Hunde riechen epileptische Anfälle

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Hunde mit hoher Sensitivität und Spezifität Geruchsproben erkennen, die während eines epileptischen Anfalls gewonnen wurden. Epileptische Anfälle haben demnach einen spezifischen Geruch, der als Frühwarnsystem dienen könnte.

Hund schnüffelt

Hintergrund

Krankheiten wie Diabetes, Niereninsuffizienz, Entzündungen der Leber, Lungen- oder Brustkrebs sind mit einem spezifischen Körper- oder Atemgeruch verbunden, der von Hunden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit sicher erkannt werden kann. Tatsächlich ist die Treffsicherheit der Hundenase in frühen Stadien einer Erkrankung häufig besser als andere Maßnahmen zur Früherkennung, wie das Screening ergab [1]. Es stellte sich nun die Frage, ob auch epileptische Anfälle mit einem besonderen Geruch verbunden sind, der zur Früherkennung genutzt werden könnte.

Anfallwarnhunde

Die Suche nach einem spezifischen Geruch des epileptischen Anfalls zur Entwicklung eines Frühwarnsystems, wurde durch Berichte über sogenannte Anfallwarnhunde inspiriert. Diese Tiere warnen ihre an Epilepsie erkrankten Besitzer zuverlässig davor, wenn ein Anfall droht. Die Besitzer können sich dann auf den Anfall vorbereiten und sich beispielsweise an einen sicheren Ort zurückziehen. Es ist jedoch unklar, woran die Hunde erkennen, dass ein Anfall naht.

Mögliche Anfallsanzeichen

Diskutiert werden verschiedene Faktoren, die die Hunde wahrnehmen könnten, wie z. B.  minimale Veränderungen im Verhalten, der Gestik, der Mimik, der Stimme oder eben dem Körpergeruch ihres Besitzers. Die aktuelle Studie untersuchte nun erstmals, ob sich der Körpergeruch während eines epileptischen Anfalls ändert und ob Hunde diesen spezifischen Geruch identifizieren können.

Zielsetzung

In der Studie wurde getestet, ob Hunde zwischen Geruchsproben unterscheiden können, die während eines epileptischen Anfalls oder in einer anfallsfreien Phase gewonnen wurden. Die mit Probensets verschiedener Epilepsie-Patienten durchgeführten Testreihen sollten zeigen, ob es einen allgemeinen spezifischen Geruch des epileptischen Anfalls gibt.

Methodik

In einem speziellen Hundeausbildungszentrum in den USA (Medical Mutts) wurden fünf Hunde darauf trainiert anzuzeigen, wenn sich in einer Dose die Geruchsprobe eines Epilepsiepatienten während eines Anfalls befand. Das Anzeigen bestand im beharrlichen Stehenbleiben vor der Probe. In einem weiteren Trainingsschritt lernten die Hunde, dass sie nur dann eine Belohnung erhielten, wenn sie vor der Probe mit dem Anfallsgeruch stehenblieben und nicht etwa vor anderen Geruchsproben des gleichen Patienten.

Anfallsgeruch oder andere olfaktorische Merkmale?

Um festzustellen, dass die Hunde tatsächlich auf einen spezifischen Anfallsgeruch und nicht etwa auf andere olfaktorische Eigenschaften der Trainingsproben reagieren, wurden sie nach dem erfolgreichen Abschluss des Trainings  mit Proben von ihnen bislang unbekannten Epilepsiepatienten konfrontiert.

Testproben

Die Geruchsproben für die Testreihen wurden bei fünf Epilepsie-Patienten des Gesundheitszentrums OHS Flavigny sur Moselle in Frankreich genommen. Von jedem Patienten wurden Proben in sieben Situationen gewonnen: Eine Probe während eines Anfalls, die anderen sechs in anfallsfreien Phasen in verschiedenen Situation (z. B. Sport). Die Proben wurden gekennzeichnet, fachgerecht verpackt und gekühlt in das US Hundeausbildungszentrum gesandt.

Testaufbau

Die Hunde wurden einzeln in einen Raum gebracht, in dem alle sieben Proben jeweils eines Patienten in speziellen Dosen präsentiert wurden. Um eine Beeinflussung des Tieres bei der Suche der korrekten Probe zu verhindern, war der Hund bei der Suche allein im Raum. Die Suche wurde vom Nebenraum über Videokameras beobachtet. Alle Hunde durchliefen mehrere Testreihen mit ausreichend langen Pausen dazwischen.

Ergebnisse

Die Trefferquote übertraf die Erwartungen der Studienautoren. Drei Hunde identifizierten in allen Testreihen die Anfallsproben korrekt, zwei Tiere lagen immerhin in zwei Drittel der Testreihen  richtig.  Bei einer Anfallsprobe unter sechs Negativproben kann hier der Zufall ausgeschlossen werden.

Fazit

Die Studienergebnisse zeigen, dass epileptische Anfälle mit einem spezifischen Geruch verbunden sind. Der Anfallsgeruch ist bei verschiedenen Patienten so ähnlich, dass Hunde ihn auch bei unbekannten Personen identifizieren können. Zur Verifizierung dieser Ergebnisse  wären jedoch Studien mit größeren Teilnehmerzahlen wünschenswert.
Die Studie  konnte jedoch nicht beantworten, ob der spezifische Anfallsgeruch bereits als Vorbote eines nahenden Anfalls auftritt und so für ein olfaktorisches Frühwarnsystem  – sei es eine trainierte Hundenase oder eine elektronische Nase – genutzt werden kann.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 17.04.2019

Quelle:
  1. Catala, Grandgeorge, Schaff et al.(2019): Dogs demonstrate the existence of an epileptic seizure odour in humans. Scientific Reports doi.org/10.1038/s41598-019-40721-4 https://www.nature.com/articles/s41598-019-40721-4

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