Neueinführung Vosevi

Vosevi ist als Fixkombination Voxilaprevir mit Sofosbuvir und Velpatasvir seit Juli 2017 zur Therapie von erwachsenen Patienten mit chronischer Hepatitis C zugelassen und wurde im September in den Markt eingeführt.

Hepatitis C

Wie wird Vosevi angewendet?

Vosevi ist in der Darreichungsform einer kapselförmigen Filmtablette mit 400 mg Sofosbuvir, 100 mg Velpatasvir und 100 mg Voxilaprevir erhältlich. Die fixe Wirkstoffkombination wird bei Erwachsenen ab 18 Jahren zur Behandlung einer chronischen Hepatitis-C-Virusinfektion angewendet. Der Hersteller GILEAD Scieneces GmbH empfiehlt eine Dosis von einer Tablette pro Tag. Diese sollte zusammen mit einer Mahlzeit im Ganzen eingenommen werden. Die Tabletten sollten nicht zerteilt, zerkaut oder geschluckt werden, da sie sehr bitter schmecken. Die Behandlungsdauer für alle HCV-Genotypen unterscheidet sich wie folgt:

  • DAA-naive Patienten ohne Zirrhose: 8 Wochen
  • DAA-naive Patienten mit kompensierter Zirrhose: 12 Wochen; 8 Wochen können bei Patienten mit einer Genotyp 3-Infektion erwogen werden
  • DAA-vorbehandelte Patienten ohne Zirrhose oder mit kompensierter Zirrhose: 12 Wochen.

Wie wirkt Vosevi?

Die Fixkombination aus Voxilaprevir, Sofosbuvir und Velpatasvir blockiert drei unterschiedliche Proteine. Damit soll eine Neuinfizierung weiterer Zellen unterbunden und die Hepatitis-C-Infektion eliminiert werden.


Im Detail betrachtet ist Sofosbuvir ein pangenotypischer Inhibitor der RNA-abhängigen RNA-Polymerase NS5B des Hepatitis-C-Virus (HCV). Diese ist für die Virusreplikation erforderlich. Sofosbuvir ist ein Nukleotid-Prodrug. Erst nach intrazellulärer Metabolisierung wird das pharmakologisch wirksame Uridin-Analogon-Triphosphat (GS-461203) gebildet. GS-461203 wird über die NS5B-Polymerase in die HCV-RNA eingebaut. Infolge kommt es zum Kettenabbruch. In einem biochemischen Test hemmte GS-461203 die Aktivität der rekombinanten NS5B-Polymerase der HCV-Genotypen 1b, 2a, 3a und 4a. GS-461203 inhibiert weder die humanen DNA- oder RNA-Polymerasen noch die mitochondriale RNA-Polymerase.
Velpatasvir wirkt als pangenotypischer HCV-Inhibitor. Der Wirkstoff richtet sich dabei gegen das HCV-NS5A-Protein. Dieses Protein steht dann nicht mehr für die virale Replikation zur Verfügung.
Voxilaprevir ist ein pangenotypischer Inhibitor der NS3/4A-Protease des HCV. Der antivirale Wirkstoff hemmt als nicht-kovalenter, reversibler Inhibitor die NS3/4A-Protease.

Studienlage Vosevi

Die Wirksamkeit von Vosevi wurde in vier Phase-III-Studien, darunter zwei Studien mit DAA-vorbehandelten Patienten und zwei Studien mit DAA- naiven Patienten mit HCV-Infektion vom Genotyp 1 bis 6 ohne Zirrhose oder mit kompensierter Zirrhose untersucht. Die vier Studien umfassten 1.459 Patienten. Im Ergebnis wurde gezeigt, dass Vosevi alle sechs Genotypen des Hepatitis-C-Virus wirksam eliminiert. Dabei war es unabhängig, ob die Patienten eine Leberzirrhose hatten oder zuvor mit anderen direkt wirkenden antiviralen Arzneimitteln behandelt wurden. Die Eliminationsrate bei der Behandlung mit Vosevi lag in der Regel bei mehr als 95 Prozent.

In einer der Studien wurden mehr als 96 Prozent der Patienten nach einer zwölfwöchigen Behandlung negativ auf HVC getestet. In laborchemischen Bluttests konnte kein Virus mehr nachgewiesen werden. Im Vergleich dazu wurde im Placebo-Kontrollarm kein Patient negativ getestet.

In einer zweiten Studie wurden mehr als 97 Prozent der mit Vosevi behandelten Patienten negativ getestet. Als Kontrollgruppe galten Patienten, die nur Sofosbuvir und Velpatasvir erhielten. Hier zeigten nur 90 Prozent der Patienten ein negatives Testergebnis.

Zwei weitere Studien zeigten annähernd ähnliche Ergebnisse. In diesen wurden zwischen 95 und 96 Prozent der Vosevi-Patienten negativ auf das Hepatitis-C-Virus getestet, verglichen mit 96 bis 98 Prozent der Patienten in den Sofosbuvir + Velpatasvir Kontrollgruppen.

In allen Studien wurde Vosevi gut vertragen. Relevante Sicherheitsbedenken gab es zu keiner Zeit.

Nebenwirkungen von Vosevi

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Vosevi zählen Kopfschmerzen, Diarrhoe, Nausea und Vomitus. Weiterhin können Magenschmerzen, Inappetenz, Myalgie, Muskelspasmen und Hautausschläge auftreten.

Gegenanzeigen

Starke P-Glykoprotein (P-gp)-Induktoren und/oder starke Cytochrom P450 (CYP)-Induktoren dürfen nicht zusammen mit Vosevi angewendet werden. Dazu zählen insbesondere:

  • Rifampicin und Rifabutin
  • Carbamazepin, Phenobarbital und Phenytoin
  • Johanniskraut.

Zudem ist die gleichzeitige Anwendung mit folgenden Arzneimitteln untersagt:

  • Rosuvastatin
  • Dabigatranetexilat
  • ethinylestradiolhaltige Arzneimittel wie kombinierte orale Kontrazeptiva oder vaginale Hormonringe.

 In der Schwangerschaft und Stillzeit wird Vosevi aufgrund begrenzter Erfahrungen bislang nicht empfohlen.

Besondere Hinweise

Antazida sollten mindestens vier Stunden vor oder mindestens vier Stunden nach Vosevi eingenommen werden.
Die Filmtabletten werden in einer Kunststofflasche dargeboten. Diese sollte stets fest verschlossen sein, um die Tabletten vor Feuchtigkeit zu schützen.

Jede Filmtablette enthält 111 mg Lactose als Lactose-Monohydrat. Weitere Details zu diesem Medikament können Sie der vorliegenden Fachinformation entnehmen.
 

Autor: Dr. Christian Kretschmer

Stand: 02.01.2018

Quelle:

Fachinformation Vosevi, European Medicines Agency

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