Ösophaguskarzinom: Aktualisierte Leitlinie

Ohne grundlegende Veränderungen vorzunehmen passte das Expertengremium einige Empfehlungen an die aktuelle Studienlage an. Der Leitlinie kommt eine besondere Bedeutung zu, da das Ösophaguskarzinom in der Therapie komplex ist und interdisziplinär behandelt werden muss.

Karzinom

Risikofaktor Alkohol

Aktuelle Studien stützen die Annahme, dass Alkohol das Risiko für die Entstehung eines Plattenepithelkarzinoms – eines der beiden Typen des Ösophaguskarzinoms – erhöht. Die Evidenz hierfür wurde daher von Stufe 3a auf 2b angehoben. „Ausschlaggebend hierfür war eine Studie aus Südafrika, die einen deutlichen, dosisabhängigen Anstieg des Karzinomrisikos durch Alkohol belegt“, erläutert Professor Dr. Rainer Porschen, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Klinikum Bremen Ost und Koordinator der aktuellen Leitlinie. Wer im Tagesdurchschnitt mehr als 53 g Alkohol zu sich nimmt, hat demnach ein rund 5-fach erhöhtes Karzinomrisiko. Bei Menschen, die zusätzlich stark rauchen, steigt das Risiko sogar auf das 8,5-Fache.

Risikofaktor gastroösophagaler Reflux

Auch das Risiko, das von einer bestehenden Refluxkrankheit ausgeht, wird nun mit einem höheren Evidenzgrad bewertet. „Die aufsteigende Magensäure schädigt und verändert die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre“, sagt Porschen. Aus den so verursachten Läsionen entwickele sich deutlich leichter ein Tumor als aus gesundem Gewebe. Die Analyse einer US-amerikanischen Datenbank hat diesen Zusammenhang nun mit weiteren Zahlen untermauert: Etwa 13% der Adenokarzinome – neben dem Plattenepithelkarzinom der zweite Tumortyp im Ösophagus – gehen demnach auf einen chronischen Reflux zurück.

Diagnose

Im Bereich der Diagnose betonen die Experten nun noch stärker die Bedeutung, die unterstützenden Verfahren bei der Endoskopie zukommt. Wie Studien gezeigt haben, lassen sich Tumorherde oder Krebsvorstufen deutlich zuverlässiger erkennen, wenn die Schleimhaut vor der Untersuchung angefärbt wird (Färbe-Spray-Chromoendoskopie) oder das verwendete Farbspektrum im Rahmen einer virtuellen Chromoendoskopie digital verändert wird.

„Um maligne Veränderungen sicher zu diagnostizieren, ist aber immer auch eine Biopsie notwendig“, betont Porschen. Ist bei einem Patienten die Schleimhaut bereits durch eine Refluxkrankheit verändert, soll die schwierige Beurteilung der Biopsie in Zukunft immer durch mindestens zwei Ärzte vorgenommen werden, um Fehldiagnosen zu vermeiden.

Chirurgische Therapie

Auch die Empfehlungen zur chirurgischen Therapie wurden leicht modifiziert: Hier wird nun explizit auf die Resektion von subkardialen Tumoren eingegangen, die hauptsächlich die Magenschleimhaut knapp unterhalb der Speiseröhre betreffen (AEG Typ III). In diesem Fall wird eine operative Entfernung des kompletten Magens empfohlen.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 29.01.2019

Quelle:
  1. Deutsche Krebsgesellschaft e. V., Pressemitteilung,15. Januar 2019
     
  2. S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome des Ösophagus, Langversion 2.0, Dezember 2018. AWMF-Registernummer: 021/023OL
     
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