studienlage Mektovi

Sicherheit und Wirksamkeit von Binimetinib (Mektovi) in Kombination mit Encorafenib wurden in einer randomisierten, Wirkstoff-kontrollierten, offenen, multi-zentrischen Phase-III-Studie (CMEK162B2301) untersucht. An der Studie nahmen insgesamt 577 Patienten mit nicht-resezierbarem oder metastasiertem Melanom mit BRAF-V600E- oder -K-Mutation teil. Patienten mit vorheriger adjuvanter Therapie sowie vorheriger Immuntherapie-Linie zur Behandlung der nicht-resezierbaren, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Zellanomalie waren zugelassen. Patienten, die mit BRAF-/MEK-Inhibitoren vorbehandelt waren, wurden von der Studie ausgeschlossen.

Im Ergebnis konnte gezeigt werden, dass Binimetinib in Kombination mit Encorafenib die progressionsfreie Lebenszeit verlängern kann. Patienten, die Binimetinib + Encorafenib einnahmen, lebten im Durchschnitt fast 15 Monate (14,9), ohne dass sich ihre Erkrankung verschlechterte. Patienten, die nur Encorafenib erhielten, lebten im Schnitt 9,6 Monate progressionsfrei. Probanden, die das antitumorale Sulfonamid Vemurafenib erhielten, waren 7,3 Monate ohne Krankheitsprogression.

Nebenwirkungen von Mektovi

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Fatigue, Nausea und Emesis, Diarrhoe, Netzhautablösung, Abdominalschmerzen, Arthralgie, Myalgie und ein Anstieg der Kreatinkinase-Konzentration im Blut. Diese Nebenwirkungen traten bei mehr als 1 von 4 Patienten auf. Weitere sehr häufige Nebenwirkungen waren unter anderem Anämie, periphere Neuropathie, Schwindel, Cephalgie, Sehstörungen, Hypertonie, Blutungen, Hyperkeratosen, Hautausschlag, Pruritus, Alopezie, Pyrexie und periphere Ödeme.

Gegenanzeigen

Mektovi darf nicht bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der Hilfsstoffe eingenommen werden. Darüber hinaus darf das Arzneimittel nicht angewendet werden bei:

  • Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren
  • Patienten mit einem malignen Melanom vom BRAF Wildtyp
  • moderater oder schwerer Leberfunktionsstörung.

Besondere Hinweise

Patienten sollten darauf hingewiesen werden, bei folgenden Problemen unverzüglich einen Arzt zu kontaktieren:

  • Symptome, die auf eine Störung der linksventrikulären Auswurffraktion hindeuten, zum Beispiel Schwindel, Dyspnoe, Palpitationen, Arrhythmie, Ödeme oder Fatigue
  • Anzeichen einer Thromboembolie oder Lungenembolie: Brustschmerz, plötzliche Atembeschwerden/Kurzatmigkeit sowie blasse/kühle Haut an den Extremitäten
  • schwerwiegende Augenprobleme wie Augenschmerzen, eingeschränktes Gesichtsfeld, Verlust der Sehstärke, Halo-, Blitz- oder Fleckensehen
  • Hinweise auf eine Rhabdomyolyse wie Myalgie, Muskelkrämpfe, Muskelsteifheit oder Muskelzucken, dunkler Urin
  • Blutungsanzeichen wie Hämoptyse, Hämatemesis, Hämatochezie/Meläna, Hämaturie, Abdominalschmerzen oder vaginale Blutungen
  • neue dermatologische Befunde
  • Symptome, die auf eine Pneumonitis/ILD hinweisen, beispielsweise Husten, Dyspnoe und andere Atembeschwerden.

Weitere Details zu diesem Medikament können Sie der vorliegenden Fachinformation entnehmen.

PDFFachinformaiton Mektovi

Autor: Dr. Christian Kretschmer

Stand: 24.10.2018

Quelle:

Fachinformation Mektovi, European Medicines Agency

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