HPV-positives Oropharynxkarzinom: Cisplatin und Strahlentherapie bleiben Standard

In einer offenen, randomisierten, kontrollierten Phase 3-Studie wurden bei Patienten mit HPV-positivem Oropharynxkarzinom mit niedrigem Mortalitätsrisiko unter Cetuximab ähnliche Toxizitätsraten aller Schweregrade wie unter Cisplatin beobachtet. Zudem war unter Cetuximab das Gesamtüberleben geringer und die Rate von lokoregionalen Rezidiven sowie von Fernmetastasen höher als bei der Standardtherapie mit Cisplatin.

Karzinom

Hintergrund

Das Humane Papillomavirus (HPV)-positive Oropharynxkarzinom tritt vorwiegend bei jüngeren Patienten auf und die Inzidenz nimmt rasch zu. Die Standardtherapie mit Cisplatin führt zu erheblichen akuten und langfristigen Nebenwirkungen. Für die deeskalierende Behandlung mit dem Ziel, die Toxizität der Standardbehandlung mit Cisplatin in diesem Patientenkollektiv zu verringern, wird die Anwendung von Cetuximab, einem epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor-Inhibitor, diskutiert.

Ergebnisse aus Metaanalysen von Daten aus kleinen, meist restrospektiven Studien weisen auf schlechtere Ergebnisse bei der Behandlung mit Cetuximab gegenüber Cisplatin bei Kopf-Hals-Tumoren insgesamt hin. Jedoch scheinen Patienten mit HPV-positiven Tumoren von der Behandlung mit Cetuximab zu profitieren. Bisher liegen jedoch noch keine Belege für die Wirksamkeit dieser Strategie aus randomisierten Studien vor.

Zielsetzung

Die Wissenschaftler um Professor Hisham Mehanna vom Institute for Head and Neck Studies and Education (InHANSE) an der University of Birmingham, Birmingham, England, untersuchten im Rahmen der De-ESCALaTE-Studie bei Patienten mit HPV-positivem oropharyngealem Plattenepithelkarzinom und geringem Mortalitätsrisiko das Überleben und die Zeit bis zu einem Rezidiv unter Cetuximab im Vergleich zu Cisplatin [1]. Alle Patienten erhielten eine Radiotherapie im kurativen Ansatz. Es handelt sich um eine offene, randomisierte, kontrollierte Phase 3-Studie, die an 32 klinischen Zentren in Irland, den Niederlanden und im vereinigten Königreich durchgeführt wurde.

Methodik

Erwachsene Patienten mit HPV-positivem Oropharynxkarzinom mit niedrigem Risiko (Nichtraucher oder langjährige Raucher mit weniger als zehn Packungsjahren) wurden im Verhältnis 1:1 nach dem Zufallsprinzip einer Behandlung zusätzlich zur Strahlentherapie mit entweder intravenösem Cisplatin (100 mg/m² an drei Tagen der Strahlentherapie) oder intravenös verabreichtem Cetuximab (400 mg/m² Initialdosis gefolgt von sieben wöchentlichen Infusionen von jeweils 250 mg/m²) zugeordnet.

Der primäre Ergebnisparameter waren schwere Toxizitätsereignisse (Grad 3 bis 5) 24 Monate nach Ende der Behandlung.

Ergebnisse

Zwischen dem 12. November 2012 und dem 1. Oktober 2016 wurden 334 Patienten in die Studie aufgenommen (166 in die Cisplatin- und 168 in die Cetuximab-Gruppe).

Bezüglich der allgemeinen (akuten und späten) schweren Toxizität (Grad 3 bis 5) gab es nach 24 Monaten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen. Sowohl nach Cisplatin- als auch nach Cetuximabgabe traten im Mittel pro Patient jeweils 4,8 Ereignisse auf (p = 0,098). Auch bezüglich der Gesamttoxizität gab es keine signifikanten Unterscheide. Die mittlere Anzahl der Ereignisse pro Patient lag für die Cisplatingruppe bei 29, gegenüber 30,1 Ereignissen für die Cetuximabgruppe (p = 0,049).

Es gab jedoch signifikante Unterschiede zwischen der Behandlung mit Cisplatin- und Cetuximab sowohl beim 2-Jahres-Gesamtüberleben (97,5% vs. 89,4%, Hazard Ratio 5,0 [95% CI 1,7–14,7]; p = 0,0001) als auch bei der 2-Jahres-Rezidivrate (6,0% vs. 16,1%, HR 3,4 [1,6-7,2]); p = 0,0007).

Fazit

Verglichen mit dem Standardbehandlungsschema mit Cisplatin zeigte Cetuximab keinen Nutzen im Hinblick auf eine Verringerung der Toxizität, jedoch einen signifikanten Nachteil in Bezug auf die Tumorkontrolle. Cisplatin und Strahlentherapie sollten weiterhin standardmäßig für die Behandlung von HPV-positiven Patienten mit niedrigem Mortalitätsrisiko angewendet werden, sofern Patienten die Cisplatingabe vertragen.

Die Studie wurde von Cancer Research UK, einer gemeinnützigen Organisation für Krebsforschung, finanziert (Fördernummer C19677/A12834) und ist im ISRCTN-Register unter der Nummer ISRCTN33522080 registriert.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 21.11.2018

Quelle:
  1. Mehanna et al. (2018): Radiotherapy plus cisplatin or cetuximab in low-risk human papillomavirus-positive oropharyngeal cancer (De-ESCALaTE HPV): an open-label randomised controlled phase 3 trial. Lancet, DOI: 10.1016/S0140-6736(18)32752-1
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