Brustkrebs-Screening: Fast ein Drittel der Mammakarzinome nicht erkannt

Bei Frauen mit einem erhöhten familiären Brustkrebsrisiko soll die Teilnahme an einem Hochrisiko-Screening-Programm die Detektion von auffälligen Läsionen sicherstellen. Doch auch bei der MRT, dem empfindlichsten Verfahren zur Früherkennung von Brustkrebs, werden Karzinome übersehen.

Brust-Drüsengewebe-stilisiert

Hintergrund

Schon länger wird diskutiert, wie häufig bei Mammographie-Screenings Karzinome übersehen werden. Studien zeigen, dass zwischen 31% und 50% der in Nachuntersuchungen diagnostizierten Karzinome bei einem früheren Screening hätten festgestellt werden können. Aus diesem Grund sind mittlerweile Doppelbefundungen beim Mammographie-Screening obligatorisch.

Die Magnetresonanztomographie (MRT) der Brust gilt als das empfindlichste bildgebende Verfahren zur Früherkennung von Brustkrebs. Daher werden Frauen mit einem erhöhten familiären Brustkrebsrisio (Lebenszeitrisiko ≥ 20%) zu intensivierten Überwachungsprogrammen eingeladen, die sowohl Mammographie als auch MRT beinhalten. Neuere prospektive Studien haben eine Sensitivität der MRT von etwa 90% im Rahmen dieser Hochrisiko-Screenings ermittelt.

Bislang ist jedoch nicht bekannt, wie häufig zum Beispiel Intervallkarzinome auftreten, die bei einem früheren MRT-Scan übersehen wurden. Als Intervallkarzinome werden alle Karzinome bei Screening-Teilnehmerinnen mit unauffälliger Befundung bezeichnet, die im Intervall bis zur nächsten Screening-Untersuchung – außerhalb des Krebsfrüherkennungs-Programms – diagnostiziert werden.

Zielsetzung

Ziel der Kohortenstudie war es, die Häufigkeit von im MRT „übersehenen“ Mammakarzinomen bei Frauen zu ermitteln, die im Zeitraum 2003 bis 2014 an einem Hochrisiko-Screening-Programm in den Niederlanden teilgenommen haben [1]. Auch den Ursachen dafür wollten die Forscher um den Radiologen Ritse M. Mann auf den Grund gehen.

Methodik

Im Beobachtungszeitraum haben 2.773 Frauen am Hochrisiko-Screening-Programm des Radboud University Medical Centre in Nijmegen teilgenommen. Dieses beinhaltete jeweils eine Mammographie sowie eine kontrastmittelunterstützte Mamma-MRT-Untersuchung einmal jährlich. Die Daten aller negativ im MRT gescreenten Teilnehmerinnen wurden mit dem Datenbestand des nationalen Krebsregisters der Niederlande abgeglichen. In den Fällen, in denen ein Karzinom entdeckt worden war, wurde der jeweils letzte negative MRT-Scan von zwei erfahrenen und auf die Brustbefundung spezialisierten Radiologen erneut beurteilt. Die Spezialisten wurden zuvor über die Lage der Tumore und/oder über die histopathologischen Ergebnisse informiert.

Ergebnisse

In 131 Fällen wurde ein Mammakarzinom diagnostiziert, für das ein zuvor negativer MRT-Befund vorlag. Die Krebsdiagnose erfolgte in 76 Fällen bei einer späteren MRT-Untersuchung, in 13 Fällen bei einer Mammographie, 16 waren Intervallkarzinome und 16 galten als Zufallsbefunde. Die durchschnittlich 9,5 Monate zuvor durchgeführten MRT-Scans waren allesamt als unauffällig beurteilt worden.

Im Rahmen der erneuten Befundung sahen die Radiologen in 34% der MRT-Aufnahmen (45 Fälle) ebenfalls keine Anzeichen für eine Neoplasie. In weiteren 34% (45 Fälle) konnten sie minimale Anzeichen für einen Tumor ausmachen. Bei 31% (41 Fälle) wurden Karzinome in den reevaluierten MRT-Scans detektiert. Sogar 5 der 16 Intervallkarzinome (31%) waren bereits auf dem letzten MRT-Scan erkennbar und sind von den Zweitgutachtern als BI-RADS (breast imaging, reporting, and data system) 4 oder 5 eingestuft worden. Das bedeutet, diese Patientinnen hätten zurückgerufen werden müssen, um sie weitergehend zu untersuchen.

Die Häufigkeit der falsch-negativen Befunde wurde durch das Alter der Patientin, den Grund für das Screening und die Qualität der Bildgebung beeinflusst. Insbesondere bei Vorliegen einer BRCA-Mutation (BReast CAncer gene mutation) war die Wahrscheinlichkeit für das „Übersehen“ einer Läsion im MRT-Scan signifikant geringer (19% vs. 46%, p < 0,001). Da bei BRCA-positiven Frauen das Brustkrebsrisiko erhöht und das Krebswachstum beschleunigt ist, könne die Schwelle für den Recall sinken, vermuten die Autoren. Das hieße, Frauen mit BRCA-Mutationen würden für Läsionen einbestellt, die man bei BRCA-negativen Frauen eher ignoriert hätte.

Von Vorteil für die Erkennung von Läsionen ist eine hervorragende Bildqualität. Fehleinschätzungen und das Übersehen von Läsionen waren bei perfektem Bildmaterial signifikant seltener als bei Aufnahmen von mittlerer bis schlechter Qualität. Hingegen scheinen weder Feldstärke des MRT noch die Hintergrundanreicherung (background parenchymal enhancement, BPE) einen signifikanten Einfluss auf die Sichtbarkeit von Läsionen zu haben. Dennoch wurden Läsionen in Fällen mit ausgeprägter BPE seltener entdeckt. Die Autoren gehen davon aus, dass eine sehr starke BPE tatsächlich manchmal Läsionen verdecken kann, die ansonsten detektierbar wären.

Fazit

Die Studie zeigt, dass fast ein Drittel der Mammakarzinome in einem Hochrisiko-Screening-Programm schon bei einer früheren negativ beurteilten MRT-Aufnahme hätten erkannt werden können. Eine regelmäßige Überprüfung und Doppelbefundung für das MRT-Screening der Brust scheint daher gerechtfertigt. In Zukunft könnten computergestützte Verfahren zur Krebsdiagnostik dazu beitragen, Fehler in der Bildauswertung zu minimieren.

Autor: Dr. Gabriele Dufhues (Medizinjournalistin)

Stand: 22.11.2018

Quelle:
  1. Vreemann et al. (2018): The frequency of missed breast cancers in women participating in a high-risk MRI screening program. Breast Cancer Research and Treatment, DOI: 10.1007/s10549-018-4688-z
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • Auf Google+ teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige

Onkologie-Kongresse

Onkologie

Pharma News

Ärztliche Fachgebiete

Orphan Disease Finder

Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen:

 

Newsletter