Fettzellen

Was ist Waylivra und wofür wird es angewendet?

Waylivra ist ein neues Arzneimittel mit dem Wirkstoff Volanesorsen der Firma Akcea Therapeutics. Das Medikament ist indiziert zur unterstützenden Therapie begleitend zu einer Diät bei erwachsenen Patienten mit genetisch bestätigtem Familiärem Chylomikronämie Syndrom (FCS), wenn diese Patienten ein hohes Risiko für eine Pankreatitis haben. Weiterhin dürfen die Patienten nur unzureichend auf die Kombination von Diät und triglyzeridsenkender Therapie angesprochen haben, um Waylivra verordnet zu bekommen.

Wie wird Waylivra angewendet?

Waylivra ist als Injektionslösung zur subkutanen Applikation erhältlich. Eine Einzeldosis-Fertigspritze enthält 285 mg Volanesorsen in 1,5 ml Lösung.

Die Therapie muss von einem Arzt, der Erfahrung in der Therapie von Patienten mit FCS hat, eingeleitet und überwacht werden. Vor Beginn der Therapie müssen sekundäre Ursachen einer Hypertriglyceridämie ausgeschlossen werden bzw. bei Vorliegen therapiert werden.

Die Patienten sollten darauf hingewiesen werden, dass die Injektion stets in dem vom behandelnden Arzt festgelegten Zeitabstand und am gleichen Wochentag erfolgen muss. Die erste Injektion vom Patienten sollte unter Anleitung einer qualifizierten medizinischen Fachkraft vorgenommen werden und der Patient über zu beachtende Schritte informiert werden.

Vor und während der Therapie ist eine Überwachung der Thrombozytenzahl erforderlich, die Dosis muss ggf. angepasst werden.

Dosierung

Die empfohlene Anfangsdosis liegt bei 285 mg in 1,5 ml Injektionslösung einmal wöchentlich subkutan. Diese Anfangsdosis soll über einen Zeitraum von drei Monaten verabreicht werden. Anschließende wird die Dosis auf eine Injektion von 285 mg alle zwei Wochen reduziert.

Die Behandlung mit Waylivra muss abgesetzt werden, wenn die Serumtriglyzeride < 25% abnehmen oder wenn nach einer dreimonatigen Behandlung mit Volanesorsen (285 mg pro Woche) kein Serumtriglyzeridwert unter 22,6 mmol/l erreicht wird.

Informationen zur Dosierung, angepasst an die Thrombozytenzahl, sowie zur Dosierung im weiteren Therapieverlauf und bei besonderen Personengruppen sind der Fachinformation zu entnehmen.

Wie wirkt Waylivra?

Der Wirkstoff Volanesorsen ist ein Antisense-Oligonukleotid, welches die Bildung von Apolipoprotein C-III (ApoC-III) hemmt. ApoC-III reguliert sowohl den Triglyzeridstoffwechsel als auch die hepatische Clearance von Chylomikronen und anderen triglyzeridreichen Lipoproteinen.

Volanesorsen bindet selektiv an die Messenger-RNA (mRNA) von ApoC-III, was zur Abbau der mRNA führt. Dadurch wird die Translation des Proteins ApoC-III verhindert, welches als Inhibitor der Triglyzerid-Clearance fungiert. Der Abbau über einen LPL-unabhängigen Reaktionsweg wird möglich.

Gegenanzeigen

Waylivra darf nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile des Arzneimittels besteht.

Weiterhin darf Waylivra nicht angewendet werden bei Patienten mit chronischer oder ursächlich unklarer Thombozytopenie. Liegt die Thrombozytenzahl unter 140 x 109/l darf die Therapie nicht eingeleitet werden.

Nebenwirkungen    

Die häufigsten Nebenwirkungen in den klinischen Studien waren ein Abfall der Thrombozyten (40% der Patienten in den zulassungsvorbereitenden Studien) sowie Reaktionen an der Injektionsstelle (82% der Patienten).

Wechselwirkungen

Klinische Studien zur Wechselwirkung mit anderen Arzneimitteln wurden nicht durchgeführt.

Ob das Blutungsrisiko erhöht wird, wenn Volanesorsen zusammen mit Arzneimitteln angewendet wird, die die Blutgerinnung hemmen bzw. die Zahl der Thrombozyten reduzieren oder deren Funktion beeinflussen, ist nicht bekannt. Fällt die Thrombozytenzahl unter 75 x 109/l sollte erwogen werden, Thrombozytenaggragationshemmer, NSAR und Antikoagulantien abzusetzen. Bei Thrombozyten-Werten unter 50 x 109/l müssen Arzneimittel dieser Wirkstoffgruppen abgesetzt werden.

Studienlage

APPROACH-Studie

Waylivra wurde in der APPROACH-Studie getestet. Hierbei handelt es sich um eine randomisierte, doppel-blinde, placebokontrollierte Multicenter-Studie. Haupteinschlusskriterium war die Diagnose eines FCS mit anamnestischem Nachweis einer Chylomikronämie (dokumentiert durch ein milchiges Serum oder einen Nüchtertriglyzeridspiegel ≥880 mg/dl). Insgesamt wurden 66 Patienten in die Studie eingeschlossen, es erfolgte eine 1 : 1-Randomisierung in die Wirkstoff- und die Placebogruppe.

Ergebnisse

Waylivra führte zu einer statistisch signifikanten Reduktion der Triglyzeridspiegel im Vergleich zu Placebo. Weiterhin zeigte sich in einer Post-hoc-Auswertung eine geringere Inzidenz für eine Pankreatitis in der 52-wöchigen Therapiephase.

CS7-Studie

Aktuell läuft noch die unverblindete CS7-Folgestudie, in welcher die Sicherheit und Wirksamkeit von Waylivra in der Anwendung und Langzeitanwendung bei Patienten mit FCS untersucht wird.

Weitere Informationen sind der Fachinformation zu entnehmen.

PDFFachinformation Waylivra

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 16.08.2019

Quelle:

Fachinformation Waylivra, Stand Mai 2019