Morbus Parkinson: Keine erhöhten Risiken durch frühzeitige Levodopa-Therapie

Kürzlich im New England Journal of Medicine publizierte Ergebnisse der LEAP-Studie zeigen, dass die Einnahme von Levodopa im Frühstadium der Parkinson’schen Krankheit keine negativen Effekte auf den Krankheitsverlauf hat.

Parkinson

Hintergrund

Levodopa (L-Dopa) wird seit vielen Jahren eingesetzt, um die Symptome von Morbus Parkinson zu behandeln. Der optimale Zeitpunkt für den Start einer Therapie ist jedoch nach wie vor unbekannt und wird von Fachleuten kontrovers diskutiert. Insbesondere mit Levodopa assoziierte motorische Störungen (Dyskinesien und motorische Fluktuationen) sind der Grund dafür, dass die Therapie mit Levodopa oftmals hinausgezögert wird.

Eine frühere Studie (ELLDOPA), die vor ca. 14 Jahren veröffentlicht wurde, wies darauf hin, dass Levodopa auch krankheitsmodulierende Eigenschaften haben könnte. Um diese Möglichkeit zu testen, wurde eine 2-Phasen-Studie mit verzögertem Start (delayed-start trial) durchgeführt. Bei diesem Studiendesign deuten Unterschiede zwischen den Gruppen in der ersten Phase, in der die aktive Substanz (Levodopa) gegen Placebo getestet wird, entweder auf symptomatische oder krankheitsmodifizierende Effekte oder auch beides hin. Anhaltende Differenzen zwischen den Gruppen während der zweiten Phase jedoch, bei der alle Studienteilnehmer die aktive Substanz erhalten, weisen auf krankheitsmodifizierende Eigenschaften der Substanz hin.  

Zielsetzung

Das Ziel der LEAP (Levodopa in Early Parkinson’s Disease) -Studie war es, festzustellen, ob die Anwendung von Levodopa bei Patienten mit Morbus Parkinson im Frühstadium nicht nur symptomlindernde, sondern auch vorteilhafte krankheitsmodifizierende Effekte hat [1]. Die Ergebnisse können einen Hinweis auf den optimalen Zeitpunkt für den Start einer Levodopa-Therapie geben.

Methodik    

Im Rahmen der multizentrischen, placebokontrollierten, Doppelblind-Studie wurden in den Niederlanden 445 Parkinson-Patienten, deren Krankheitszustand nicht unbedingt behandlungsbedürftig war, in zwei Gruppen randomisiert. Die Frühstartergruppe erhielt 80 Wochen lang dreimal täglich 100 mg Levodopa in einer Kombination mit 25 mg Carbidopa. Die Patienten mit verzögertem Therapiebeginn (delayed-starter group) erhielten zunächst 40 Wochen lang Placebo und anschließend für weitere 40 Wochen ebenfalls Levodopa/Carbidopa (100 mg/25 mg).

Primärer Endpunkt war die Differenz zwischen beiden Gruppen in der vom Ausgangswert bis zur 80. Woche veränderten Gesamtpunktzahl der „Unified Parkinson Disease Rating Scale“ (UPDRS). Der UPDRS beinhaltet neben der mentalen Leistungsfähigkeit auch Aktivitäten des täglichen Lebens sowie die motorische Funktionsfähigkeit. Sekundäre Endpunkte waren die Progressionsraten (gemessen am UPDRS-Score) zwischen den Wochen 4 und 40 und zwischen den Wochen 44 und 80. Darüber hinaus wurden weitere sekundäre Endpunkte festgelegt, wie z. B. der Grad der Behinderung, kognitive Beeinträchtigungen, Depressionen und die Lebensqualität auf Grundlage des Parkinson-Frageboden-39. Die Anzahl der Patienten mit Levodopa-vermittelten Nebenwirkungen wie Dyskinesien und motorischen Fluktuationen wurde ebenfalls bestimmt.

Ergebnisse

Ein signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen wurde nicht gefunden. In einer die Studie zusammenfassenden Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie wird festgestellt: „Im Ergebnis zeigte sich nach fast zwei Jahren zwischen beiden Gruppen kein signifikanter Unterschied im Krankheitsschweregrad (UPDRS, motorische Funktionen, geistige Leistungsfähigkeit, Alltagsaktivität). Es traten keine vermehrten Dyskinesien oder motorischen Einschränkungen auf.“ Und „Die Frühstartergruppe war leicht im Vorteil, was die Wirkung von Levodopa auf die Symptome der Krankheit betrifft“. Parkinson-Experte und Co-Autor der Studie Professor Günther Deuschl wird darüber hinaus mit den Worten zitiert, dass „die frühzeitige Therapie mit Levodopa in der LEAP-Studie nicht mit zusätzlichen Risiken behaftet war“ [2].

Fazit

Die Ergebnisse der LEAP-Studie deuten nicht auf krankheitsmodifizierende Eigenschaften von Levodopa hin. Die Frühstartergruppe hatte keinen besonderen Nutzen, jedoch führte die längere Expositionsdauer auch nicht zu nachteiligen Effekten für die Patienten.

Somit bestätigen die Ergebnisse der LEAP-Studie im Großen und Ganzen die bisher übliche Vorgehensweise. Eine frühzeitig beginnende Therapie mit Levodopa kann das Fortschreiten der Krankheit nicht verhindern. Andererseits gibt es auch keinen Grund die Therapie zurückzuhalten, wenn eine Behandlung indiziert ist. Vielmehr sollte sich eine Behandlung an der klinischen Notwendigkeit orientieren. Falls erforderlich sollte Levodopa für den gewünschten klinischen Effekt in einer möglichst niedrigen Dosis eingesetzt werden [3].

Autor: Dr. Daniela Leopoldt (Pharmazeutin)

Stand: 06.02.2019

Quelle:
  1. Verschuur et al. (2019): Randomized delayed-start trial of levodopa in Parkinson’s disease. New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa1809983
     
  2. Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Pressemeldung, 24. Januar 2019
     
  3. Bressmann and Saunders-Pullman (2019): When to start Levodopa Therapy for Parkinson’s disease, Editorial. New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMe1814611
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • Auf Google+ teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige