Fingolimod bei Kindern mit Multipler Sklerose

Nach der ergänzenden Auswertung weiterer Studiendaten bestätigt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, dass Fingolimod die Lebensqualität bestimmter Patienten mit pädiatrischer schubförmiger Multiplen Sklerose verbessern kann.

Multiple Sklerose Schriftzug

Hintergrund

Die Multiple Sklerose (MS) manifestiert sich meist im jungen Erwachsenenalter. In 3-5% der Fälle beginnt die Erkrankung jedoch schon vor dem 17. Lebensjahr, in diesem Fall spricht man von einer pädiatrischen multiplen Sklerose. Pädiatrische MS-Patienten haben mehr Läsionen im MRT und eine höhere Schubrate, ihr Behinderungsgrad steigt jedoch aufgrund einer schnelleren Rückbildung nach einem Schub langsamer an. Dennoch erreichen pädiatrische MS-Patienten einen vergleichbaren Behinderungsgrad 10 Jahre früher als Erwachsene [1].

Fingolimod bei schubförmiger MS

Das Immunsuppressivum Fingolimod wird zur Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose (relapsing–remitting multiple sclerosis [RRMS]) eingesetzt. Es verhindert weitere MS-Schübe, indem es eine Lymphopenie und damit eine Senkung der Lymphozytenzahl im Gehirn bewirkt. Seit 2018 ist Fingolimod auch bei Kindern und Jugendlichen ab zehn Jahren zugelassen, wenn die jugendlichen Patienten unter einer hochaktiven, schwer verlaufenden und/oder rasch fortschreitenden RRMS leiden.

Ergänzung der Nutzenbewertung

Die Ausweitung der Zulassung von Fingolimod auf pädiatrische RRMS-Patienten machte eine Nutzenbewertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erforderlich. Nach einer ersten Bewertung durch das IQWiG reichte der Hersteller weitere Analysen der relevanten Studie PARADIGMS nach. Auf dieser Grundlage erstellte das IQWiG nun eine ergänzende Nutzenbewertung und veröffentlichte sie in einem Addendum.

Höhere Lebensqualität mit Fingolimod

Für Kinder und Jugendliche mit hochaktiver schubförmiger Multiplen Sklerose, die einen Wechsel der Basistherapie benötigen, wurden nun auch die Daten zum Endpunkt „gesundheitsbezogene Lebensqualität“ ausgewertet. Während die jungen Patienten im Fingolimod-Arm über eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität berichteten, klagten die Kinder und Jugendlichen, die im Vergleichsarm mit Interferon-beta k 1a (IFN-β k 1a) behandelt wurden, über eine  Verschlechterung. Bei den kognitiven Fähigkeiten konnten in beiden Studienarmen hingegen keine Unterschiede verzeichnet werden.

Fazit

Stefan Lange, der stellvertretende Leiter des IQWiG fasst die Bewertung zusammen: „Zwar hat sich die Gesamtaussage zum Zusatznutzen durch das Addendum nicht verändert. Aber es freut uns, dass wir hier aussagekräftige Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität zu sehen bekommen haben. Gerade bei so jungen Patientinnen und Patienten ist sie ein ausgesprochen wichtiger Behandlungseffekt.“

Autor: Barbara Welsch, Medizinjournalistin

Stand: 24.07.2019

Quelle:
  1. Huppke u. Gärtner (2016): S1 Leitlinie Pädiatrische Multiple Sklerose. AWMF-Register Nr. 022/014 https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/022-014.html
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (2019): Fingolimod: Vorteile für Kinder und Jugendliche mit hochaktiver RRMS und Therapiewechselbedarf. Pressemitteilung 21.06.2019 http://idw-online.de/de/news717919
  3. IQWiG Bericht Nr. 773 (2019): Fingolimod (multiple Sklerose bei Kindern und Jugendlichen) –Addendum zum Auftrag A18-87, Auftrag: A19-42 Version 1.0 Stand 28.05.2019 https://www.iqwig.de/de/projekte-ergebnisse/projekte/arzneimittelbewertung/2019/a19-42-fingolimod-multiple-sklerose-bei-kindern-und-jugendlichen-addendum-zum-auftrag-a18-87.12071.html
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige

Neurologie

Neurologische Erkrankungen

Neurologie-Kongresse

Neurologische Krankheiten

Newsletter