Entzündungen und Infektionen als Prädiktoren für erneuten Schlaganfall

Etwa 40 Prozent der Schlaganfallpatienten erleiden nach dem Indexereignis einen erneuten Hirninfarkt. Einer Studie zufolge verschlechtern insbesondere die Schlaganfall-assoziierte Pneumonie sowie erhöhte IL-6-Konzentration und LBP-Werte das Outcome nach Schlaganfällen.

Schlaganfall

Entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung und Rehabilitation nach einem Schlaganfall ist das Komplikationsmanagement. Ein erneuter Hirninfarkt innerhalb kurzer Zeit nach dem Erstereignis verschlechtert die Prognose der Patienten erheblich. Bedauerlicherweise ist dieser Verlauf keine Seltenheit. Fast 40 Prozent der Schlaganfallpatienten erleiden im ersten Vierteljahr nach dem Hirninfarkt einen Folgeschlaganfall. Eine multizentrische Studie untersuchte aktuell, welche Faktoren das Risiko eines erneuten Schlaganfalls in der Frühphase nach dem Erstereignis erhöhen. Sind die Prädiktoren bekannt, kann die Therapie entsprechend angepasst und das individuelle Risiko gesenkt werden. Den Studienergebnissen zufolge beeinflussen neben weiblichem Geschlecht und höherem Lebensalter insbesondere Infektionen und Entzündungen den Krankheitsverlauf (2019; DOI: 10.1186/s12883-019-1375-6).

Studienmethoden

Eine prospektive multizentrische Studie mit 486 Patienten untersuchte an Standorten in Deutschland und Spanien den Zusammenhang zwischen einem schlechten Outcome nach akutem ischämischen Schlaganfall und Markern für Immundepression, Entzündungen und Infektionen. Als Prädiktoren wurden folgende Parameter ausgewählt:

  • Interleukin 6 (IL-6)
  • Interleukin 10 (IL-10)
  • Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha)
  • Lipopolysaccharid-bindendes-Protein (LBP)
  • monozytäre HLA-DR (mHLA-DR)-Expression

Die Auswertung erfolgte drei Monate nach dem Schlaganfall mittels strukturiertem Telefoninterview unter Verwendung der modifizierten Rankin-Skala (mRS). Als schlechtes Ergebnis war ein mRS-Score von 3 oder höher definiert, inklusive Todesfolge. Darüber hinaus wurden die letalen Ausgänge innerhalb von zwölf Wochen nach dem Erstereignis in einer Time-to-Event-Analyse erfasst.

Ergebnisse

Nach drei Monaten konnten die Ergebnisse von 391 Patienten ausgewertet werden. Dabei erkannten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen einem schlechten Outcome und unterschiedlichen Markern am Tag 1 nach Schlaganfallereignis. Unter Verwendung eines bivariaten Analyseverfahrens sind folgende Parameter mit einer ungünstigen Schlaganfall-Prognose assoziiert:

  • Weibliches Geschlecht
  • Höheres Lebensalter
  • Diabetes mellitus
  • Vorhofflimmern
  • Schlaganfall-assoziierte Pneumonie (SAP)
  • Hoher Schlaganfall-Score nach National Institute of Health Stroke Scale (NIHSS)
  • Erhöhte IL-6-Konzentration
  • Hohe LBP-Werte

Darüber hinaus ergab eine multivariable Analyse, dass eine geringere mHLA-DR-Expression mit einem schlechten Ergebnis und einer schnelleren Todesfolge verbunden ist.

Überlebenszeit nach Schlaganfall

In der bivariaten Analyse waren folgende Merkmale am Tag 1 nach Erstereignis mit einer kürzeren Überlebenszeit assoziiert:

  • Weibliches Geschlecht
  • Hohes Lebensalter
  • Vorhofflimmern
  • SAP
  • Hoher NIHSS-Score
  • Niedrige mHLA-DR-Expression
  • Hohe IL-6-Werte

Die multivariable Analyse zeigte einen Zusammenhang zwischen einer kürzeren Überlebenszeit und Patienten mit SAP sowie hohen IL-6-Werten am ersten Tag nach Schlaganfall.

Fazit

Im Gesamtergebnis sind eine niedrige mHLA-DR-Expression, höhere IL-6-Werte und eine Schlaganfall-assoziierte Pneumonie am ersten Tag nach Schlaganfall mit einer schlechten Prognose und einer kürzeren Überlebenszeit drei Monaten nach dem Erstereignis verbunden. Unter Einbeziehung dieser Aspekte könnten sich Therapie und Outcome von Schlaganfallpatienten möglicherweise verbessern.

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 25.07.2019

Quelle:
  1. Mengel A. et al.: Biomarkers of immune capacity, infection and inflammation are associated with poor outcome and mortality after stroke - the PREDICT study. BMC Neurology 2019 Jul 3;19(1):148. https://doi.org/10.1186/s12883-019-1375-6.
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