Neueinführung Verzenios bei Brustkrebs

Verzenios wird als antineoplastisches Arzneimittel zur Behandlung von Frauen mit HR-positivem, HER2-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs angewandt. Verzenios enthält den Wirkstoff Abemaciclib.

Brust-Drüsengewebe-stilisiert

Das neue Arzneimittel der Firma Lilly hat im Oktober 2018 die EU-Zulassung erhalten und wurde im November 2018 in den Markt eingeführt.

Anwendung von Verzenios

Verzenios (Wirkstoff Abemaciclib)  wird als Proteinkinase-Inhibitor aus der Gruppe der antineoplastischen Mittel zur Behandlung von erwachsenen Frauen mit Hormonrezeptor (HR)-positivem, humanem epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor-2 (HER2)-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs angewendet. Das Arzneimittel kann in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant als initiale endokrine Therapie oder bei Frauen mit vorangegangener endokriner Therapie verordnet werden. Bei prä- oder perimenopausalen Frauen empfiehlt der Hersteller die endokrine Therapie mit einem LHRH-Agonisten (LHRH = Luteinising Hormone-Releasing Hormone) zu kombinieren.

Die Behandlung mit Verzenios sollte von onkologisch erfahrenen Ärzten eingeleitet, begleitet und überwacht werden.

Anwendungsempfehlungen

Verzenios ist als Filmtablette zum Einnehmen erhältlich. Die Einnahme darf mit oder ohne Nahrungsmittel erfolgen, jedoch nicht zusammen mit Grapefruit oder Grapefruitsaft.

Verzenios sollte jeden Tag möglichst zur selben Uhrzeit eingenommen werden. Die Tabletten sind als Ganzes zu schlucken und sollten vor dem Schlucken nicht gekaut, zerbrochen oder geteilt werden.

Wird Verzenios in Kombination mit einer endokrinen Therapie gegeben, beträgt die vom Hersteller empfohlene Dosis 150 mg Abemaciclib zweimal täglich. Für das in Kombination verwendete endokrine Arzneimittel müssen die Dosierungsempfehlung der entsprechenden Fachinformation beachtet werden.

Die Einnahme von Verzenios sollte ohne Unterbrechung fortgeführt werden, solange die Patientin klinisch von der Therapie profitiert oder bis eine nicht-akzeptable Toxizität auftritt.

Bei Erbrechen oder Auslassen einer Dosis, sollte die nächste Dosis wie ursprünglich geplant eingenommen werden. Eine zusätzliche Dosis wird vom Hersteller nicht empfohlen.

Bestimmte Nebenwirkungen können eine Dosisunterbrechung und/oder Dosisreduktion erforderlich machen. Ausführliche Informationen dazu finden sich in der Fachinformation.

Besonderheiten mit CYP3A4-Inhibitoren

Die gleichzeitige Behandlung mit starken CYP3A4-Inhibitoren sollte vermieden werden. Ist die Anwendung starker CYP3A4-Inhibitoren zwingend erforderlich, empfiehlt der Hersteller, die Abemaciclib-Dosis auf 100 mg zweimal täglich zu reduzieren.

Bei Patientinnen, deren Dosis bereits auf 100 mg Abemaciclib zweimal täglich verringert wurde und bei denen eine gleichzeitige Therapie mit starken CYP3A4-Inhibitoren nicht zu vermeiden ist, ist die Abemaciclib-Dosis auf zweimal täglich 50 mg zu reduzieren.

Bei Frauen, deren Dosis bereits auf 50 mg Abemaciclib zweimal täglich verringert wurde und die zwingend starke CYP3A4-Inhibitoren benötigen, kann die Abemaciclib-Dosis fortgesetzt werden – allerdings nur unter genauer Beobachtung auf Anzeichen von Toxizität. Bei Bedarf kann die Abemaciclib-Dosis auf 50 mg einmal täglich reduziert oder abgesetzt werden.

Wenn der CYP3A4-Inhibitor abgesetzt wird, ist die Abemaciclib-Dosis bis zu der Dosis zu steigern, die vor der Gabe des Inhibitors verabreicht wurde (nach 3 bis 5 Halbwertszeiten des CYP3A4-Inhibitors).

Wie wirkt Abemaciclib?

Abemaciclib ist ein potenter und selektiver Inhibitor der Cyclin-abhängigen Kinasen (cyclin-dependent kinase, CDK) 4 und 6. Cyclin-abhängige Kinasen sind insbesondere an der Regulierung der Zellteilung und des Zellwachstums beteiligt. In enzymatischen Assays zeigte Abemaciclib die höchste Aktivität gegen Cyclin D1/CDK4. Der Wirkstoff verhindert die Phosphorylierung des Retinoblastom-Proteins (Rb) und blockiert so den Übergang des Zellzyklus von der G1- in die S-Phase der Zellteilung. Infolge kann sich der Tumor nicht mehr weiter unkontrolliert vermehren. So wird das Wachstum von Brustkrebszellen verlangsamt und das Tumorwachstum gebremst.

In östrogenrezeptor-positiven Brustkrebszelllinien verhinderte die kontinuierliche Hemmung mit Abemaciclib einen Rebound-Effekt hinsichtlich der Phosphorylierung des Retinoblastom-Proteins – mit der Folge von Seneszenz und Apoptose.

In vitro sind Rb-negative und Rb-verminderte Krebszelllinien im Allgemeinen weniger sensitiv gegenüber Abemaciclib. In Brustkrebs-Xenograft-Modellen verringerte die ununterbrochene tägliche Einnahme von Abemaciclib in klinisch relevanten Konzentrationen allein oder in Kombination mit Antiöstrogenen die Tumorgröße.

Studienlage Verzenios

Wirksamkeit und Sicherheit von Verzenios wurden in zwei Hauptstudien bestätigt. Beteiligt waren 1.162 überwiegend postmenopausale Frauen mit HR- positivem, HER2-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs. Es wurde gezeigt, dass Verzenios das progressionsfreie Überleben, verlängern kann.

In der ersten randomisierten Phase-III-Studie (MONARCH 3) lebten Frauen, die Verzenios und einen Aromatasehemmer (Letrozol oder Anastrozol) einnahmen, im Durchschnitt 28 Monate ohne Krankheitsprogression, verglichen mit 15 Monaten bei Frauen, die Placebo und einen Aromatasehemmer einnahmen.

In der zweiten randomisierten Phase-III-Studie (MONARCH 2) lebten Frauen, die Verzenios und Fulvestrant einnahmen, im Durchschnitt 16 Monate ohne Verschlechterung ihrer Erkrankung, verglichen mit 9 Monaten bei Frauen, die Placebo und Fulvestrant erhielten.

In einer dritten Studie, die bei 132 Frauen mit vorheriger Krebsbehandlung durchgeführt wurde, konnte nicht nachgewiesen werden, dass Verzenios allein einen Nutzen bei der Behandlung von HR- positivem, HER2-negativem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs hatte.

Nebenwirkungen von Verzenios

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Verzenios zählen Diarrhoe, Infektionen, Neutropenie, Anämie, Fatigue, verminderter Appetit, Nausea und Emesis. Weitere häufige Nebenwirkungen sind Dysgeusie, Schwindel, erhöhter Tränenfluss, Alopezie, Pruritus, Hautausschlag und Pyrexie.

Gegenanzeigen

Verzenios darf nicht bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der Hilfsstoffe eingenommen werden. Darüber hinaus darf das Arzneimittel nicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden.

Besondere Hinweise

Patienten sollten darauf hingewiesen werden, bei folgenden Problemen unverzüglich einen Arzt zu kontaktieren:

  • Fieber
  • Atemwegsinfektion
  • venöse Thromboembolie
  • Diarrhoe.

Weitere Details zu diesem Medikament können Sie der beigefügten Fachinformation entnehmen.

PDFFachinformation Verzenios

Autor: Margit Kretschmer

Stand: 06.11.2018

Quelle:

Fachinformation Verzenios, European Medicines Agency

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