Neueinführung Obnitix bei steroid-refraktärer akuter Graft-versus-Host-Reaktion

Obnitix ist ein neues Spezialpräparat mesenchymaler Stromazellen, das durch ein innovatives erstmals beschriebenes Verfahren hergestellt wird und zur Behandlung steroid-refraktärer akuter Graft-versus-Host-Reaktion zugelassen ist. Das Präparat ist zum 15.09.19 verfügbar.

Kind mit Infusion

Was ist Obnitix® und wofür wird es angewendet?

Bei Obnitix® der Firma Medac handelt es sich um humane allogene mesenchymale Stromazellen (MSC), die bei akuten Graft-versus-Host-Reaktionen (aGvHD) angewendet werden. Die aGvHD ist eine häufige Komplikation nach Knochenmarks- oder Stammzelltransplantationen, die oft tödlich endet. Die aGvHD entsteht, wenn T-Zellen eines Spenders Gewebe des Empfängers als fremd identifizieren und es dann angreifen. Obnitix® wird zusätzlich zur konventionellen Therapie mit Immunsuppressiva (Ciclosporin A, Prednisolon u.a.) angewendet.

Wie wird Obnitix® angewendet?

Obnitix® wird über eine Infusion verabreicht. Das Präparat kann eingefroren und zu einem späteren Zeitpunkt aufgetaut und verwendet werden oder aber auch direkt nach der ex vivo Expansion verabreicht werden.

Dosierung

Obnitix® ist in Form eines Infusionsbeutels mit 30-/ 60- oder 90 Millionen humanen allogenen mesenchymalen Stromazellen zugelassen.

Wie wirkt Obnitix®?

Durch Gabe von Obnitix®, bei dem mononukleäre Zellen aus dem Knochenmark von mindestens 8 Spendern eingesetzt werden, wird eine Unterdrückung von proinflammatorischen Botenstoffe sowie eine T-Zell-Suppression ausgelöst. Im Gegensatz zu herkömmlich hergestellte MSC-Präparationen, die aus einem einzelnen Spender kommen, wird bei Obnitix® durch die Verwendung mesenchymale Stromazellen von mindestens 8 Spendern eine stabile Chargenproduktion erreicht und es entsteht eine hochaktive mesenchymale Stromazellart (MSC-FFM), mit hochpotenten immunmodulatorischen Eigenschaften. Durch die neue Methode ist es möglich ein gleichförmiges und reproduzierbares Produkt mit einer stabilen Chargenproduktion zu erhalten.

Nebenwirkungen

Bei der Behandlung mit Obnitix® traten keine schweren Nebenwirkungen auf. Bei jeweils einem von 69 Patienten kam es zu Übelkeit oder Kopfschmerzen.

Studienlage

Bislang wurden 69 Patienten mit Obnitix® bei akuter steroid-refraktärer aGVHD (n=20, 29%) oder therapierefraktärer aGVHD (n=49, 71%) behandelt. 19 Patienten waren unter 6 Jahre alt, 29 Patienten zwischen 6 und 16 Jahre, 3 Patienten zwischen 16 und 18 Jahre und 18 Patienten waren bei Beginn der Behandlung über 18 Jahre alt. Die Patienten wurden wegen maligner(74%) oder nicht-maligner Erkrankungen (26%) transplantiert und erlitten eine behandlungsrefraktäre aGVHD Grad II (4%), III (36%) oder IV (60%). Die Patienten erhielten ein bis maximal viermal Obnitix® mit 1-2 Millionen Zellen/kg im Abstand von jeweils 7 Tagen.

Behandlungsergebnisse:

Bei 86% der Patienten wurde ein Ansprechen erreicht, wobei bei 61% eine vollständige Remission (CR) und bei 25% eine deutliche Besserung um mindestens einen GVHD-Grad (PR) erreicht werden konnte. 14% der Patienten sprachen nicht auf die Therapie an (NR) und verstarben. Bei einem frühzeitigen Einsatz von Obnitix® bei steroid-refraktären Patienten (definiert als Ausbleiben einer Besserung nach 5-tägiger Steroidgabe) sprachen 100% der Patienten an. Dabei erreichten 80% der Patienten eine CR und 20% eine PR. Von den Patienten mit einer therapierefraktären GVHD sprachen insgesamt 80% der Patienten an und 53% erreichten dabei eine CR, 27% eine PR; 20% sprachen nicht auf die Therapie an und verstarben. Ein Jahr nach Beginn der Behandlung waren insgesamt 71% aller Patienten am Leben.

Deutliche Verbesserung der Krankheits-Prognose

Die in der Literatur angegebenen Prognose für das Gesamtüberleben von Patienten mit aGvHD Grad III-IV reicht von 0 bis 43% nach 1 bis 3 Jahren. Mit der Verwendung von Obnitix® wurde nach einem Jahr ein Gesamtüberleben von 71% erreicht, was bemerkenswert ist und die klinische Relevanz des neuartigen Zellprodukts hervorhebt.

Ausnahmegenehmigung nach §4b

Das Produkt Obnitix® wurde aufgrund vielversprechender präklinischer und klinischer Ergebnisse vom Paul Ehrlich Institut mit einer Ausnahmegenehmigung nach §4b für den Verkauf in Deutschland zugelassen.

Autor: Dr. Isabelle Viktoria Maucher (Apothekerin)

Stand: 11.09.2019

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