Krebsrisiko durch Mammographie

Eine internationale Studie hat das Krebsrisiko untersucht, das für Frauen von einer Mammographie ausgeht. Dabei wurden mehrere nationale Screening-Programme verglichen und es zeigten sich erhebliche Unterschiede.

Mammographie

Hintergrund

Brustkrebs ist die häufigste Krebsentität bei Frauen. Eine frühe Diagnose und Therapie der Erkrankung ist entscheidend, um die Mortalität zu senken. Studien konnten zeigen, dass die Mortalität durch Programme zum Mammographie-Screening um 15-20% gesenkt wird. Das Strahlungsrisiko durch die Mammographie wird oft als niedrig beschrieben.

Zielsetzung

Ein internationales Team untersuchte das effektive Lebenszeitrisiko einer Vollfeldmammographie bei mehreren nationalen Screening-Programmen [1]. Die normalerweise verwendet mittlere Drüsendosis (Mean Glandular Dose, MGD) soll ungenauer sein als das effektive Lebenszeitrisiko. Letzteres gibt an, wie wahrscheinlich es ist, aufgrund der Röntgenstrahlung, die bei der Mammographie eingesetzt wird, an Krebs zu erkranken. Das Ziel der Studie war demnach die Untersuchung der Fragestellung: Ist die Mammographie durch die eingesetzte Strahlung krebserregend?

Methodik

Es wurden die Bestrahlungsdosen verschiedener Organe bei einem Standarmammographie-Screening unter Benutzung eines Phantoms ermittelt. 16 verschiedene digitale Vollfeldmammographie-Geräte wurden eingesetzt. Das effektive Lebenszeitrisiko wurde für jedes der Geräte berechnet. Nachdem das Risiko unter Benutzung des Phantoms kalkuliert war, wurde das effektive Lebenszeitrisiko für 48 nationale Screening-Programme kalkuliert. Dafür wurde angenommen, dass alle diese Programme die digitale Vollfeldmammographie zum Screening einsetzen.

Ergebnisse

Die Analyse ergab große Unterschiede im effektiven strahlungsbedingten Lebenszeitrisiko. Das Lebenszeitrisiko, aufgrund der regelmäßigen Teilnahme am Screening-Programm an Krebs zu erkranken, lag zwischen 42,21 (39,12 – 45,30) Fällen/106 Teilnehmerinnen (Mittelwert, 95% Konfidenzintervall [CI]) in dem maltesischen Screening-Programm und 1099,67 (1019,25 – 1180,09) Fällen/106 für Frauen mit einem hohen Brustkrebsrisiko in den USA.

Diese Unterschiede kommen hauptsächlich durch das Alter, bei dem die Mammographie begonnen wird, und das Zeitfenster zwischen den folgenden Mammographien zustande.

Zahlen für Deutschland

Laut den Berechnungen beträgt das Lebenszeitrisiko für Frauen in Deutschland 71,45 Fälle/106. Frauen, die regelmäßig an der Mammographie teilnehmen, erhalten zehn Mal eine Mammographie zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr.

Unterschiede zwischen Ländern mit geringstem und höchstem Lebenszeitrisiko

In Malta wird bei Frauen zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr alle drei Jahre eine Mammographie durchgeführt.

In den USA und auch in anderen Ländern, z. B. Großbritannien und Kanada, werden für Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko extra Screening-Programme empfohlen, die sich von den Standard-Screenings durch einen früheren Untersuchungsbeginn unterscheiden.

Grundsätzlich wird in den USA eine Mammographie bei Frauen empfohlen, die zwischen 40 und 75 Jahre alt sind. Je nach Organisation wird ein jährliches Screening empfohlen bzw. empfiehlt die ACOG (American Academy of Family Physicians, National Cancer Institute, and US Preventive Services Task Force) im Alter von 40 bis 49 Jahren nur alle zwei Jahre ein Screening. Bei Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko unterscheiden sich die Angaben bzgl. des Einstiegsalters zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr. Das letzte Screening sollte bei dieser Gruppe auf jeden Fall mit dem 75. Lebensjahr erfolgen. Das bedeutet für Frauen mit einem hohen Brustkrebsrisiko, je nach Empfehlung, bis zu 51 Mammographien.

Unterschiede in den Strahlungsdosen einzelner Organe

Die höchsten Strahlungsdosen wurden natürlich in der untersuchten Brust gemessen und lagen bei über 2018,50 µGy. Die Dosen in benachbarten Organen bzw. Regionen sahen wie folgt aus:

  • Kontralaterale Brust 28,75 µGy
  • Sternum 19,07 µGy
  • Schilddrüse 9,45 µGy.

Limitationen der Studie

Die Brustdichte reduziert sich zwischen dem 35. und 75. Lebensjahr jährlich um 2%. Dieser Effekt wurde in der Studie nicht berücksichtigt, so dass die Zahlen in der Realität wohl etwas niedriger sein dürften. Auch die unterschiedlichen Brustgrößen fanden keine Berücksichtigung.

Außerdem variiert die Krebsinzidenz zwischen einzelnen Ländern und auch zwischen einzelnen Individuen, bedingt durch genetische Unterschiede. Zu beachten ist auch, dass die hier vorgelegten Zahlen ausschließlich für die digitale Vollfeldmammographie gelten. Diese ist gegenüber herkömmlichen Mammographiesystemen strahlungsärmer.

Fazit

Die Unterschiede im effektiven Lebenszeitrisiko zwischen den einzelnen Screening-Programmen kommen hauptsächlich durch das Alter, bei dem die Mammographie begonnen wird, und das Zeitfenster zwischen den folgenden Mammographien zustande.

Die Autoren der Studie empfehlen, dass das effektive Lebenszeitrisiko als zusätzlicher Parameter zur Bewertung von Programmen zum Mammographie-Screening aufgenommen wird. Dies gelte insbesondere für Programme, die ein frühes Einstiegsalter und kürzere Screeningintervalle empfehlen.

Obwohl die Unterschiede zwischen den 16 eingesetzten Geräten statistisch nicht signifikant waren, sollte die Variation der MGD berücksichtigt werden.

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 30.08.2018

Quelle:
  1. Ali et al. (2018): Effective lifetime radiation risk for a number of national mammography screening programmes. Radiography, DOI: https://doi.org/10.1016/j.radi.2018.02.001
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