Melanom: Mit Probiotika wirken PD1-Hemmer schlechter

Als immunaktives Organ kann der Darm bzw. seine Mikroflora Immuntherapien in der Krebsmedizin beeinflussen. Das Mikrobiom kann per Stuhltransplantation oder auch per Diät verändert werden. Doch vermeintlich gesunde Nahrungsmittel können sich auf das Mikrobiom auch negativ auswirken und dem Erfolg von Immuntherapien schaden: Texanische Wissenschaftler belegen, dass Probiotika bei Melanom-Patienten unter PD1-Hemmer-Therapie kontraproduktiv sind.

Melanom

Spätestens seit dem Erfolg der Schluckimpfung weiß man, dass der Darm ein immunaktives Organ ist. Wiederum ein Teil dieses Darm-ständigen Abwehrsystems ist seine Mikroflora, das Darm-Mikrobiom (DM). Daher hat auch die Zusammensetzung des individuellen Mikrobioms Einfluss auf Immuntherapien– ein Umstand der zunehmend in den Fokus der Onkologen gerät. Denn offenbar ist das Mikrobiom einer der Faktoren, die zum Erfolg von in der Krebstherapie eingesetzten Biologika beitragen können. Folglich liegt der Gedanke nahe, das Mikrobiom zur Unterstützung von Antikörpertherapien zu modifizieren. Das lässt sich auf verschiedenen Wegen erreichen, zum Beispiel durch eine spezielle Diät oder durch einen Stuhltransplantation, bei der „gute“ Bakterien übertragen werden. Ob dies funktioniert, haben israelische Forscher bei Melanom-Patienten unter Therapie mit Inhibitoren des PD-1(programmierter Zelltod 1)-Rezeptors (Anti-PD-1-Therapie) ausprobiert [1].

Stuhl-Transplantation hilft bei PD1-Hemmer-Therapie

Die Forscher um Dr. Erez N. Baruch stellten ihre Ergebnisse auf dem diesjährigen Kongress der American Association for Cancer Research (AACR) in Atlanta vor. Sie untersuchten drei Patienten mit metastasiertem Melanom bei denen die Therapie mit einem PD1-Hemmer fehlgeschlagen war. Jeder erhielt eine fäkale Mikrobiom-Transplantation (FMT) von Stuhlspendern, die ebenfalls ein Melanom hatten, bei denen allerdings die Anti-PD-Therapie erfolgreich gewesen war. Dieser Erfolg ließ sich bei zwei der drei Studienpatienten übertragen. Sie hatten zum Zeitpunkt der Nachbeobachtung nach vier Monaten einen dauerhaften klinischen und radiologischen Nutzen durch die Behandlung.

Die Analyse der Mikrobiom-Zusammensetzung der Stuhlproben mittels 16S-rDNA-Gensequenzanalyse nach der FMT ergab Unterschiede in der Zusammensetzung zwischen den beiden Empfänger-Spender-Gruppen, was auf eine korrekte Transplantation hinweist. Des Weiteren fand sich bei der immunhistochemischen Untersuchung von Biopsien eine erhöhte Infiltration von CD68+ Zellen in Darm und Tumor nach der FMT sowie eine erhöhte intratumorale Infiltration von CD8+ T-Zellen.

 „Gutes“ Mikrobiom mittels Diät?

Die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms lässt sich auch - allerdings etwas appetitlicher - durch entsprechende Nahrungsmittel verändern.  Welche das sind, versuchten texanische Wissenschaftler in der Arbeitsgruppe von Dr. Christine Spencer (San Francisco) herauszufinden [2]. Sie analysierten die Daten von 113 Patienten mit einem Melanom, die vor der Behandlung Stuhlproben bereitstellten und einen Fragebogen des National Cancer Institute zu Lebensstil und Ernährung ausfüllten. Die Stuhlproben wurden einer 16S-rRNA-Sequenzierung unterzogen, und die Alpha- und Beta-Diversität im DM (AD und BD, assoziiert mit dem Ansprechen bzw. Nichtansprechen auf die Anti-PD-1-Therapie) wurden verglichen.

Probiotika offenbar kontraproduktiv

Die ersten Ergebnisse waren nicht überraschend: Patienten mit einer ballaststoffreichen Ernährung wiesen eine höhere Chance auf ein Ansprechen auf (OR: 4,78 [95 %-KI: 1,1–20,3]). Auch ein höherer Verzehr von Vollkornprodukten, Obst, Gemüse und Ballaststoffen wies eine positive Korrelation mit den für ein Ansprechen günstigen Bakterienpopulationen auf, während ein höherer Verzehr von rotem Fleisch, industriell verarbeiteten Fleisch- und Wurstwaren sowie zuckerhaltigen Nahrungsmitteln eine negative Korrelation ergab.

Probiotika gelten als generell gesundheitsfördernd und sollen vor allem das Immunsystem stärken. Erstaunlich war allerdings, dass Patienten mit einem hohen Verzehr an Probiotika in der Anamnese, offenbar schlechtere Therapieerfolgschancen hatten. Bei ihnen wurde eine geringere Alpha-Diversität (p = 0,05) festgestellt und auch das Ansprechen auf die Anti-PD-1-Therapie war in dieser Gruppe deutlich schlechter (OR: 0,36 [95 %-KI: 0,10–1,31]).

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 21.05.2019

Quelle:
  1. Baruch et al. (2019): Fecal microbiota transplantation (FMT) and re-induction of anti-PD-1 therapy in refractory metastatic melanoma patients - preliminary results from a phase I clinical trial (NCT03353402). AACR 2019
     
  2. Spencer et al. (2019): The gut microbiome (GM) and immunotherapy response are influenced by host lifestyle factors. AACR 2019
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