Frau mit Obsttüte

In Deutschland erleiden pro Jahr etwa 200.000 Personen erstmalig und rund 70.000 Patienten wiederholt einen Schlaganfall. Aktuelle Studiendaten eines deutsch-britischen Forscherteams zeigen, dass ein gesunder Lebensstil das Risiko eines Schlaganfalls senken kann – und zwar unabhängig vom genetischen Risikoprofil [1].

Aufbau der Studie

Die Untersuchungen basieren auf Daten der MEGASTROKE-Analyse. In dieser Analyse wurden durch genomweite Assoziationsstudien genetische Risikofaktoren für einen Schlaganfall bei 520.000 weißen Europäern aufgespürt. Insgesamt wurden dabei 90 mit Schlaganfall assoziierte Genvarianten identifiziert.

Auf Basis dieser Daten entwickelte ein Forscherteam um Dr. Loes Rutten-Jacobs, Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn, einen Risiko-Score. Diesen Risiko-Score wendeten die Forscher auf die britische prospektive Biobank-Kohortenstudie an, welche Genprofile und detaillierte Informationen zu Ernährung und Lebensstil von 500.000 Personen enthält.

Methodik

In der Biobank registrierte Personen, die bislang weder einen Schlaganfall noch einen Herzinfarkt erlitten hatten, wurden in drei Gruppen eingeteilt:

  • Hohes genetisches Schlaganfallrisiko
  • Mittleres genetisches Schlaganfallrisiko
  • Niedriges genetisches Schlaganfallrisiko.

Außerdem wurden die Personen nach den Richtlinien der American Heart Association (AHA) je nach Lebensstil in drei Kategorien eingeteilt: Personen mit gesundem, mäßig gesundem und ungesundem Lebensstil. Laut den Kriterien der AHA lebt gesund, wer nicht raucht, einen BMI unter 30 hat, sich gesund ernährt (viel Obst, Gemüse, Fisch), und in der Woche mindestens drei Stunden moderaten oder eineinhalb Stunden intensiven Sport betreibt.

Ergebnisse

Von 306.473 Teilnehmern erlitten 2077 Teilnehmer innerhalb von sieben Jahren einen ersten Schlaganfall. Bei Menschen mit einem hohen genetischen Risiko war das Schlaganfallrisiko um 35% höher als bei Personen mit einem geringen genetischen Risiko. Dieser Effekt war unabhängig vom Lebensstil zu beobachten. Personen mit einem moderaten genetischen Risiko zeigten eine um 20% erhöhte Rate.

Die Assoziation mit dem Lebensstil war ausgeprägter. Personen mit einem ungesunden Lebensstil erlitten 66% häufiger einen Schlaganfall als Personen mit einem gesunden Lebensstil – und zwar unabhängig vom genetischen Risikoprofil. Bei Personen, die als mäßig gesund lebend eingestuft wurden, war die Schlaganfallrate um 27% erhöht.

Fazit

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich ein ungünstiges genetisches Risikoprofil und ein ungesunder Lebensstil addieren. Personen mit einem hohen genetischen Risiko, die zusätzlich einen ungesunden Lebensstil aufwiesen, hatten eine etwa 130% höhere Schlaganfallrate im Vergleich zu Personen mit einem geringen genetischen Risiko und einem gesunden Lebenswandel.

Rauchen und Übergewicht als größte Risikofaktoren

Die Faktoren, die das lebensstilbedingte Schlaganfallrisiko am stärksten beeinflussten, waren Rauchen und ein erhöhtes Körpergewicht. Sowohl das genetische Risikoprofil als auch der Lebensstil wirkten sich bei Männern stärker aus als bei Frauen.

Gesunder Lebensstil lohnend

„Die Ergebnisse belegen, dass sich ein gesunder Lebensstil zur Schlaganfallprävention lohnt – unabhängig vom genetischen Risikoprofil. Männer sollten besonders auf eine gesunde Lebensweise achten", sagt Professor Dr. Martin Dichgans, dessen Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) am Klinikum der Universität München an der Studie beteiligt war [2].

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 12.12.2018

Quelle:
  1. Rutten-Jacobs et al. (2018): Genetic risk, incident stroke, and the benefits of adhering to a healthy lifestyle: cohort study of 306 473 UK Biobank participants. BMJ, DOI: https://doi.org/10.1136/bmj.k4168
     
  2. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Pressemeldung, 11. Dezember 2018