Verändertes Behandlungsmanagement nach Amyloid-PET

Daten des amerikanischen Medicare-Systems belegen, dass Ärzte bei jeweils über 60% der Patienten mit kognitiver Einschränkung und mit Demenz nach Vorliegen von PET-Ergebnissen die medikamentöse Therapie und die Beratung bezüglich Sicherheit und Zukunftsplanung änderten.

Demenz

Hintergrund

Amyloidplaques sind ein Charakteristikum der Alzheimererkrankung. Mithilfe einer Amyloid-Positronenemissionstomographie (PET) können Amyloidplaques im Gehirn dargestellt werden.

Zielsetzung

Ein US-amerikanisches wissenschaftliches Team um Gil Rabinovici vom Memory and Aging Center, Department of Neurology, der University of California in San Francisco untersuchte, ob die Durchführung einer PET bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (mild cognitive impairment [MCI]) oder Demenz mit unsicherer Ätiologie mit einer späteren Veränderung im Krankheitsmanagement verbunden war [1].

Methodik

Die Wissenschaftler werteten im Rahmen der offenen, multizentrischen Beobachtungsstudie die Daten von Patienten aus, die aus dem Medicare-Programm Anspruch auf Behandlung hatten. Bei der Imaging Dementia - Evidence for Amyloid Scanning (IDEAS) -Studie handelt es sich um eine Längsschnittstudie mit einer Patientengruppe.

Es konnten Patienten eingeschlossen werden, bei denen MCI oder Demenz diagnostiziert worden waren. Die Ätiologie der kognitiven Beeinträchtigung musste nach der Überprüfung anhand publizierter Kriterien unbekannt sein, wobei eine Alzheimer-Erkrankung als möglich in Betracht gezogen wurde. Die Kenntnis der PET-Ergebnisse sollte die Diagnose sichern und das Krankheitsmanagement verändern. Insgesamt 946 Demenzspezialisten an 595 Standorten in den USA nahmen zwischen Februar 2016 und September 2017 knapp über 16.000 Patienten auf. Die Nachbeobachtungsphase dauerte bis Januar 2018. Die Demenzspezialisten dokumentierten ihren Diagnose- und Behandlungsplan vor und 90 Tage nach der PET.

Der primäre Endpunkt war die Änderung des Erkrankungsmanagements im Zeitraum zwischen der Visite vor und nach der PET. Der Endpunkt setzte sich aus medikamentöser Therapie der Alzheimererkrankung, anderen medikamentösen Therapien sowie der Beratung über Sicherheit und Zukunftsplanung zusammen. Die Stichprobengröße war so gewählt, dass eine mindestens 30%ige Veränderung in der MCI- und in der Demenzgruppe festgestellt werden konnte. Ein sekundärer Endpunkt war der Anteil der Diagnosekorrekturen im Zeitraum zwischen der Visite vor und nach der PET.

Ergebnisse

Von 16.008 Teilnehmern durchliefen 11.409 (71,3%) die vorgesehenen Studienmaßnahmen und wurden in die Analyse einbezogen (Durchschnittsalter 75 Jahre; 50,9% Frauen; 60,5% mit MCI). Bei 3.817 Patienten mit MCI (55,3%) und bei 3.154 Patienten mit Demenz (70,1%) ergab die Amyloid-PET positive Ergebnisse.

Der kombinierte Endpunkt änderte sich bei 4.159 von 6.905 Patienten mit MCI (60,2%) und bei 2.859 von 4.504 Patienten mit Demenz (63,5%). Damit wurde der Grenzwert von 30% in jeder Gruppe signifikant überschritten (P<0,001, einseitig). Die ätiologische Diagnose änderte sich bei 2.860 von 11.409 Patienten (25,1%) von Alzheimererkrankung zu Nicht-Alzheimererkrankung und bei 1.201 von 11.409 (10,5%) Patienten von Nicht-Alzheimererkrankung zu Alzheimererkrankung.

Fazit

Bei einem Großteil von Medicare-Empfängern mit MCI oder Demenz mit unsicherer Ätiologie, die von Demenzspezialisten eingestuft worden waren, erfolgte innerhalb von 90 Tagen nach Vorliegen der Amyloid-PET-Ergebnisse eine Veränderung im klinischen Krankheitsmanagement. Die Studienautoren empfehlen weitere Untersuchungen, um zu klären, ob die Durchführung einer Amyloid-PET auch mit verbesserten klinischen Ergebnissen verbunden ist.

Die Studie ist unter der Nummer NCT02420756 bei ClinicalTrials.gov registriert.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 15.05.2019

Quelle:
  1. Rabinovici et al. (2018): Association of Amyloid Positron Emission Tomography With Subsequent Change in Clinical Management Among Medicare Beneficiaries With Mild Cognitive Impairment or Dementia. JAMA, DOI: 10.1001/jama.2019.2000
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