Amitriptylin bei chronischen Rückenschmerzen?

Antidepressiva, etwa Amitriptylin, werden Patienten mit chronischen Rückenschmerzen häufig verordnet. Die Effektivität dieser Maßnahme wurde in einer klinischen Studie untersucht.

Älterer Herr hat Rückenschmerzen

Hintergrund

Niedrig dosierte Antidepressiva wie das Trizyklikum Amitriptylin werden Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen häufig verordnet. Der Nutzen ist umstritten. Es gibt keine Evidenz für die Effektivität dieser Maßnahme.

Zielsetzung

Ein Team von Forschern um Donna Urquhart von der Monash University in Melbourne ging der Frage nach, ob niedrig dosiertes Amitriptylin in der Therapie von chronischen nichtspezifischen Kreuzschmerzen im unteren Rücken effektiv ist [1].

Methodik

An der doppelblinden, randomisierten Studie nahmen 146 Patienten mit chronischem Lumbalschmerz teil. Die Patienten wurden in zwei Gruppen randomisiert. Eine Gruppe erhielt Amitriptylin (25 mg einmal täglich), die andere Gruppe erhielt 1 mg Benzatropin einmal täglich. Benzatropin ist ein Anticholonergikum, das zur Therapie von bestimmten motorischen Bewegungsstörungen, beispielsweise Parkinson, eingesetzt wird. Ein Effekt auf chronische Schmerzen ist nicht bekannt, die Nebenwirkungen sind aber ähnlich denen von Amitriptylin.

Der primäre Endpunkt war die Schmerzintensität, die nach drei und sechs Monaten gemessen wurde. Sekundäre Endpunkte waren das Ausmaß der Behinderung und die Arbeitsfähigkeit.

Ergebnisse

Von den 146 Studienteilnehmern beendeten 118 Teilnehmer (81%) die Studie, die über einen Zeitraum von sechs Monaten lief.

Sowohl nach drei als auch nach sechs Monaten zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der Schmerzreduktion zwischen den beiden Gruppen. Die Tendenz nach sechs Monaten war positiv für Amitriptylin.

Das Ausmaß der Behinderung war nach drei Monaten bei den Patienten der Amitriptylin-Gruppe signifikant besser. Am Ende der Studie, nach sechs Monaten, bestand dieser Unterschied aber nur noch tendenziell. Eine statistische Signifikanz konnte nicht mehr festgestellt werden.

Im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit der Patienten gab es keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Auch die Zahl der Patienten, die sich aufgrund von Nebenwirkungen aus der Studie zurückzog, war in beiden Gruppen nicht signifikant verschieden.

Fazit

Die Ergebnisse dieser kleinen Studie zeigen, dass Amitriptylin eine effektive Therapie für Patienten mit chronischem Lumbalschmerz sein könnte. Die Autoren betonen, dass weitere großangelegte Studien, inklusive Beobachtungen zur Dosiseskalation, nötig seien.

Bis solche Daten vorliegen, könne die Gabe von niedrig dosiertem Amitriptylin für Patienten erwogen werden, deren einzige Alternative Opioide sind, so die Forscher weiter.

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 18.10.2018

Quelle:
  1. Urquhart et al. (2018): Efficacy of Low-Dose Amitriptyline for Chronic Low Back Pain - A Randomized Clinical Trial. JAMA Internal Medicine, DOI: 10.1001/jamainternmed.2018.4222
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