Mediterrane Diät und Fischöl: Therapieansatz bei Depressionen?

Die Autoren der vorliegenden Studie untersuchten, ob eine mediterrane Diät gemeinsam mit einer Fischöl-Supplementation die mentale Gesundheit bei Patienten, die an Depressionen leiden, verbessern kann.

Mediterrane Diät

Hintergrund

Depressive Erkrankungen sind mittlerweile die zweithäufigste Ursache von verlorenen Lebensjahren auf Grund von Einschränkungen. Mit Depressionen verbunden sind personelle, psychosoziale und finanzielle Auswirkungen.

Höhere Inzidenz für Depressionen bei kardiovaskulären Erkrankungen

Es ist bekannt, dass Patienten, die an kardiovaskulären Erkrankungen leiden, eine höhere Inzidenz für Depressionen aufweisen als die Allgemeinbevölkerung und Depressionen wiederum einen Risikofaktor für die Entwicklung von kardiovaskulären Erkrankungen darstellen. Weniger bekannt ist, dass Depressionen und kardiovaskuläre Erkrankungen ähnliche zugrundeliegende Risikofaktoren aufweisen. Dazu zählen Entzündungen, niedrige Level von Omega-3 mehrfach ungesättigten Fettsäuren und eine ungesunde Ernährung.

Mediterrane Ernährung ist kardioprotektiv

Eine traditionelle mediterrane Ernährung, die durch einen hohen Anteil pflanzlicher Nahrung, also Gemüse, Früchte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Oliven, Vollkorn; nativem Olivenöl extra, einem moderaten Fischkonsum mit geringerem Anteil von rotem Fleisch und verarbeiteten Lebensmitteln charakterisiert ist, wird als protektiv gegenüber kardiovaskulären Erkrankungen beschrieben. Es ist bekannt, dass Patienten mit psychischen Erkrankungen eher eine ungesunde Ernährung aufweisen. In Metaanalysen von Observationsstudien konnte bereits gezeigt werden, dass eine gesunde und eine mediterrane Ernährung mit einem geringeren Depressionsrisiko assoziiert sind.

Zielsetzung

Die Wissenschaftler um Perletta  untersuchten in ihrer randomisiert kontrollierten Studie, ob eine mit Fischöl angereicherte mediterrane Diät die mentale Gesundheit und Lebensqualität bei erwachsenen Patienten mit Depressionen verbessern kann.

Methodik

In der vorliegenden Studie wurden zwischen 2014 und 2015 152 Erwachsene eingeschlossen, die an einer diagnostizierten oder selbstberichteten Depression in den vergangenen 2 Monaten oder länger litten. Patienten, die einen hohen Diät Qualitätsscore aufwiesen oder bereits Fischöl-Supplemente einnahmen wurden von der Studie ausgeschlossen.

Ernährungsberatung, Fischölkapseln und Kochkurs als Unterstützung

Erhielten die Patienten bereits eine Behandlung ihrer Depressionen, sollte diese fortgeführt werden. Jedoch sollte keine neue Therapie der Depression während der 6 Monate dauernden Studie initiiert werden. Die Studienteilnehmer wurden auf die Gruppen: Behandlungs- versus Kontrollgruppe randomisiert. In der Behandlungsgruppe erhielten die Patienten am ersten Termin eine interaktive Ernährungsberatung und nahmen danach 3 Monate lang je vierzehntägig an einem Kochkurs für mediterrane Kost in der Universität teil und erhielten danach einen Lebensmittelkorb sowie Fischöl Ergänzungspräparate für 6 Monate. Die Fischölkapseln (enthalten je 450 mg Docosahexaensäure (DHA) und 100mg  Eicosapentaensäure (EPA) als Omega 3- Fettsäuren) wurden 2 mal täglich eingenommen.

Die Ernährungsprinzipien, die den Studienteilnehmern vermittelt wurden, sind zuvor im Rahmen einer Pilotstudie mit Patienten, die an schweren mentalen Erkrankungen litten und durch diese Ernährung eine Verbesserung ihrer kardiometabolischen Marker erzielen konnten, erprobt worden. Die Patienten erhielten zudem ein Kochbuch sowie Links zu Rezepten und Kochvideos.

Die Kontrollgruppe besuchte vierzehntägig Gruppentreffen für 3 Monate. Dort wurden Knabbereien wie beispielsweise Kekse, Käse, Dips, Tee/Kaffee, Wasser und Saft angeboten. Während der Treffen wurden soziale Aktivitäten wie Spiele spielen, Fotos ansehen und Persönlichkeitsfragebögen ausfüllen durchgeführt. Therapeutische Diskussionen über depressive Symptome während den Treffen sollten nicht stattfinden. Durch die Treffen der Kontrollgruppe sollte die soziale Interaktionskomponente der Kochkurse in der Behandlungsgruppe kontrolliert werden.

Evaluierung der mentalen Gesundheit, Lebensqualität und Ernährung mittels Fragebögen

Bei den Patienten wurden via Fragebögen die mentale Gesundheit, Lebensqualität und Ernährung evaluiert. Hierfür wurden als primäre Studienendpunkte die Ergebnisse der Depression Anxiety Stress Scale (DASS-21) und des Assessment of Quality of Life (AQoL)-8D festgelegt. Sekundäre Studienendpunkte waren die Ergebnisse der Positive and Negative Affect Scale (PANAS), des Mediterranen diet questionnaire und des Simple Dietary Questionnaire (SDQ). Zudem wurden soziodemographische Daten wie beispielsweise das Geschlecht, Bildungsstatus und der sozioökonomische Status erfasst. Zusätzlich wurden Blutuntersuchungen durchgeführt. Hierbei wurde die Höhe der Omega-3 mehrfach ungesättigten Fettsäuren in den Erythrozyten bestimmt.
Die Messungen erfolgten beim Studienbeginn, nach 3 und nach 6 Monaten.

Ergebnisse

In der Studie wurden 152 erwachsene Patienten (105 Frauen, 47 Männer; mittleres Alter 44±13 Jahre) zwischen 18 und 65 Jahren untersucht. 95 (63%) von ihnen wurden nach 3 Monaten und 85 (56%) von ihnen nach 6 Monaten erneut untersucht.

Bei der Nachuntersuchung nach 3 Monaten zeigte sich, dass die Behandlungsgruppe einen signifikant höheren MedDiet score aufwies (t=3,95; p<0,01) im Vergleich zur Kontrollgruppe. Damit einher ging ein signifikant höherer Verzehr von Gemüse (t=3,95; p<0,01), Früchten (t=2,10; p=0,04), Nüssen (t=2,29; p=0,02), Hülsenfrüchten (t=2,41; p=0,02) und Vollkorn (t=2,63; p=0,01). Zudem nahm diese Gruppe weniger ungesunde Snacks (t=-2,10; p=0,04) und rotes Fleisch/Hühnchen (t=-2,13; p=0,04) zu sich.

Bessere mentale Gesundheit in beiden Gruppen

Sowohl die Behandlungs-, als auch die Kontrollgruppe wiesen eine signifikant verbesserte mentale Gesundheit auf (DASS, PANAS und AQoL-8D). Die Behandlungsgruppe zeigte eine höhere Reduktion der Depression (t=-2,24; p=0,03) und wies eine erhöhte mentale Gesundheit im AQoL-8D Score nach 3 Monaten auf. Die Depressionswerte verbesserten sich um 45% in der Behandlungsgruppe im Vergleich zu 26,8% der Kontrollgruppe. Die verminderten Depressionswerte waren mit einem erhöhten MedDiet Score (r=-0,298; p=0,01), mehr Nüssen (r=-0,264; p=0,01) und einer größeren Gemüsevielfalt (r=-0,303; p=0,01) korreliert.

Die erhöhten MedDiätScores waren zudem signifikant u.a. mit einer geringeren Depressivität, Angst und einer erhöhten Lebensqualität vergesellschaftet. Ein erhöhter Gemüse- und Früchtekonsum war u.a. mit weniger Stress und mehr positiven Emotionen assoziiert. Auch für den erhöhten Nuss und Hülsenfrüchteverbrauch konnten u.a. Assoziationen mit verminderter Angst, Stress, negativen Emotionen sowie reduzierter Depressivität gezeigt werden.

Die verbesserte Ernährung und mentale Gesundheit konnte auch nach 6 Monaten aufrechterhalten werden. Korrelationen zeigten sich auch zwischen einem erhöhten Omega-3, verminderten Omega-6 und einer verbesserten mentalen Gesundheit.

Fazit

Die Wissenschaftler schlussfolgerten aus ihren Ergebnissen, dass eine gesündere Ernährung gemeinsam mit einer Fischöl-Supplementierung die mentale Gesundheit verbessern kann. Ferner trägt vermutlich auch die soziale Komponente der regelmäßigen Treffen mit zu der verbesserten mentalen Gesundheit bei.

Autor: Dr. med. Philipp Dworschak

Stand: 25.09.2019

Quelle:
  1. Perletta et al (2019): A Mediterranean-style dietary intervention supplemented with fish oil improves diet quality and mental health in people with depression: A randomized controlled trial (HELFIMED) Nutritional Neuroscience, 22:7, 474-487, DOI:10.1080/1028415X.2017.1411320
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