Blutzell-Ratios als Marker der neurologischen Beeinträchtigung bei MS

Die vorliegende Studie untersuchte die Nutzbarkeit von Neutrophilen-Lymphozyten- und Monozyten-Lymphozyten-Ratio zur Prognoseabschätzung bei Multipler Sklerose.

Multiple Sklerose

Hintergrund

In der Vergangenheit konnte gezeigt werden, dass bestimmte hämatologische Parameter wie beispielsweise die Neutrophilen-Lymphozyten-Ratio (NLR) oder Monozyten-Lymphozyten-Ratio (MLR) als Biomarker für Entzündungen und Prognosemarker in bestimmten Bereichen der Medizin, beispielsweise bei Autoimmunerkrankungen, eingesetzt werden können.

Ein bekanntes Beispiel für eine Autoimmunerkrankung ist die Multiple Sklerose (MS), bei der Monozyten und Neutrophile an der entzündlichen Antwort beteiligt sind. Auch bestimmte psychische Erkrankungen wie Depressionen sind mit einer erhöhten NLR assoziiert. Studien gaben bereits erste Hinweise auf eine erhöhte NLR bei MS-Patienten und zudem auf eine Assoziation mit neurologischen Behinderungs-Scores (Disability Scores). Nichts desto trotz existieren zum aktuellen Zeitpunkt keine verlässlichen Biomarker für die Diagnose oder das Monitoring der Krankheitsaktivität.

Zielsetzung

Das Ziel der Studiengruppe war es daher, Assoziationen zwischen den NLR bzw. MLR und klinischen, psycho-neuro-immunologischen und Parametern aus cerebralen MRTs bei Patienten mit Multipler Sklerose zu untersuchen [1].

Methodik

Für die vorliegende retrospektive Studie wurden 483 Patienten mit MS eingeschlossen. Die Patientendaten wurden aus einer Datenbank bezogen, die am Brigham and Women’s Hospital Partners MS Center für die prospektive „Comprehensive Longitudinal Investigation of Multiple Sclerosis“ (CLIMB) gesammelte wurden.

Die Patienten wurden im Rahmen der CLIMB-Studie gebeten vier psychologische Fragebögen auszufüllen. Darunter befanden sich der „Center for Epidemiology Depression scale“, der „Modified Fatigue Inventory Scale“, der „SF-36“ sowie der „Medical Outcomes Modified Study Social Support Survey“. Zudem wurden bei den Patienten im Rahmen der CLIMB-Studie Differentialblutbilder sowie cerebrale MRTs (cMRT) angefertigt. Im Rahmen der vorliegenden Studie wurden diese Daten retrospektiv ausgewertet und interpretiert.

Ergebnisse

Die Studiengruppe konnte zeigen, dass ein erhöhter NLR mit patientenbezogenen Outcome-Werten wie beispielsweise Depressivität, Fatigue und Lebensqualität einhergeht und könnte somit als psycho-neuro-immunologischer Marker genutzt werden.

Zudem konnte demonstriert werden, dass höhere NLR und MLR eine erhöhte MS-bezogene Behinderung (disability) vorhersagen. Weiterhin unterschieden sich die NLR und MLR bei einem progressiven und einem rezidivierenden Krankheitsstatus. Ein erhöhter NLR konnte als assoziiert mit einem Voranschreiten (progressive disease) der MS gezeigt werden. Ein höherer MLR korrelierte ferner mit einer vermehrten Hirnatrophie im cMRT. Das Volumen der MS-Läsionen in der T2-Wichtung des MRT korrelierte hingegen weder mit der NLR noch mit der MLR.

Ein erhöhter MLR korrelierte signifikant mit einer erhöhten Krankheitsdauer und einem erhöhten Patientenalter.

Fazit

Die vorliegende Studie spricht dafür, dass erhöhte NLR und MLR für eine erhöhte Produktion und ein proentzündliches Priming des myeloiden angeborenen Immunsystems sprechen können. Hieraus kann eine Dysregulation des erworbenen Immunsystems resultieren.

Insgesamt betrachtet, könnten NLR und MLR als unabhängige Marker für die Schwere der MS-bezogenen neurologischen Behinderung (disability) und des MRT-Outcomes dienen.

Autor: Dr. Ute Walliczek-Dworschak (Ärztin)

Stand: 20.02.2019

Quelle:
  1. Hemond et al. (2019): The neutrophil-to-lymphocyte and monocyte-to-lymphocyte ratios are independently associated with neurological disability and brain atrophy in multiple sclerosis. BMC Neurology, DOI: https://doi.org/10.1186/s12883-019-1245-2
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