Glioblastom: Kombination aus neun Wirkstoffen zeigt Erfolge

Unter der Therapie mit einer erstmalig eingesetzten Kombination von neun in anderen Indikationen zugelassenen Medikamenten, darunter Antibiotika und Wirkstoffe gegen HIV und Bluthochdruck, stoppte das Tumorwachstum bei der Hälfte der behandelten Studienteilnehmer.

Gehirntumor

Unzureichende Therapieoptionen beim Glioblastom

Glioblastome gehören zu den häufigsten im Erwachsenenalter auftretenden Tumoren des Gehirns. Sie wachsen meist innerhalb weniger Monate deutlich und sind äußerst aggressiv. Die üblichen Therapieoptionen, wie die chirurgische Entfernung des Tumors, Bestrahlung und Chemotherapie sind selten nachhaltig erfolgreich.

„Obwohl neurochirurgische Operationsmethoden und die begleitenden Therapien in den vergangenen Jahren stetig verbessert wurden, können wir mit der Prognose von Patienten mit Glioblastom nach wie vor nicht zufrieden sein“, erläutert Professor Marc-Eric Halatsch, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Ulm.

Ist ein einzelner Wirkstoff zu wenig?

Gemeinsam mit dem amerikanischen Psychiater Dr. Richard Kast suchte Halatsch nach Wirkstoffen, welche die Mechanismen stören, die für das Tumorwachstum verantwortlich sind. Bei ihrer Recherche prüften die Forscher vor allem auch in der Praxis bewährte, nebenwirkungsarme Wirkstoffe, die normalerweise zur Behandlung anderer Erkrankungen zur Anwendung kommen, zum Beispiel bei Pilzerkrankungen, HIV-Infektionen oder Bluthochdruck.

Letztlich konnten Halatsch und Kast neun vielversprechende Präparate identifizieren, darunter auch Wirkstoffe, die bei Alkoholabhängigkeit, chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen, Depressionen oder zur Linderung von Übelkeit infolge einer Chemotherapie eingesetzt werden.

Klinische Prüfung bei Patienten mit rezidivierendem Glioblastom

Von November 2016 bis dato erhielten insgesamt zehn Studienteilnehmer eine Kombination der neun Medikamente namens CUSP9v3 (Coordinated Undermining of Survival Paths by 9 Repurposed Drugs, Version 3).

Alle Patienten hatten vor Teilnahme an der Studie bereits eine Standardtherapie inklusive Operation und Bestrahlung hinter sich gebracht, bevor der Tumor erneut aufgetreten war.
Zusätzlich zu den neun Studienmedikamenten erhielten bzw. erhalten die Studienteilnehmer eine niedrig dosierte Chemotherapie.

Gutes Ansprechen bei der Hälfte der Patienten

Die klinische Studie wurde im Oktober vorläufig ausgewertet. „Die bisherigen Ergebnisse sind ermutigend“, berichtet Studienleiter Halatsch. „Die Patienten vertragen die eingesetzten Medikamente in einer Weise, wie wir sie aus anderen Zweit- und Drittlinientherapien kennen“.

Unter der Therapie mit der erstmalig eingesetzten Kombination von neun Medikamenten stoppte bei der Hälfte der behandelten Studienteilnehmer/innen das Tumorwachstum – im Falle des ersten in die Studie eingeschlossenen Patienten für nunmehr 24 Monate. Die zuletzt eingeschlossene Studienteilnehmerin wird seit 6 Monaten behandelt und ist seitdem progressionsfrei. Können die positiven ersten Ergebnisse im Verlauf der nächsten sechs Monate bestätigt werden, ist eine größere klinische Folgestudie geplant.

Die Studie wird von der belgischen Stiftung Anticancer Fund gefördert. „Wir sind fest davon überzeugt, dass das Verwenden von Wirkstoffen zu einem anderen als ihrem ursprünglichen Zweck (Drug Repurposing) ebenso wie kombinierte Therapien hohes Potenzial haben.“ sagt die Geschäftsführerin der Stiftung, Dr. Lydie Meheus. „Bei bereits etablierten, zugelassenen Medikamenten wissen wir, wie sicher sie sind, außerdem sind sie leicht verfügbar und kostengünstig.“

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 19.12.2018

Quelle:

Universitätsklinikum Ulm, Pressemitteilung, 5. Dezember 2018

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