Diplopie bei Morbus Parkinson

In einer kleinen Studie mit 41 Patienten mit Parkinson-Erkrankung fanden Forscher, dass die Diplopie hauptsächlich auf Augenbewegungs-, aber auch auf Sehstörungen und visuellen Halluzinationen beruhen kann.

Arzt untersucht Auge

Hintergrund

Patienten mit Parkinson gleichen ihre motorischen Defizite häufig durch visuelle Bewegungsführung aus. Eine Vielzahl von Augen- und Sehstörungen gefährden die Fähigkeit dieser Patienten, visuelle Rückmeldungen optimal zu nutzen. Ein besseres Bewusstsein und frühzeitiges Erkennen von Augen- und Sehproblemen bei Patienten mit Parkinson-Erkrankung könnte die rechtzeitige Einleitung geeigneter Behandlungen ermöglichen und damit die Patientensicherheit und Unabhängigkeit sowie die Lebensqualität erhöhen.

Etwa 20% aller Patienten mit Parkinson-Erkrankung leiden an Diplopie. Die Ursache der Diplopie ist jedoch unklar.

Zielsetzung

Ein wissenschaftliches Team um Femke Visser vom Department of Neurology am Onze Lieve Vrouwe Gasthuis (OLVG) in Amsterdam, Niederlande, untersuchte den Zusammenhang von Diplopie und ihren Subtypen mit okulomotorischen Anomalien, Sehstörungen und visuellen Halluzinationen bei Patienten mit Parkinson-Erkrankung [1].

Methodik

Die explorative Studie umfasste 41 Patienten mit Parkinson-Erkrankung, die an zwei Allgemeinkrankenhäusern rekrutiert wurden. Bei 25 dieser Patienten trat Diplopie auf. 23 gesunde Personen dienten als Kontrollgruppe. Im Rahmen dieser Studie waren die selektive Diplopie (Diplopie einzelner Objekte) und die vollständige Diplopie (Diplopie des gesamten Gesichtsfeldes) als Subtypen definiert. Alle Teilnehmer wurden einer vollständigen orthoptischen und ophthalmologischen Untersuchung unterzogen.

Ergebnisse

Bei Patienten mit Parkinson-Erkrankung und Diplopie beobachteten die Forscher eine hohe Prävalenz von okulomotorischen Anomalien (84%), Sehstörungen (44%) und visuellen Halluzinationen (44%) im Vergleich zu 33%, 6% bzw. 0% (p <0,01) bei Patienten mit Parkinson-Erkrankung ohne Diplopie und zu 23%, 9% bzw. 0% (p <0,01) in der Kontrollgruppe.

Augenbewegungsstörungen traten in beiden Subtypen, bei selektiver und bei vollständiger Diplopie, gleich häufig auf, während Sehstörungen vorwiegend bei Patienten mit selektiver Diplopie beobachtet wurden. Nur Patienten mit selektiver Diplopie litten unter visuellen Halluzinationen.

Fazit

Bei Patienten mit Parkinson-Erkrankung kann Diplopie auf Augenbewegungs- oder Sehstörungen hinweisen. Daher ist es sinnvoll, schließen die Studienautoren, Patienten mit Parkinson-Erkrankung und Diplopie an einen Orthoptisten und einen Augenarzt zur Beurteilung und möglichen Behandlung von Diplopie zu überweisen.

Darüber hinaus sollte der Neurologe bei selektiver Diplopie das Vorhandensein von visuellen Halluzinationen in Betracht ziehen. Das Auftreten von Halluzinationen kann möglicherweise durch eine Anpassung der Medikation des Patienten reduziert werden.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 10.07.2019

Quelle:
  1. Visser et al. (2019) Diplopia in Parkinson’s disease: visual illusion or oculomotor impairment? Journal of Neurology, DOI: 10.1007/s00415-019-09430-w
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige

Neurologie

Neurologische Erkrankungen

Neurologie-Kongresse

Neurologische Krankheiten

Newsletter