Serotonin

Grund für die erneute Erinnerung waren zwei aktuelle Fallberichte. Ein 22-jähriger, langzeitbeatmeter Mann (Patient 1) sowie ein frühgeborener Junge (Patient 2) erhielten im Rahmen intensivmedizinischer Behandlungen das Antibiotikum Linezolid. Die Dauermedikation von Patient 1 enthielt Escitalopram. Der zweite Patient wurde mit Fentanyl behandelt. In beiden Fällen wurden weitere Arzneimittel gegeben. Einige Tage, nachdem die Patienten zusätzlich das Antibiotikum Linezolid erhielten, entwickelten sie Symptome, die als Serotonin-Syndrom durch Interaktion von Linezolid mit den serotonergen Arzneimitteln Escitalopram bzw. Fentanyl gewertet wurden.

Symptomverbesserung nach Absetzen

Nach Absetzen von Linezolid besserte sich der Patientenzustand beider Patienten. Bei Patient 1 wurde zusätzlich das Escitaolpram abgesetzt. Eine Mitverursachung der Symptomatik durch die postulierte Interaktion ist möglich, auch wenn in beiden Fällen alternative Ursachen denkbar sind.

Anwendung Linezolid

Linezolid gilt als Reserveantibiotikum. Linezolid ist gegen Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSA) und Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) wirksam. Es sollte daher nur stationär und nach Beratung durch einschlägige Spezialisten angewendet werden, wie der Fachinformation zu entnehmen ist. Linezolid ist ein reversibler, nichtselektiver Monoaminooxidase(MAO)-Hemmer. Therapeutisch werden MAO-Hemmer zur Behandlung psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen, wie Depression oder Morbus Parkinson eingesetzt.

Linezolid nicht gleichzeitig mit serotonergen Substanzen geben

Die gleichzeitige Gabe von Linezolid und serotonergen ist wegen der Gefahr eines Serotonin-Syndroms kontraindiziert, es sei denn, eine solche Kombination ist lebensnotwendig.

Serotonerge Substanzen sind

Hinweise für behandelnde Ärzte

  • Patienten sollten gegebenenfalls engmaschig auf Anzeichen eines Serotonin-Syndroms überwacht werden.
  • Symptome können Fieber, Verwirrtheit, Unruhe, Herzrhythmusstörungen, neuromuskuläre Symptome bis hin zu Krampfanfällen und Koma sein.

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 10.07.2019

Quelle:

Drug safety Meldung der AkdÄ vom 10.07.2019