Neue Leitlinie: Therapie des spastischen Syndroms

Die neue S2k-Leitlinie „Therapie des spastischen Syndroms“ stellt die verschiedenen Therapieansätze bei spastischen Bewegungsstörungen durch ZNS-Schädigungen dar und bewertet sie hinsichtlich Evidenz, Indikation und Wirksamkeit.

Frau mit Gehhilfe

Hintergrund

Als spastische Bewegungsstörungen (spastic movement disorder [SMD]) wird ein Syndrom bezeichnet, das infolge der Schädigungen zentralnervöser sensomotorischen Zell- und Bahnsysteme auftreten kann. Das Hauptsymptom Spastik wird bei der SMD häufig von weiteren Symptomen wie Muskelparese, Verlangsamung des Bewegungsablaufs, gesteigerten Muskeleigenreflexen, pathologisch enthemmten Synergismen und spastischer Dystonie begleitet [1].

Vielzahl von Behandlungsansätzen

Zur Behandlung der SMD existieren zahlreiche physikalische, physiotherapeutische und pharmakologische Therapieansätze. Die Evidenzlage hinsichtlich Indikation und Wirksamkeit der verschiedenen Therapieansätze präsentiert sich dabei sehr heterogen. Die neue S2k-Leitlinie „Therapie des spastischen Syndroms“ soll hier allen beteiligten Ärzten, Ergo- und Physiotherapeuten sowie Patienten und deren Angehörigen Orientierung bieten [2].

Zielsetzung

Das Ziel der Behandlung des spastischen Syndroms ist es, die motorischen Funktionen des Patienten zu verbessern und seine Schmerzen zu lindern. Darüber hinaus soll die Therapie die Pflegebedürftigkeit verringern und die Pflege erleichtern. Die neue Leitlinie stellt hierzu verschiedene therapeutische Ansätze dar und bewertet sie hinsichtlich Indikation und Wirksamkeit.

Neuerungen der Leitlinie

Neben der systematischen Darstellung von Definition, Klassifikation, Diagnostik und Therapie der SMD enthält die vollständig überarbeitete Leitlinie auch neue Empfehlungen zum Assessment der Therapiestrategien sowie zu nicht-medikamentöser und medikamentöser Therapie.

Assessment-Verfahren

Zur Evaluierung des Therapieerfolgs bei SMD empfiehlt die Leitlinie verschiedene Assessmentverfahren zu kombinieren, um sowohl das Ausmaß der Spastik zu erfassen, beispielsweise (passives Bewegungsausmaß, Ashworth-Skala, Modifizierte Ashworth-Skala oder Tardieu-Skala) als auch die aktiven (bewusste Bewegung betroffener Gliedmaßen) und passiven Funktionen (z. B. Pflegebedürftigkeit) hinsichtlich der Behandlungsziele zu bewerten.

Medikamentöse Behandlung

Wenn der gewünschte Therapieerfolg der nicht-medikamentöse Behandlungen bei einer fokalen Spastik ausbleibt, sollte eine fokale medikamentöse Injektionsbehandlung mit Botulinumtoxin A (BoNT A) nach Möglichkeit oralen Antispastika vorgezogen werden. Orale Antispastika sind eher indiziert bei einer ausgeprägten Hemispastik, Paraspastik oder einer generalisierten Spastizität. Bei alltagsrelevanter spastischer Tonuserhöhung oder einem hohen Risiko für Sekundärkomplikationen kann eine intrathekale Baclofen-Behandlung (ITB) eingesetzt werden.

Nicht-Medikamentöse Therapieansätze

Mit dem Arm-Basis-Training bei subakuten Schlaganfallpatienten und dem Taub´schen Training (Constraint-Induced Movement Therapie [CIMT]) lassen sich laut neuer Leitlinie sowohl die aktiven Funktionen verbessern als auch die Spastik reduzieren. Die repetitive periphere und transkranielle Magnetstimulation sowie die Ganzkörpervibration haben möglicherweise ein therapeutisches Potential. Die Evidenz reicht jedoch noch nicht aus, um diese Maßnahmen in der Routineversorgung zu empfehlen.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 16.05.2019

Quelle:
  1. Platz T. et al., Therapie des spastischen Syndroms, S2k-Leitlinie, 2018, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie
     
  2. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Pressemitteilung, 09.05.2019
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