Schädigung der Neurone durch Proteinansammlung bei MS

Bei der Multiplen Sklerose wurden toxische Proteinansammlungen in neuronalen Zellkörpern gefunden. Forschern gelang es mit einer Substanz diese toxischen Proteinaggregate zu beseitigen.

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Hintergrund

Die Multiple Sklerose ist eine Erkrankung, die durch Entzündungen gekennzeichnet ist, die zu neuroaxonalen Schäden führen. Das Wissen über die Neuronen-intrinsische Antwort auf die Entzündung ist derzeit nur begrenzt vorhanden. „Wie genau die Nervenzellen auf eine Entzündung reagieren, war bisher schwierig zu untersuchen“, erläutert Professor Dr. Manuel Friese, Direktor des Instituts für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) [1].

Zielsetzung

In der vorliegenden Studie wurde die neuronale Antwort auf die Entzündung bei der Multiplen Sklerose untersucht [2].

Methodik

Die Arbeitsgruppe benutzte die Methode des Profiling der neuronenspezifischen messenger-RNA als zellspezifische Genexpressionsanalyse. Durch diese relativ neue molekularbiologische Methode sind Einblicke in das Reaktionsmuster von Nervenzellen möglich, wenn diese entzündlichem Stress ausgesetzt sind.

Ergebnisse

Die vorliegende Studie konnte zeigen, dass die Neuroinflammation zu einer Induktion und toxischen Akkumulation des synaptischen Proteins Bassoon in den neuronalen Zellkörpern von Mäusen und MS-Patienten führte.

Eine neuronale Überexpression von Bassoon bei Fliegen führte zu einer Lebensverkürzung, während die genetische Unterbrechung des Bassoon Mäuse vor Entzündungs-induzierten neuroaxonalen Schäden bewahrte. Die pharmakologische Aktivierung von Proteasomen führte zu einer verbesserten Beseitigung des akkumulierten Bassoon-Proteins und verbesserte gleichzeitig das neuronale Überleben.

Fazit

Die Autoren der Studie schlussfolgerten, dass die Neuroinflammation bei der Multiplen Sklerose zu toxischen Proteinakkumulationen in neuronalen Zellkörpern führt. „Ähnliche toxische Proteinanhäufungen waren bereits in neurogenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson bekannt“, teilte Dr. Benjamin Schattling, Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose mit. „Unser Ziel war es, die toxischen Proteinaggregate zu beseitigen“,  erklärte Friese. Dies gelang den Wissenschaftlern mit einer Substanz, die die Entsorgung der Proteine verbessert und die Nervenzellen so vor ihrem Untergang bewahrt. Die Wissenschaftler erhoffen sich so neue Behandlungsmethoden in der Therapie der Multiplen Sklerose entwickeln zu können.

Autor: Dr. Philipp Dworschak (Arzt)

Stand: 02.05.2019

Quelle:
  1. Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf  (UKE), Pressemitteilung, 23. April 2019
     
  2. Schattling et al. (2019): Bassoon proteinopathy drives neurodegeneration in multiple sclerosis. Nature Neuroscience.  DOI: https://doi.org/10.1038/s41593-019-0385-4
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