Kritik an Heidelberger Bluttest auf Brustkrebs

Im Februar 2019 wurde ein Bluttest auf Brustkrebs als „Meilenstein“ gefeiert. Doch nach und nach zeigt sich, dass dieser Test nicht hält, was er verspricht.

Blutbild

Im Februar 2019 wurde in einer Pressekonferenz über einen Test berichtet, der mithilfe der Liquid Biopsy Brustkrebs nicht-invasiv diagnostizieren soll. Von einem „Meilenstein“ wurde in den Medien gesprochen. Der Test, dessen Vermarktung durch die Heiscreen GmbH erfolgen sollte, würde bereits im Jahr 2019 die Marktreife erlangen.

Kritische Stimmen und Unstatistik des Monats

Schon unmittelbar nach Veröffentlichung der Meldung im Februar äußerten sich Frauenärzte kritisch. Laut „Süddeutscher Zeitung“ ist es mittlerweile strittig, ob der Bluttest überhaupt existiert. Die Heiscreen GmbH dementierte dies: "Es gibt einen Bluttest für Brustkrebs, der unter Laborbedingungen im Universitätsklinikum Heidelberg bereits funktioniert und in der klinischen Forschung angewendet werden kann."

Unstatistik des Monats

Unabhängig davon, ob es den marktreifen Bluttest nun bereits gibt oder nicht, steht der Test aktuell aufgrund seiner hohen Falsch-Alarm-Rate in der Kritik. Dies wurde jüngst in der „Unstatistik des Monats“ des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung thematisiert.

Die Statistiker bemängeln in ihrem Beitrag, dass der Bluttest mit einer Trefferrate von 75% angegeben worden sei. Allerdings wurden keine Angaben zur Falsch-Alarm-Rate gemacht. Inzwischen liegen den Autoren die Folien eines Vortrages von Professor Christof Sohn vor, der den Bluttest zusammen mit Professor Sarah Schott vorgestellt hatte. In dem Vortrag wurde die Falsch-Alarm-Rate mit 46% angegeben.

Eine Falsch-Alarm-Rate von 46% bedeutet, dass knapp die Hälfte aller gesunden Frauen einen verdächtigen Befund erhalten würde. Eine hohe Trefferrate ist nur nützlich, wenn die Falsch-Alarm-Rate entsprechend niedrig ist. Beim Mammographie-Screening liegt die Trefferrate beispielsweise bei 80%. Die Falsch-Alarm-Rate beläuft sich auf 5 – 10% und hängt vom Alter der Frau ab.

Universität Heidelberg um Aufklärung bemüht

Die Universität Heidelberg entschuldigte sich und hat eine ständige „Senatskommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und zum Umgang mit Fehlverhalten in der Wissenschaft“ einberufen. Im Webauftritt der Universität wird in einem Überblick über die aktuelle Sachlage informiert und eingeleitete Prüfverfahren und Maßnahmen werden dargestellt.

Professor Dr. Bernhard Eitel, Rektor der Universität Heidelberg, sagt: "Wissenschaftliches Fehlverhalten wird an der Universität Heidelberg nicht toleriert. Verstöße gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis werden wir konsequent ahnden und die erforderlichen Maßnahmen ergreifen. Wir sind auf dem Weg, mit Sorgfalt die Vorgänge im Zusammenhang mit dem Bluttest zur Brustkrebsdiagnostik zu untersuchen und den Sachverhalt aufzuklären. […] Die Universität Heidelberg wird neben ihren eigenen Aktivitäten die Arbeit der externen Untersuchungskommission unter Leitung von Prof. Dr. Matthias Kleiner (Präsident der Leibniz-Gemeinschaft und ehemaliger Präsident der DFG) und Bundesverfassungsrichterin a.D. Dr. Christine Hohmann-Dennhardt, die eine unabhängige und gründliche Aufarbeitung der gesamten Vorgänge am Klinikum zur Aufgabe hat, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen."

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 11.06.2019

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