Antiköper unter Botulinumtoxin: Menge, Intervall und Präparat entscheiden

Bei fokalen Dystonien wie Blepharospasmus oder Schiefhals kommen häufig Injektionen mit Botulinumtoxin zum Einsatz, um den Krampf zu lösen. Allerdings entwickeln einige Patienten im Lauf der langjährigen Behandlung Antikörper gegen das Toxin. Wie häufig dies geschieht hängt offenbar von der Dosis, dem Behandlungsintervall und dem Präparat ab.

Injektionsnadel

Intramuskuläre Injektionen von Botulinumtoxin A gelten heute als Therapie der Wahl um fokale Dystonien zu lindern. Allerding können Patienten nach mehrfacher Injektion von Botulinumtoxin neutralisierende Antiköper (NAB) entwickeln, die den Behandlungserfolg konterkarieren.

Prävalenz von NAB

Wie häufig dies bei den Patienten mit fokalen Dystonien geschieht und welche Faktoren zur NAB-Bildung beitragen, wollten Neurologen der Universität Düsseldorf unter Leitung von Professor Dr. Phillip Albrecht wissen [1]. Sie untersuchten 596 Patienten mit verschiedenen Dystonie-Indikationen, die innerhalb eines Jahres mindestens vier Botulinumtoxin-Injektionen erhalten hatten und noch auf die Behandlung ansprachen. Im Einzelnen wollten die Neurologen herausfinden, welchen Einfluss sowohl die Indikation, als auch die Lokalisation, Dauer und Dosis der Injektionen auf die Häufigkeit der NAB hat.

Risiko steigt mit Dosis

Das Ergebnis: 83 der 596 Patienten (13,9 %) hatten im ELISA nachweisbare NAB.

Die mittlere Einzeldosis (in Units [U]), Prävalenz (P), und die geschätzte Prävalenz (GP) nach 10 Jahren Behandlungsdauer in den fünf untersuchten Gruppen betrugen:

  • fazialer Hemispasmus 82 U / P: 0% / GP: 0%
  • Blepharospasmus 112 U / P: 5,6% / GP: 9,9%
  • zervikale Dystonie 641 U / P: 15,7 % / GP: 27,9 %
  • andere Dystonien (einschließlich Meige-Syndrom, oromandibuläre und oropharyngeale Dystonie, Extremitätendystonie und generalisierte Dystonie) 356 U / P: 17,3% / GP: 60,3%
  • spasmische Dystonie 957 U / P: 15,2% / GP: 47,1%.

Die Wahrscheinlichkeit für die Präsenz von NAB erhöhte sich mit der Einzeldosis und mit der kumulierten Dosis.

Darüber hinaus hatte lediglich die Formulierung des Botulinumtoxin Typ A- Präparats einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit für neutralisierende Antikörper. Für Patienten unter

Alle anderen analysierten Faktoren, einschließlich der Indikation und der Behandlungsdauer, hatten dagegen keinen Einfluss.

Möglichst kleine Dosierungen

Fazit der Autoren: In der bislang größten Studie zur Prävalenz neutralisierender Antikörper unter Botulinumtoxin bei Dystonie-Patienten führten wiederholte Injektionen zu einem größeren Risiko. Um dieses NAB-Risiko unabhängig von der Indikation zu senken, empfehlen die Düsseldorfer Neurologen, Booster-Injektionen zu vermeiden, die Behandlungsintervalle möglichst lange zu wählen, sowie die individuellen Dosen zu verkleinern.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 12.12.2018

Quelle:
  1. Albrecht et al. (2018): High prevalence of neutralizing antibodies after long-term botulinum neurotoxin therapy. Neurology, DOI: 10.1212/WNL.0000000000006688
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