Klinische Praxis der Prävention bei akutem ischämischem Schlaganfall und Vorhofflimmern

Eine Studie untersuchte die klinische Praxis bei der Durchführung der Schlaganfallprävention bei Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall und Vorhofflimmern in deutschen Schlaganfallzentren.

Insult Gehirn

Hintergrund

15-20% der Patienten, die einen akuten ischämischen Apoplex erleiden, weisen gleichzeitig ein Vorhofflimmern auf.

Man weiß, dass durch die Einnahme einer oralen Antikoagulation das Vorhofflimmern-assoziierte Apoplex-Risiko gesenkt werden kann. Auch nach dem Auftreten eines Schlaganfalls wird der Einsatz von Gerinnungshemmern empfohlen. Ihr Nutzen und ihre Sicherheit in Bezug auf die akute Schlaganfallbehandlung sind hingegen derzeit nicht ausreichend belegt.

Zielsetzung

Das Ziel der vorliegenden Studie war es daher, die klinische Praxis des Einsatzes von oralen Antikoagulantien in Bezug auf die Apoplex-Prävention zu untersuchen [1].

Methodik

Für die vorliegende Studie wurde im April 2017 ein anonymisierter standardisierter Fragebogen an alle 298 zertifizierten Schlaganfallzentren in Deutschland versendet. Die Validierung des Fragebogens erfolgte durch die Autoren der Studie. Die Einhaltung der formalen Fragebogenkriterien wurde durch das Institut für klinische Epidemiologie und Biometrie in Würzburg sichergestellt.

Eine Limitierung der Studienqualität ist entsprechend der Autoren, dass die Antworten der Schlaganfallzentren auf Schätzungen und nicht auf individuellen Patientendaten beruhen.

Ergebnisse

Insgesamt nahmen 154 der insgesamt 298 zertifizierten deutschen Schlaganfallzentren an der Studie teil (Rücklaufquote der Fragebögen: 52%).

Die Durchführung einer medikamentösen Antikoagulation in der akuten Phase des Schlaganfalls wird bei mehr als 90% der Vorhofflimmern-Patienten mit ischämischem Apoplex von den Ärzten als praktikabel angesehen. Die Ärzte der Schlaganfallzentren schätzten weiterhin, dass 67% (Range: 20-100%) der Patienten mit Vorhofflimmern unter oraler Antikoagulationstherapie aus ihrem Zentrum entlassen werden. 27% der Patienten (Range 0-80%) werden hingegen mit der Empfehlung zur Durchführung einer oralen Antikoagulation zu einem späteren Zeitpunkt entlassen und bei ca. 7% (Range 0-30%) wird die Durchführung einer oralen Antikoagulation als nicht möglich angesehen.

Je nach Präferenz der Klinik erhält die Mehrheit der Patienten, bei denen ein verzögerter  Einsatz der oralen Antikoagulation (aufgrund der Befürchtung von Blutungen) notwendig erscheint, Acetylsalicylsäure (ASS). Meist wird als Dosierung 1x täglich 100mg ASS gewählt und das Medikament vor Initiierung eines oralen Antikoagulanz abgesetzt.

Nicht-Vitamin-K-abhängige Antikoagulantien werden häufiger als orale Antikoagulantien verschrieben. Vitamin-K-abhängige Antikoagulantien werden häufiger gewählt für Patienten, die bereits Vitamin-K-abhängige Antikoagulantien in der Vergangenheit erhalten haben. Nur bei einer Minderheit der Patienten diskutiert die Stroke Unit mit dem behandelnden Hausarzt die Verschreibung eines spezifischen oralen Antikoagulanz.

Die Adhärenz betreffend der regelmäßigen Einnahme der Antikoagulantien als Schlaganfallprävention wird nach der Entlassung aus dem Krankenhaus von den Schlaganfallzentren nicht regelmäßig kontrolliert.

Fazit

Die vorliegende Studie zeigt, dass eine frühzeitige sekundäre Schlaganfallprävention der Patienten mit Vorhofflimmern in deutschen Schlaganfallzentren durch die Einnahme von oralen Antikoagulantien durchgeführt wird. Die klinische Praxis zeigt auch, dass die Verschreibung der Medikamente zwischen den Zentren variiert. Dies ist gemäß den Autoren der Studie auch dem Fehlen von randomisiert kontrollierten Studien und damit auch den fehlenden Empfehlungen von nationalen und internationalen Leitlinien geschuldet.

Autor: Dr. Ute Walliczek-Dworschak (Ärztin)

Stand: 20.02.2019

Quelle:
  1. Wutzler et al. (2019): Stroke prevention in patients with acute ischemic stroke and atrial fibrillation in Germany - a cross sectional survey. BMC Neurology, DOI: https://doi.org/10.1186/s12883-019-1249-y
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