Kardiorespiratorische Fitness & Überleben bei Krebs im Verdauungstrakt

Krebserkrankungen des Verdauungssystems sind hauptverantwortlich für die durch Krebs verursachte Mortalität. Eine höhere kardiorespiratorische Fitness vor der Diagnose ist mit einem niedrigeren Krebsmortalitätsrisiko und einem längeren Überleben verbunden.

Mann auf Laufband

Hintergrund

Krebserkrankungen des Verdauungstraktes sind weltweit die am häufigsten diagnostizierten Krebsarten und die führende Todesursache im Zusammenhang mit Krebs. Die 5-Jahres-Überlebensrate ist relativ niedrig, konnte aber durch diverse Maßnahmen in den letzten Jahren verbessert werden. So führte das ab einem bestimmten Alter regelmäßig durch-geführte Darmkrebsscreening zu einer zunehmend frühzeitigen Erkennung kolorektaler Karzinome. Für andere Krebsarten bleibt die Überlebensrate jedoch weiterhin niedrig und geeignete evidenzbasierte Screeningmethoden, die das Überleben verbessern könnten, fehlen.

Es ist gezeigt worden, dass eine niedrige kardiorespiratorische Fitness einen Risikofaktor für zahlreiche chronische Erkrankungen sowie eine erhöhte Gesamt-, kardiovaskuläre und Krebssterblichkeit darstellt. Der Einfluss kardiorespiratorischer Fitness auf die Inzidenz von Kolorektal- und Gastrointestinalkarzinomen ist erst in wenigen Studien untersucht worden.

Zielsetzung

Das Ziel einer US-amerikanischen Pilotstudie war es, den Zusammenhang zwischen kardiorespiratorischer Fitness und der Mortalität aufgrund später diagnostizierter Krebserkrankungen des Verdauungstrakts bei Männern zu untersuchen.

Methodik

Für die Studie griffen die Studienautoren auf Daten der Veterans Exercise Testing Study (VETS) zurück. Die VETS-Kohorte ist eine laufende, prospektive Evaluierung hauptsächlich männlicher Veteranen, die aus klinischen Gründen trainieren und sich dabei diversen Untersuchungen unterziehen. Für die vorliegende Studie wurden Daten derjenigen Teilnehmer verwendet, die im Zeitraum von 1987 und 2014 im Veterans Affairs Palo Alto Health Care System einen Laufbandtest absolvierten.

Die kardiorespiratorische Fitness wurde anhand der maximalen Laufbandgeschwindigkeit und Laufbandstufe mit Hilfe etablierter Verfahren des American College of Sports Medicine kalkuliert und in Metabolic Equivalents (MET) angegeben. Weniger als 5 METs entsprachen dabei einer niedrigen kardiorespiratorischen Fitness, 5-10 METs einer moderaten und >10 METs einer hohen kardiorespiratorischen Fitness.

Klinische Informationen bezüglich Diagnose, Risikofaktoren und Gesundheitsverhalten (Rauchen, Alkohol und Drogenmissbrauch) wurden während der Zeit des Trainingstests gesammelt und beruhten auf Selbstauskunft zur Krankenvorgeschichte. Männliche Probanden, die zunächst keinen bösartigen Tumor hatten, dann aber im Laufe von 6,7 ± 5 Jahren ein oder mehrere Krebserkrankungen des Verdauungstrakts entwickelten, gingen in die Studie ein.

Der Zusammenhang zwischen kardiorespiratorischer Fitness und Krebssterblichkeit wurde mit Hilfe multivariabler Cox Hazard-Modelle bestimmt.

Ergebnisse

Von 342 Männern, die in die Analyse eingingen, hatten 224 ein Kolorektalkarzinom, 59 Gallenblasen-, 28 Leber-, 13 Speiseröhren-, 13 Bauchspeicheldrüsen-, 3 intrahepatischen Gallengang- 1 Magen- und 1 Analkrebs. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer betrug 68,9 ± 21,8 Jahre. Primärer Studienendpunkt war die Krebsmortalität insgesamt. Teilnehmer mit einer hohen kardiorespiratorischen Fitness hatten im Vergleich zu Teilnehmern mit moderater und niedriger kardiorespiratorischer Fitness weniger geraucht, weniger Bluthochdruck und weniger Todesfälle die in Bezug zu einem Karzinom standen. Ihre körperliche Aktivität dagegen war höher als in den anderen beiden Gruppen.

Innerhalb einer durchschnittlichen Nachverfolgungszeit von 7,2 ± 5 Jahren ab Studienstart starben 120 Studienteilnehmer aufgrund von Krebs. Darüber hinaus wurden drei weitere Todesfälle aus anderen Gründen registriert. Im Vergleich zu einer niedrigen kardiorespiratorischen Fitness war das Risiko an Krebs zu sterben bei Patienten mit einer moderaten und hohen kardiorespiratorischen Fitness um 57% [0,43, 95%CI=0,24-0,74] bzw. 73% [0,27, 95%CI=0,12-0,59] reduziert. Moderate und hohe kardiorespiratorische Fitness führten zu einer signifikant verlängerten Überlebenszeit. Diese betrug bei niedriger kardiorespiratorischer Fitness durchschnittlich 7,9 Jahre, bei moderater Fitness 13,5 Jahre und bei hoher Fitness 16,1 Jahre.

Die Autoren resümieren, dass sich anhand der vorliegenden Ergebnisse effektive und kostengünstige Strategien entwickeln lassen, um die Krebssterblichkeit zu reduzieren. So ließe sich durch Screening des Fitnessniveaus von Männern mittleren Alters und reguläres Training die Überlebenschancen derjenigen Männer, die später an Krebs des Verdauungssystems erkranken, verbessern. Die Autoren betonen, dass eine Bestätigung der Daten durch größere prospektive Studien erforderlich ist. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen lassen, könnte dies große Auswirkungen auf Prävention und Kontrolle von Krebserkrankungen und damit auf die öffentliche Gesundheit haben.

Fazit

Die kardiorespiratorische Fitness ist ein signifikanter Prädiktor für die Krebsmortalität. Eine höhere kardiorespiratorische Fitness vor der Diagnose ist mit einem niedrigeren Krebsmortalitätsrisiko und einem längeren Überleben verbunden.

Autor: Dr. Daniela Leopoldt (Pharmazeutin)

Stand: 28.11.2019

Quelle:
  1. Vainshelboim B et al., Improved survival with higher pre-diagnosis cardiorespiratory fitness in men who developed digestive system cancers: a prospective pilot study. Anticancer Research 2019; 39:5551-5557, doi:10.21873/anticanres.13748
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