Neueinführung Erleada (Apalutamid)

Erleada ist ein neues Apalutamid-haltiges Arzneimittel, das zur Behandlung von nicht-metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom indiziert ist.

Prostata

Was ist Erleada?

Das Arzneimittel Erleada von Janssen-Cilag ist indiziert bei erwachsenen Patienten mit nicht-metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (nm-CRPC), die ein hohes Risiko für die Entwicklung von Metastasen aufweisen [1]. Es enthält den Wirkstoff Apalutamid.

Anwendung von Erleada

Erleada wird oral eingenommen. Die Tabletten müssen unzerteilt geschluckt werden und können mit oder ohne eine Mahlzeit eingenommen werden.

Erleada ist in einer Wirkstärke (60 mg) und zwei unterschiedlichen Packungsgrößen erhältlich. Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

Dosierung

Die empfohlene Dosierung von Erleada beträgt 240 mg (vier Tabletten à 60 mg) oral als tägliche Einmalgabe. Bei der Behandlung von Patienten, die nicht chirurgisch kastriert sind, soll die medizinische Kastration mit einem gonadotropinfreisetzenden Hormonanalogon (GnRHa) fortgeführt werden.

Empfehlungen zur Einnahme bei ausgelassenen Dosen, zur Dosisreduktion bei Nebenwirkungen und zur Dosisanpassung bei besonderen Patientengruppen, sind der Fachinformation zu entnehmen.

Wirkung von Apalutamid

Apalutamid ist ein oral anzuwendender selektiver Androgenrezeptor(AR)-Inhibitor, der direkt an die ligandenbindenden Domäne des AR bindet. Apalutamid verhindert die nukleäre Translokation des AR, hemmt die DNA-Bindung, hemmt die AR-vermittelte Transkription und zeigt keine agonistische Aktivität am Androgenrezeptor. Die Behandlung mit Apalutamid vermindert die Proliferation der Tumorzellen und steigert die Apoptose, wodurch es zu einer ausgeprägten antitumoralen Aktivität kommt. Ein Hauptmetabolit, N-Desmethylapalutamid, zeigte in vitro ein Drittel der Aktivität von Apalutamid.

Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile stellen eine Kontraindikation für die Anwendung von Apalutamid dar.

Kontrazeption

Es ist nicht bekannt, ob Apalutamid oder seine Metaboliten in das Sperma übergehen. Erleada könnte den sich entwickelnden Fetus schädigen. Patienten, die Geschlechtsverkehr mit einer Frau im gebärfähigen Alter haben, sollen während der Behandlung und für drei Monate nach der letzten Einnahme von Erleada ein Kondom in Verbindung mit einer weiteren hochwirksamen Empfängnisverhütungsmethode anwenden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Patienten mit Krampfanfällen

Erleada wird bei Patienten mit Krampfanfällen in der Anamnese oder einer entsprechenden Prädisposition wie etwa vorliegende Hirnverletzung, Schlaganfall innerhalb des letzten Jahres, primären Hirntumoren oder Hirnmetastasen, nicht empfohlen.

Fraktur- und Sturzrisiko

Bei Patienten, die Erleada erhielten, traten Stürze und Frakturen auf. Patienten sollten im Hinblick auf ein erhöhtes Fraktur- und Sturzrisiko evaluiert werden, bevor mit der Behandlung mit Erleada begonnen wird und entsprechend den geltenden Leitlinien fortlaufend überwacht und behandelt werden. Die Anwendung von osteoprotektiven Wirkstoffen sollte in Erwägung gezogen werden.

Kardiovaskuläre Erkrankungen

Patienten mit einer klinisch relevanten kardiovaskulären Erkrankung in den vergangenen 6 Monaten, unter anderem schwere/instabile Angina pectoris, Myokardinfarkt, symptomatische kongestive Herzinsuffizienz, arterielle oder venöse thromboembolische Ereignisse (z. B. Lungenarterienembolie, Schlaganfall einschließlich transitorischer ischämischer Attacken) sowie mit klinisch relevanten ventrikulären Arrhythmien waren von den klinischen Studien ausgeschlossen. Daher ist die Sicherheit von Apalutamid bei diesen Patienten nicht erwiesen.

Bei Patienten mit einer QT-Zeitverlängerung in der Anamnese oder mit Risikofaktoren für eine QT-Zeitverlängerung und bei Patienten, die als Begleitmedikation Arzneimittel erhalten, die das QT-Intervall verlängern können, sollten Ärzte vor Anwendung von Erleada das Nutzen-Risiko-Verhältnis, einschließlich des Potenzials für Torsade-de-Pointes, abschätzen.

Nebenwirkungen

Die am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen sind Ermüdung (30 %), Hautausschlag (24% alle Schweregrade und 5% Grad 3 oder 4), Gewichtsverlust (16%), Arthralgie (16%) und Sturz (16%). Zu weiteren wichtigen Nebenwirkungen gehören Frakturen (12%) und Hypothyreose (8%). Die in klinischen Studien beobachteten Nebenwirkungen sind der Tabelle 1 der Fachinformation zu entnehmen.

Nähere Informationen zu den sonstigen Bestandteilen des Arzneimittels finden sich in der Fachinformation.

Studienlage Erleada

Die EU-Zulassung basiert auf Daten aus der zulassungsrelevanten Phase-3-Studie SPARTAN, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde [2]. In der Studie wurden die Wirksamkeit und Sicherheit von Apalutamid in Verbindung mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT) im Vergleich zu Placebo plus ADT bei Patienten mit nmCRPC, die trotz kontinuierlicher ADT einen schnell ansteigenden prostataspezifischen Antigenspiegel (PSA) aufwiesen, bewertet.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass Erleada plus ADT das Risiko für die Entwicklung von Fernmetastasen oder Tod (metastasenfreies Überleben [MFS]) im Vergleich zu Placebo plus ADT um 72% reduzierte (HR = 0,28; P < 0,001). Das mittlere MFS wurde bei Patienten mit nmCRPC, deren PSA schnell anstieg, um mehr als zwei Jahre (40,5 Monate gegenüber 16,2 Monaten) verbessert [3].

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 30.01.2019

Quelle:
  1. Fachinformation Erleada, Januar 2019
     
  2. Smith et al. (2018): Apalutamide Treatment and Metastasis-free Survival in Prostate Cancer. New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa1715546
     
  3. Janssen Pharmaceutical Companies of Johnson & Johnson, Pressemeldung, Januar 2019
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