Fördert Hepatitis-C-Infektion Parkinson?

Aktuelle Studiendaten zeigen, dass eine Infektion mit Hepatitis C die Parkinson-Inzidenz steigert. Die antivirale Therapie scheint der Entstehung von Parkinson vorzubeugen.

Hepatitis Virus

Hintergrund

Die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) ist mit der Entstehung von hepatozellulären Karzinomen, Leberversagen und Leberzirrhose assoziiert. Aber HCV ist auch ein Risikofaktor für die Entstehung extrahepatischer Erkrankungen, z.B. Atherosklerose, chronische Nierenerkrankung oder Schlaganfall.

Mehrere epidemiologische Studien konnten auch einen Zusammenhang zwischen einer HC-Infektion und Parkinson zeigen, jedoch gab es auch widersprüchliche Studien. Auch zur Interferon-basierten Therapie bei HC-Patienten und Parkinson ist die Datenlage nicht abschließend geklärt. Unter der Therapie wird eine Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse vermutet, allerdings besteht auch der Verdacht, dass die antivirale Therapie das Risiko an Parkinson zu erkranken erhöht.

Zielsetzung

Die Forscher um Dr. Wey-Yil Lin aus Taiwan untersuchten in einer Kohortenstudie Patienten mit chronischer HC-Infektion unter antiviraler Therapie bzw. Patienten ohne Therapie und verglichen die Parkinson-Inzidenz zwischen diesen Gruppen [1].

Methodik

In der Studie wurden Daten aus der nationalen taiwanesischen Krankenversicherung genutzt. Erwachsene Patienten mit neu diagnostiziertem HCV mit oder ohne Hepatitis, ohne Folgeerscheinungen wie Leberkrebs oder Leberzirrhose und ohne eine Parkinson-Erkrankung, wurden inkludiert. Nachdem alle nicht in Frage kommenden Teilnehmer ausgeschlossen wurden, wurden die verbleibenden Teilnehmer in die Gruppen mit und ohne antivirale Therapie eingeteilt. Die antivirale Therapie bestand aus pegyliertem Interferon alpha-2b in Kombination mit Ribavirin.

Die Entwicklung eines Morbus Parkinson war das Haupt-Outcome. Die Hazard Ratio (HR) wurde in Jahr 1, 3 und 5 bestimmt.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 188.152 Patienten in die Studie inkludiert. Jeweils 39.936 Teilnehmer waren in der Therapie- bzw. nicht-Therapie-Gruppe. Die Inzidenz lag bei 1.00 (95% Konfidenzintervall [CI] 0,85 – 1,15) in der Gruppe mit antiviraler Therapie und bei 1,39 (95% CI 1,21 – 1,57) per 1000 Personenjahre in der Gruppe ohne Therapie. Zum Ende der Analyse litten 162 Patienten in der Gruppe mir antiviraler Therapie und 220 Patienten in der Gruppe ohne Therapie an Parkinson.

In der Gruppe, die unter antiviraler Therapie stand, war die Parkinsoninzidenz um 29% geringer als in der Gruppe ohne Therapie. Dabei wurde die unterschiedliche Nachbeobachtungszeit der einzelnen Patienten berücksichtigt.

Der Vorteil einer antiviralen Therapie machte sich nach 5 Jahren in einem statistisch signifikanten Maße bemerkbar (HR 0,75; 95% CI 0,58 – 0,87).

Fazit

In der Studie zeigten sich in der Gruppe, die eine antivirale Therapie erhalten hatte, eine niedrigere Inzidenz und ein niedrigeres Risiko zur Entwicklung von Parkinson im Vergleich zur Gruppe ohne antivirale Therapie.

Diese Ergebnisse unterstützen die Hypothese, dass HCV möglicherweise ein Risikofaktor für die Entwicklung von Parkinson sein könnten. Auch die Wirkung der antiviralen Medikamente könnte für das Risiko der reduzierten Parkinson-Inzidenz verantwortlich sein. Dies erachten die Forscher aber als weniger wahrscheinlich, da die antivirale Therapie nur wenige Wochen andauerte.

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 25.06.2019

Quelle:
  1. Lin et al. (2019): Association of Antiviral Therapy With Risk of Parkinson Disease in Patients With Chronic Hepatitis C Virus Infection. JAMA Neurology, DOI: 10.1001/jamaneurol.2019.1368
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige

Neurologie

Neurologische Erkrankungen

Neurologie-Kongresse

Neurologische Krankheiten

Newsletter