Trotz Alarmzeichen für Darmkrebs meiden viele den Gang zum Arzt

Dänische Forscher sind in einer populationsbasierten Studie den Gründen nachgegangen, warum Menschen, die akute Darmkrebssymptome haben, trotzdem keinen Arzt aufsuchen.

Darmkrebsvorsorge

Hintergrund

Erfahrungsgemäß suchen Patienten mit Alarmsymptomen für Darmkrebs ihren Hausarzt oft nicht auf. Das jedoch wäre die Voraussetzung dafür, dass Allgemeinmediziner Patienten mit Symptomen, die möglicherweise auf eine Krebserkrankung hinweisen, für weitere Untersuchungen überweisen können. Die Kenntnis der Hürden für die Hilfesuche ist bisher spärlich.

Zielsetzung

Das Ziel dieser Studie der Allgemeinärztin Dr. Dorte Jarb¢l aus Odense in Dänemark und ihres Forscherteams war es, Zusammenhänge zwischen dem Bemerken von kürzlich aufgetretenen Alarmsymptomen für Darmkrebs und vier verschiedenen möglichen Hürden für den Kontakt zum Hausarzt zu analysieren [1].

Methodik

Die Wissenschaftler erhoben in einer landesweiten webbasierten Kohortenstudie Angaben von 100.000 Personen im Alter von mindestens 20 Jahren, die nach dem Zufallsprinzip aus dem dänischen zivilen Registrierungssystem ausgewählt worden waren. Die Studie beinhaltete eine telefonische Befragung zum Vorliegen von vier vordefinierten, klinisch relevanten Alarmsymptomen für das kolorektale Karzinom: rektale Blutung, Schmerzen des Abdomens, Veränderung der Stuhlstruktur und der Stuhlfrequenz. Bei positiver Antwort wurden weitere Fragen gestellt, zur Dauer der Symptome und ob ein Hausarzt deswegen aufgesucht wurde oder warum nicht.

Als Gründe stellten die Wissenschaftler vier Antworten zur Auswahl, die mit ja oder nein beantwortet werden konnten: "Ich würde mich genieren", "Ich hätte Bedenken, die Zeit des Arztes zu vergeuden", "Ich hätte Angst vor dem, was der Arzt diagnostizieren würde" und "Ich war zu beschäftigt, um einen Arzttermin auszumachen". Darüber hinaus konnten die Teilnehmer unter der Rubrik "Andere" zusätzliche Gründe angeben, die nicht durch die Vorgaben abgedeckt waren.

Ergebnisse

Insgesamt füllten 37.455 Befragte über 40 Jahre (51,8%) den Fragebogen vollständig aus, darunter 17.700 Männer (47,3%). Insgesamt 437 Teilnehmer klagten über Rektalblutungen, 2.386 klagten über Abdominalschmerzen, 917 berichteten über auffällige Veränderungen der Stuhlzusammensetzung, sowie 931 Teilnehmer über Veränderungen der Stuhlfrequenz. Der Anteil der Personen, die keinen Kontakt zum Hausarzt suchten, lag bei 69,8% für rektale Blutungen und bei 79,8% für eine Veränderung der Stuhlfrequenz. Diese Personen gehörten jeweils vermehrt einer jüngeren Altersgruppe (40 bis 59 Jahre) an.

Am häufigster wurde als Hinderungsgründe von 23,8% der Patienten mit Rektalblutungen Besorgnis darüber angegeben, die Zeit des Arztes zu verschwenden, und zu beschäftigt zu sein, um Zeit für den Besuch des Arztes zu haben. 17,5% gaben als Grund die Angst vor einer Diagnose an. 35% der Teilnehmer nannten andere Gründe.

Der Anteil der Personen, die über Hinderungsgründe berichteten, war im Allgemeinen in der jüngsten Altersgruppe höher. Deutlich mehr Männer als Frauen gaben an, bei einer Rektalblutung Angst vor der Diagnose zu haben. Übereinstimmend mit früheren Befragungen gaben Männer mit Abdominalschmerzen an, keine Zeit für eine Terminabsprache zu haben.

Fazit

Die Wissenschaftler identifizierten bei Patienten mit Alarmzeichen für ein kolorektales Karzinom ein Spektrum an Gründen für das Nichtaufsuchen des Arztes. Hindernisse für den Arztgang scheinen deutlich häufiger bei Männern und bei jüngeren Personen zu existieren.

Die Datenerhebung wurde finanziell von der Novo Nordisk-Stiftung und der Dänischen Krebsgesellschaft unterstützt.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 12.09.2018

Quelle:
  1. Jarbøl et al. (2018): Barriers to contacting general practice with alarm symptoms of colorectal cancer: a population-based study. Family Practice, DOI: https://doi.org/10.1093/fampra/cmx117
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