WHO-Empfehlungen zur Demenzprävention

Regelmäßige körperliche Bewegung, mediterrane Ernährung, Nikotinverzicht und ein geistig aktives Leben gehören zu wichtigsten Grundpfeilern, um das Risiko einer Demenz zu verringern. Diese und weitere Empfehlungen gibt die WHO in ihrer Leitlinie zur Demenzprävention.

Demenz

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat erstmalig eine Leitlinie mit evidenzbasierten Empfehlungen zur Demenzprävention (Risk Reduction of Cognitive Decline and Dementia) herausgegeben. Die Präventionsmaßnahmen umfassen vornehmlich individuelle Verhaltensweisen, eine sorgfältige Blutdruck- und Blutzuckereinstellung sowie die Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen. Bislang sind Demenzen nur schwer behandelbar, eine Aussicht auf Heilung gibt es nicht. Zudem nimmt die Zahl der Betroffenen weltweit zu. Bis zum Jahr 2050 rechnet die WHO mit einem globalen Anstieg von derzeit rund 50 Millionen auf 150 Millionen Demenz-Patienten. In der Europäischen Region der WHO leben bereits heute schätzungsweise 10 Millionen Menschen mit demenzieller Symptomatik.

20 Präventionsstrategien der WHO

Die Leitlinie Risk Reduction of Cognitive Decline and Dementia setzt primär auf bereits bekannte kardiovaskuläre und metabolische Risikofaktoren. Dazu gehören vor allem Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Alkoholkonsum, Nikotinabusus, Übergewicht bzw. Adipositas, Diabetes mellitus und Hypertonie. Diese Faktoren wirken sich Beobachtungsstudien zufolge auch auf die Entwicklung einer Demenz aus. Insgesamt empfiehlt die WHO 20 Instrumente, um das persönliche Demenzrisiko zu senken.
Diese wurden mit den Qualitäten stark und eingeschränkt empfohlen bewertet. Starke Empfehlungen haben demnach ein eindeutig positives Nutzen-Risiko-Verhältnis und sollten von alternden Menschen grundsätzlich beachtet werden. Bei bestehender Demenzsymptomatik sinkt jedoch der Wert etlicher Präventionsstrategien.

Körperliche Bewegung

Körperliche Bewegung ist für alle kognitiv gesunden Erwachsenen gleichermaßen stark geeignet, um das Risiko einer Demenz zu reduzieren. Umfassenden Kohortenstudien zufolge sinkt die Rate an Demenzerkrankungen mit der Zunahme körperlicher Aktivität. Je mehr sich Probanden in ihrem Leben bewegt haben, umso niedriger war das Demenzrisiko. Daraus folgern die Experten, dass sich körperliche Aktivität direkt auf die Hirnstrukturen und indirekt auf die kardiometabolische Situation auswirkt und so die Gefahr von kognitiven Defiziten im Alter senkt. Für geeignet hält die WHO-Guideline aerobes Ausdauertraining, Krafttraining oder ein Multikomponententraining. Menschen über 65 Jahre sollten mindestens 150 Minuten pro Woche moderat bis intensiv oder 75 Minuten intensiv trainieren.

Raucherentwöhnung

Die Raucherentwöhnung wird ebenfalls als stark empfehlenswert eingestuft. Die WHO-Experten sind mehrheitlich überzeugt, dass die im Tabak enthaltenden Substanzen das Gehirn direkt schädigen. Zudem erhöht Rauchen als kardiovaskulärer Risikofaktor die Gefahr von Demenzen.

Blutdruckkontrolle

Genauso bekommt die sorgfältige Blutdruckeinstellung bei Hypertonikern eine starke Empfehlung. Studiendaten zeigen, dass sich eine Hypertonie vor allem im mittleren Lebensalter auf das spätere Demenzrisiko auswirkt. Menschen mit Bluthochdruck sollten sich gesund ernähren und viel bewegen. Ferner wird eine leitliniengerechte medikamentöse Versorgung gefordert.

Vitamin- und Fettsäuresupplementation

Von Vitamin- und Fettsäuresupplementen rät die Leitlinie bei gesunden Menschen ausdrücklich ab. Das gilt im Besonderen für die isolierte Einnahme von Vitamin B und E sowie mehrfach ungesättigten Fettsäuren (starke Empfehlung). Bisherige Studien ergeben keine positiven Effekte auf die kognitive Leistung oder das Demenzrisiko. Hohe Vitamin-E-Dosierungen werden sogar als gesundheitlich problematisch eingestuft.

Gesunde Ernährung

Eine gesunde Ernährung erhält von den WHO-Experten das Prädikat eingeschränkt empfehlenswert. Geeignete Kostformen sind die mediterrane Ernährung und eine ausgewogene Mischkost, basierend auf vorhandenen WHO-Leitlinien. Das heißt:

  • viel Obst, Gemüse, Nüsse und Vollkornprodukte
  • weniger Zucker, Salz und ungesättigte Fettsäuren

Alkohol, Gewicht und gesellschaftliche Aktivität

Alkoholreduktion, kognitives Training, soziale Aktivität und Gewichtsmanagement bekamen jeweils eine eingeschränkte Empfehlung.

  • Eine Verhaltens- oder Psychotherapie wird auch bei alkoholabhängigen Menschen und Personen mit riskantem Alkoholkonsum hinsichtlich einer Demenz als sinnvoll bewertet.
  • Übergewichtige und adipöse Patienten sollten Strategien zum Abnehmen erhalten.
  • Zur Vermeidung einer sozialen Isolation sind möglicherweise Maßnahmen zur kognitiven Stimulierung hilfreich. Die Evidenz solcher Interventionen wird von den Experten bezüglich des Demenzrisikos jedoch nur als schwach bis moderat bewertet.

Diabetes, Dyslipidämie, Depression und Hörverlust

Die Behandlung von Diabetes, Dyslipidämie und Depression sowie der Ausgleich eines Hörverlusts könnten als Nebeneffekt mit einem verminderten Demenzrisiko einhergehen. Die WHO empfiehlt in diesem Zusammenhang, bestehende Therapieleitlinien bestmöglich einzuhalten.

Fazit: Präventionsmanagement entscheidend

Erste Hinweise kognitiver Defizite werden oft nicht ernst genommen. Infolge verzögern sich Diagnose und Therapiebeginn. „Da es weiterhin keine Heilung für Demenz gibt, sind eine frühzeitige Entdeckung, Behandlung, Versorgung und Unterstützung entscheidend hinsichtlich wirksamer Gegenmaßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens“, erklärt Bente Mikkelsen, Direktorin der Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf beim WHO-Regionalbüro für Europa. Des Weiteren betont sie die Bedeutsamkeit eines umfassenden Präventionsmanagements: „Auch Strategien zur Verringerung des Erkrankungsrisikos, wie eine gesunde Lebensweise durch regelmäßige körperliche Betätigung und der Verzicht auf das Rauchen, sind wichtige Elemente.“

Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt)

Stand: 02.10.2019

Quelle:
  1. World Health Organization. WHO-Guidelines: Risk Reduction of Cognitive Decline and Dementia. https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/312180/9789241550543-eng.pdf?ua=1.
     
  2. Weltgesundheitsorganisation Regionalbüro für Europa. Gesundheitsthemen: Neue WHO-Leitlinien fördern eine gesunde Lebensweise zur Verringerung des Risikos einer Demenzerkrankung. 14. Mai 2019. http://www.euro.who.int/de/health-topics/noncommunicable-diseases/mental-health/news/news/2019/5/new-who-guidelines-promote-healthy-lifestyle-to-reduce-risk-of-dementia.
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