Kein Krebs durch Handystrahlung

Erst kürzlich publizierte das National Toxicology Program (NTP) die Mitteilung, dass Handystrahlung Krebs verursache. Die FDA distanziert sich jetzt von dieser Warnmeldung und sieht keine erhöhte Karzinom-Gefahr für den Menschen durch Mobiltelefone.

Frau telefoniert mit Handy

Das National Toxicology Program (NTP) des National Institutes of Health’s veröffentlichte aktuell den Abschlussbericht einer Langzeitstudie an Ratten und Mäusen, dessen Ergebnisse einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Karzinomen und Handystrahlung nahelegen. Die Studie zum erhöhten Krebsrisiko durch hochfrequente elektromagnetische Wellen wurde von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) eigens in Auftrag gegeben. Nach Angaben der FDA sind die nun vorgelegten sicheren Beweise (clear evidence) aus der tierexperimentellen Untersuchung jedoch nicht auf den Menschen übertragbar. Die FDA distanziert sich deshalb klar von der Warnung, dass von Handynetzen ausgehende elektromagnetische Felder karzinogen wirken. Somit gibt es auch keine Gründe, die Handynutzung einzuschränken.

Studie von FDA in Auftrag gegeben

1999 hatte die US-Gesundheitsbehörde FDA das NTP beauftragt, den Zusammenhang zwischen hochfrequenten elektromagnetischen Wellen aus 2G- und 3G-Handynetzen und einem erhöhten Auftreten von Karzinomen zu ermitteln. Für die Studie wurden etwa 3.000 Mäuse und Ratten über zehn Jahre lang einer Hochfrequenzstrahlung (RFR) ausgesetzt. 2G- und 3G-Netze entsprachen dabei dem damaligen Standard, sind heute aber bereits veraltet. Die Nager wurden mit Frequenzen von 900 bzw. 1.900 Megahertz nach den damaligen Technologien CDMA (Code Division Multiple Access) und GSM (Global System for Mobile Communications) ganzkörperbestrahlt. Und genau das bemängelt die FDA jetzt. Im Gegensatz zu den Versuchstieren tragen Menschen ihr Handy für gewöhnlich am Ohr, so dass nur der Kopfbereich der Strahlung ausgesetzt ist.

Studienaufbau

Die Strahlenexposition der Nager verlief unterschiedlich. So wurden Ratten pränatal bereits im Mutterleib bestrahlt, Mäuse hingegen erst ab einem Lebensalter von fünf bis sechs Wochen. Die Strahlenexposition erfolgte intermittierend über jeweils zehn Minuten, gefolgt von einer zehnminütigen Unterbrechung. Insgesamt waren die Nager der Hochfrequenzstrahlung etwa neun Stunden pro Tag in speziell für die Untersuchung entwickelten Kammern ausgesetzt. Die übertragende Energie betrug bei Ratten pro Kilogramm Körpergewicht 1,5 bis 6 Watt und bei Mäusen 2,5 bis 10 Watt. Die Bestrahlung dauerte bis zu zwei Jahre oder über die natürliche Lebensdauer der Nager an.

Ergebnisse der Studie

Die Forscher des NTP ermittelten eine erhöhte Rate an Hirntumoren, aber auch an Tumoren in Nebennieren und Herz. Ihre Untersuchungsergebnisse belegen nach eigenen Angaben eindeutig (clear evidence) einen Zusammenhang zwischen einer RFR-Strahlenexposition und Schwannomen. Nicht ganz so eindeutige Belege (some evidence) gibt es für eine erhöhte Anzahl von Glioblastomen und Phäochromozytomen. Die Tumoren traten erstaunlicherweise ausschließlich bei männlichen Tieren auf.

Die FDA weist allerdings darauf hin, dass die karzinogenen Auswirkungen erst ab Strahlenexpositionen beobachtet wurden, die 50 Mal höher waren als die aktuellen Grenzwerte für Mobilfunkgeräte. Aus diesem Grund seien die Ergebnisse für den Menschen uninteressant.

Alte Technik nicht mit heutiger vergleichbar

Das Team des NTP verweist bei ihren Untersuchungsergebnissen ebenfalls auf ein Problem. Demnach sind die altertümlichen Techniken der geprüften Handys nicht mit denen von heute zu vergleichen. Moderne Geräte hätten eine höhere Frequenz, die aber nicht so tief ins Gewebe eindringen würde. Dennoch ist es eine nicht zu bestreitbare Tatsache, dass männliche Nager häufiger an Karzinomen erkrankten – es also sehr wahrscheinlich, dass es einen Zusammenhang zwischen hochfrequenten elektromagnetischen Wellen und malignen Tumoren gibt.

Zudem heben die Forscher noch einen Punkt hervor. Männliche Versuchsratten, die einer RFR-Strahlenexposition ausgesetzt waren, lebten länger. Das positive Phänomen soll auf eine nephroptrotektive Wirkung der Handystrahlung zurückzuführen sein. Somit nahmen chronische, lebenszeitverkürzende Nierenprobleme ab und die Lebenszeit der Nager verlängerte sich. Möglicherweise könnte man diesen Effekt nutzen, wenn die Strahlenexposition in ausreichend hoher Dosis lokal appliziert erfolgt.

Fazit: Keine Einschränkungen oder Verbote der Handynutzung zu erwarten

Die FDA sieht keinen erwiesenen Zusammenhang zwischen Handystrahlung und einem erhöhten Risiko für maligne Tumore. Deshalb wird es in den USA auch keine Einschränkungen oder Verbote der Handynutzung geben. Darüber hinaus sind auch keine Gesundheits- oder Sicherheitswarnungen sowie Altersgrenzen zur Handynutzung im Kindesalter zu erwarten. So lange die bestehenden Höchstwerte der Federal Communication Commission (FCC) für Mobilfunkgeräte eingehalten werden, bestünde der FDA zufolge für den Menschen auch keine gesundheitliche Gefährdung durch Handystrahlung.

Autor: Dr. Christian Kretschmer

Stand: 06.11.2018

Quelle:
  • NTP Technical Report: Toxicology and carcinogesis Studies in B6C3F1/N Mice exposed to whole-body radio frequency radiation at a frequency (1,900 MHz) and modulations (GSM and CDMA) used by cell phones
     
  • Abschlussbericht: National Toxicology Program releases final reports on rat and mouse studies of radio frequency radiation like that used in 2G and 3G cell phone technologies (NIEHS 919-541-1993)
     
  • Pressemitteilung FDA: Statement from Jeffrey Shuren, M.D., J.D., Director of the FDA’s Center for Devices and Radiological Health on the National Toxicology Program’s report on radiofrequency energy exposure
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • Auf Google+ teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige

Onkologie-Kongresse

Onkologie

Orphan Disease Finder

Orphan Disease Finder

Bitte geben Sie ein Symptom ein, um zu prüfen, ob es auf eine seltene Erkrankung hinweisen könnte:

 

Innere Medizin

Newsletter