ALS: Marker zu Diagnose und Prognose im Blut identifiziert

Die Diagnose ALS wird aufgrund zahlreicher Differentialdiagnosen oft spät gestellt. Nun gibt es mit NFL einen Biomarker, der die Erkrankung im Blut nachweisen kann.

Blutentnahme

Selbst für erfahrene Mediziner sind Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) teils schwer zu diagnostizieren. Die vielfältigen Symptome erschweren eine Unterscheidung von anderen neurodegenerativen Erkrankungen. ALS ist eine progressive neurodegenerative Erkrankung motorischer Neuronen, die zu fortschreitender Lähmung und letztendlich Tod durch Atemstillstand führt.

Bluttest erleichtert Differentialdiagnose

Inzwischen gibt es vielversprechende therapeutische Ansätze, die eine frühe Diagnose umso wichtiger machen. Einem internationalen Forscherteam mit Wissenschaftlern der Ulmer Universitätsmedizin und der Universität Mailand ist es nun gelungen die Differentialdiagnose mit einem Bluttest zu erleichtern. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift „Journal of Neurology, Neurosurgery, and Psychiatry“ publiziert [1].

Test misst Neurofilament-Konzentration im Blut

Die deutsch-italienische Forschergruppe entwickelte einen Test, der die Konzentration von Neurofilamenten (Neurofilament light chain/NFL) im Serum der Patienten anzeigt. Bei NFL handelt es sich um Proteine, die das Gerüst von Motoneuronen und anderen Nervenzellen bilden. Sterben diese Neurone im Verlauf der ALS ab, werden NFL freigesetzt. Die steigende Konzentration von NFL im Serum wird vom Test erfasst.

Eine Untersuchung des Liquors ist demnach nicht nötig. Diese Tatsache macht den Test auch attraktiv für die Untersuchung größerer Kohorten in Studien oder für Patienten, bei denen eine Entnahme von Liquor nicht möglich ist.

Simoa-Technologie erlaubt Nachweis von NFL

Der neue Bluttest beruht auf der sogenannten Single Molecule Array-Technologie (Simoa). Diese Technologie ist vergleichbar mit ELISAs und nutzt die gleichen Reagenzien, ist aber wesentlich sensitiver.

Studie evaluiert Zuverlässigkeit des Tests

Die Zuverlässigkeit des Tests, der die klinische, neurophysiologische und bildgebende Diagnostik unterstützen soll, wurde in der aktuellen Studie untersucht. In die Studie gingen 124 ALS-Patienten und 159 Kontrollen ein. In der Kontrollgruppe gab es Probanden mit anderen neurodegenerativen Erkrankungen, etwa Alzheimer und Parkinson, sowie Studienteilnehmer ohne degenerative oder entzündliche Nervenleiden.

Ergebnisse

Die Analysen zeigten, dass die NFL-Konzentration im Blut von ALS-Patienten am höchsten war (Ausnahme: Creutzfeldt-Jakob-Krankheit). Eine Differentialdiagnose war somit möglich. Durch die vergleichenden Messungen mit der Kontrollgruppe gelang es den Wissenschaftlern auch eine diagnostische Schwelle für die ALS festzulegen.

Diese liegt bei 62 pg/ml. Liegt die NFL-Konzentration darüber, gilt ALS als wahrscheinlich. Der Test differenziert mit einer Sensitivität  von 85,5% (95% CI, 78% - 91.2%) und einer Spezifität von 81,8% (95% CI 74.9% - 87.4%) zwischen ALS und nicht-ALS.

Test erlaubt Prognose des Krankheitsverlaufs

Daneben korreliert der gemessene NFL-Wert mit der Schwere der Erkrankung. „ALS-Patienten mit einer höheren NFL-Konzentration im Blut erleben eine schnellere klinische Verschlechterung und haben im Mittel eine kürzere Überlebensdauer“, so Professor Markus Otto von der Ulmer Universitätsklinik für Neurologie [2]. Der Biomarker NFL sei bereits kurz nach Auftreten der ersten Symptome messbar, und womöglich lasse sich auch das Therapieansprechen mithilfe des Tests nachvollziehen, erklärt Professor Otto.

Die Forscher planen weitere Untersuchungen, um die Zuverlässigkeit des neuen Bluttests in größeren, multizentrischen Kohorten zu überprüfen und weitere Marker in die Diagnostik einzuführen. Die Labordiagnose soll dadurch spezifischer werden. Die Forschergruppe aus Ulm konnte schon zeigen, dass der Biomarker NFL zur Frühdiagnostik in Familien mit der vererbten ALS-Variante geeignet ist.

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 18.10.2018

Quelle:
  1. Verde et al. (2018): Neurofilament light chain in serum for the diagnosis of amyotrophic lateral sclerosis. Journal of Neurology, Neurosurgery, and Psychiatry, DOI: http://dx.doi.org/10.1136/jnnp-2018-318704
     
  2. Universität Ulm, Pressemeldung, 16. Oktober 2018
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