Lungenkrebs

Im April 2019 hat Pfizer die EU-Zulassung für Dacomitinib (Vizimpro) zur Erstlinienbehandlung von erwachsenen Patienten mit EGFR-mutiertem NSCLC erhalten. Das Präparat kommt zum 1. Mai 2019 auf den Markt.

Wofür wird Vizimpro angewendet?

Vizimpro ist als Monotherapie indiziert für die First-Line-Behandlung von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) mit Mutationen, die den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR) aktivieren.

Was ist Dacomitinib?

Dacomitinib ist ein panhumaner Inhibitor des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (epidermal growth factor receptor, EGFR) HER (EGFR/ HER1, HER2 und HER4) mit Aktivität gegen mutierten EGFR mit Deletionen in Exon 19 oder der L858RSubstitution in Exon 21.

Wirkung von Dacomitinib

Dacomitinib ist ein Kinaseinhibitor, der die Aktivität von mutiertem EGFR mit Deletion am Exon 19 oder einer L858R-Substitution am Exon 21 hemmt. Dacomitinib  bindet selektiv und irreversibel an die Bindungsstellen seiner HER-Familie und sorgt so für eine länger andauernde Hemmung.

Anwendung

Die Behandlung mit Vizimpro sollte von einem in der Anwendung von Krebstherapeutika erfahrenen Arzt durchgeführt und überwacht werden. Der EGFR-Mutationsstatus sollte vor Beginn der Behandlung mit Dacomitinib festgestellt werden. Vizimpro ist zur oralen Verabreichung vorgesehen. Die Tabletten werden mit oder ohne Wasser eingenommen.

Dosierung

Die empfohlene Dosis von Vizimpro beträgt 45 mg oral einmal täglich bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder Eintreten unannehmbarer Toxizität. Die Patienten sollten angehalten werden, die Dosis jeden Tag ungefähr zur selben Zeit einzunehmen. Falls der Patient erbricht oder eine Dosis auslässt, sollte keine zusätzliche Dosis eingenommen, sondern am nächsten Tag die nächste verordnete Dosis zur üblichen Zeit eingenommen werden.

Dosisanpassungen

Abhängig von der individuellen Sicherheit und Verträglichkeit können Dosisanpassungen erforderlich werden. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Fachinformation.

Gegenanzeigen

Vizimpro darf nicht eingenommen werden, wenn der Patient gegen den Wirkstoff oder einen der weiteren Bestandteile allergisch ist.

Nebenwirkungen von Vizimpro

Die häufigsten Nebenwirkungen bei Patienten, die Dacomitinib erhielten, waren:

  • Diarrhö
  • Ausschlag
  • Stomatitis
  • Nagelerkrankung
  • Trockene Haut
  • Verminderter Appetit
  • Konjunktivits
  • Gewichtsabnahme
  • Alopezie
  • Pruritus
  • Transaminasenerhöhung
  • Übelkeit

Bei 52,2% aller behandelten Patienten führten die Nebenwirkungen Ausschlag, Nagelerkrankung und Diarrhö zu einer Dosisreduktion.  Ausschlag, interstitielle Lungenerkrankung und Diarrhö führten bei 6,7 % der Patienten zum endgültigen Absetzen der Dacomitinib-Therapie.

Schwangerschaft, Stillzeit und Verkehrstüchtigkeit

Wird Vizimpro bei Frauen im gebärfähigen Alter eingesetzt, so ist während der Behandlung und 17 Tage danach auf eine zuverlässige Verhütung zu achten.

Ein Einsatz von Vizimpro wird während der Schwangerschaft nicht empfohlen. Wird die Patientin während der Einnahme von Vizimpro schwanger, sollte sie über die möglichen Risiken für den Fötus aufgeklärt werden.

Ob Dacomitinib in die Muttermich übergeht, ist nicht bekannt. Nimmt die Mutter Dacotimib ein, so sollte ihr vom Stillen abgeraten werden.

Vizimpro hat nur einen geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit. Dennoch sollten Patienten, die  unter Müdigkeit oder Nebenwirkungen der Augen leiden, beim Autofahren und Bedienen von Maschinen vorsichtig sein.

Studienlage zur Zulassung

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Vizimpro wurden in einer Phase-3-Studie (ARCHER 1050) an Patienten mit lokal fortgeschrittenem, nicht für eine kurative Operation oder Strahlentherapie geeignetem oder metastasiertem NSCLC mit aktivierenden EGFRMutationen untersucht, um die Überlegenheit von Dacomitinib gegenüber Gefitinib nachzuweisen.

Insgesamt 452 Patienten wurden in einer multizentrischen, multinationalen, randomisierten, unverblindeten Phase-3-Studie im Verhältnis 1 : 1 auf Dacomitinib oder Gefitinib randomisiert.

Der primäre Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS), wie es durch eine verblindete Independent Radiologic Central (IRC)-Review bestimmt wurde.

Zusätzliche Wirksamkeitsergebnisse waren die Gesamtansprechrate (ORR), die Dauer des Ansprechens (DoR) und das Gesamtüberleben (OS).

Für mit Dacomitinib behandelte Patienten wurde im Vergleich zu Gefitinib eine statistisch signifikante Verbesserung des PFS, wie sie durch das IRC bestimmt wurde (HR = 0,59, p <0,0001).

Das mediane PFS in der Vizimpro-Gruppe betrug 14,7 Monate gegenüber 9,2 Monaten in der Gefitinib-Gruppe.

Erhältliche Wirkstärken und Packungsgrößen

  • Vizimpro 15 mg Filmtabletten, 30 Stück
  • Vizimpro 30 mg Filmtabletten, 30 Stück
  • Vizimpro 45 mg Filmtabletten, 30 Stück

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 29.04.2019

Quelle:

Fachinformation Vizimpro

European Medicines Agency (EMA)