Brustkrebstherapie: Risiko an Herzerkrankung zu versterben nicht erhöht

Viele Brustkrebstherapien besitzen kardiotoxische Nebenwirkungen. Aktuelle Studienergebnisse zeigen jedoch, dass die Gefahr für Brustkrebspatientinnen nach Chemo- oder Strahlentherapie an einer Herzerkrankung zu versterben gegenüber der durchschnittlichen Bevölkerung nicht erhöht ist.

Herzfrequenz

Jährlich sind in Deutschland ca. 70.000 neue Brustkrebs-Erkrankungen zu verzeichnen. Durch eine optimierte Früherkennung sowie verbesserte Therapieverfahren konnte das Risiko an Brustkrebs zu versterben deutlich gesenkt werden.

„Allerdings deuten einige klinische Studien darauf hin, dass sowohl Chemotherapie als auch Strahlentherapie mit dem Risiko einhergehen, in Folge der Behandlung eine Herzerkrankung zu erleiden“, sagt Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum in einer Pressemeldung [1].

Analyse der Risiken nebenwirkungsbedingter Herzerkrankungen in großer Kohorte

Über die tatsächlichen Risiken der nebenwirkungsbedingten Herzerkrankungen war bisher wenig bekannt. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums analysierten nun in einer Studie [2] die Daten von fast 350.000 Patientinnen aus dem US-amerikanischen Krebsregister. Die Frauen waren in den Jahren 2000 bis 2011 an Brustkrebs erkrankt. Der Nachbeobachtungszeitraum reichte bis 2014.

In dieser bislang größten Studie ihrer Art wurden Todesursachen und prognostische Faktoren bei Patientinnen mit Mammakarzinom untersucht und in Relation zur Gesamtbevölkerung gesetzt. Die Patientinnen hatten entweder eine Strahlen- oder eine Chemotherapie erhalten.

Herzspezifische Mortalität nicht gesteigert

Zur Beurteilung der herzspezifischen Mortalität, im Vergleich zur Gesamtbevölkerung, wurde das standardisierte Mortalitätsverhältnis (SMR) berechnet. Hier zeigten die Ergebnisse, dass die herzspezifische Mortalität nach Überleben eines Mammakarzinoms im Vergleich zur durchschnittlichen weiblichen Bevölkerung nicht gesteigert ist. Weiterhin wiesen HER2 (Human Epidermal Growth Factor Receptor 2)-positive Patientinnen kein erhöhte herzspezifische Mortalität im Vergleich zu HER2-negativen Patientinnen auf.

„Wir waren von diesem Ergebnis zunächst selbst überrascht“, sagt Janick Weberpals, Erstautor der Studie. „Doch wir gehen davon aus, dass unsere Untersuchung ein realistischeres Bild von der tatsächlichen Situation der Behandlung zeichnet, als es bei klinischen Studien der Fall ist.“

Gutes Risikomanagement in kardioonkologischen Einheiten

Die Studienergebnisse lassen sich vermutlich durch ein gutes Risikomanagement in den Kliniken, beispielsweise durch spezielle kardioonkologische Einheiten, begründen. Hier wird das individuelle Risiko der Patientin, aufgrund der Therapie eine Herzerkrankung zu erleiden, schon bei der Auswahl der Therapie berücksichtigt. Durch engmaschige Kontrollen im Behandlungsverlauf lassen sich Anzeichen einer Kardiotoxizität frühzeitig erkennen und behandeln. Eine Anpassung der onkologischen Therapie kann erfolgen.

Entwarnung für Patientinnen

„Das Ergebnis unserer Studie werten wir als sehr positiv für die Behandlung von Brustkrebs“, fasst Brenner zusammen. Es zeige, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis für die meisten Patientinnen stimmt. „Insbesondere ist es aber eine sehr gute Nachricht für die große Zahl der betroffenen Patientinnen, dass sie sich bei einer guten medizinischen Betreuung und nach überstandener Brustkrebserkrankung nicht mehr Sorgen bezüglich tödlicher Herzerkrankungen machen müssen, als Frauen gleichen Alters ohne Brustkrebs.“

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 11.04.2018

Quelle:
  1. Deutsches Krebsforschungszentrum, Pressemitteilung
     
  2. Weberpals et al. (2018): Long-term heart-specific mortality among 347 476 breast cancer patients treated with radiotherapy or chemotherapy: a registry-based cohort study. European Heart Journal, DOI:10.1093/eurheartj/ehy167
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