Schlaganfalltherapie auf dem Land: Unterstützung durch Telemedizin?

Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute, damit bleibende Schäden im Gehirn vermieden werden. Die Telemedizin könnte hierbei eine Unterstützung auf dem Land bieten, wo es keine flächendeckende Versorgung mit Stroke Units gibt.

Laptop Stethoskop

Patienten mit einem Schlaganfall erhalten in Stroke Units, spezialisierten Schlaganfall-Stationen, die bestmögliche Akuttherapie. Städte und Ballungsgebiete sind gut mit diesen Einrichtungen ausgestattet. Anders sieht es auf dem Land aus. Hier gibt es keine flächendeckende Versorgung mit Stroke Units und auch neurologische Fachärzte fehlen oft.

Telemedizin als Chance?

Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) weist darauf hin, dass die Telemedizin hier eine Unterstützung bieten kann. So gleichen beispielsweise in Bayern, Rheinland-Pfalz und weiteren Bundesländern telemedizinische Netzwerke den Mangel aus.

Aufbau telemedizinischer Netzwerke

Die telemedizinischen Netzwerke entstehen durch den Zusammenschluss einer Stroke Unit mit Kliniken im ländlichen Raum. Definierte Standards zur Therapie werden festgelegt. Kommt ein Patient mit Verdacht auf Schlaganfall in eine ländliche Klinik, die dem Netzwerk angeschlossen ist, nimmt die Klinik Kontakt mit dem telemedizinischen Konsiliardienst auf. Dieser ist rund um die Uhr erreichbar.

Der Patient wird den Spezialisten per Konferenzschaltung vorgestellt. Weiterhin können auch radiologische und weitere Befunde von den Experten eingesehen werden. Ist die Diagnose Schlaganfall gestellt, spricht der Spezialist eine Therapieempfehlung aus. Die Therapie kann bei einem Großteil der Fälle im ländlichen Krankenhaus erfolgen, ein Teil der Betroffenen muss in eine Spezialklinik verlegt werden.

Sicherung qualitativ hochwertiger Versorgung

Um eine qualitativ hochwertige Versorgung unter diesen Umständen sicherzustellen, müssen beispielsweise gemeinsame Fortbildungen von Ärzten und Pflegkräften in den Zentren und ländlichen Kliniken stattfinden. „Für eine erfolgreiche Umsetzung der Telemedizin müssen klare Vereinbarungen zwischen den Kliniken getroffen und eingehalten werden, die technischen und personellen Voraussetzung müssen stimmen“, erklärt Professor Grau, Direktor der Neurologischen Klinik mit Klinischer Neurophysiologie und Stroke Unit am Klinikum Ludwigshafen.

Telemedizin als Übergangslösung

Aktuell profitieren Patienten im ländlichen Raum von der telemedizinischen Versorgung, so die DSG. Professor Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der DSG, sieht jedoch auch die Grenzen: „Die DSG setzt sich weiter dafür ein, die medizinische Infrastruktur mit spezialisierten Einrichtungen auf dem Land zu verbessern. Die momentane Situation darf nur eine Übergangsphase sein, bis wir unser Ziel – eine flächendeckende Versorgung mit zertifizierten Stroke Units – erreicht haben.“ Die persönliche Betreuung der Patienten habe weiterhin höchste Priorität, so Schäbitz abschließend.

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 10.04.2019

Quelle:

Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), Pressemeldung, April 2019

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