Antidiabetikum Metformin hilft Patienten mit Gliom

Forscher analysierten retrospektiv Registerdaten aus Bayern und fanden bei Patienten mit malignem Gliom (WHO-Grad III) eine Assoziation zwischen der Einnahme von Metformin und längerem Überleben.

MRT-Bilder Gehirn

Hintergrund

Immer wieder wurde in Studien mit Patienten mit Typ-2-Diabetes und Metformintherapie eine reduzierte Krebsinzidenz beobachtet. Dass das Antidiabetikum Potenzial für eine Umwidmung besitzt, wurde durch seine antitumorale Wirksamkeit sowohl in in vitro- als auch in Tierversuchen belegt. Metformin zeigte auch inhibitorische Eigenschaften auf das Wachstum von Gliomzellen.

Zielsetzung

Neuroonkologen vom Zentrum für Hirntumoren des Universitätsklinikums Regensburg werteten retrospektiv Daten des klinischen Krebsregisters Regensburg mit dem Ziel aus, das Überleben von Patienten mit hochgradigem Gliom (HGG) (WHO-Grad III und IV) mit oder ohne Metforminbehandlung auf Basis einer großen Kohorte zu bestimmen [1].

Untersucht wurde zudem die Hypothese, dass die Assoziation vor allem auf Mutationen im Gen für das Enzym Isocitratdehydrogenase (IDH 1) beruht. Diese kommen deutlich häufiger bei Grad III- als bei Grad IV-Gliomen vor.

Methodik

Die Analyse umfasste Daten von 1.093 Patienten aus der Oberpfalz und aus Niederbayern, die zwischen 1998 und 2013 mit HGG diagnostiziert und in das bevölkerungsbezogene klinische Krebsregister Regensburg aufgenommen worden waren. Das Register deckt 98% aller diagnostizierten Krebsfälle in der Region mit 2,1 Millionen Einwohnern ab.

Es wurden multivariable adjustierte Cox-Regressionsanalysen durchgeführt und Hazard Ratios (HR) mit 95% Konfidenzintervallen (CIs) für das Gesamtüberleben (OS) und für das progressionsfreie Überleben (PFS) mit oder ohne Behandlung mit Metformin ermittelt.

Ergebnisse

Die Behandlung mit Metformin war mit einer signifikant höheren Wahrscheinlichkeit für das OS sowie für das PFS von Patienten mit WHO-Grad-III-Gliom (n=231) assoziiert (HR für OS = 0,30; 95% CI = 0,11-0,81; HR für PFS = 0,29; 95% CI = 0,11-0,78). Bei Patienten mit WHO-Grad-IV-Gliom (n=862) wurden keine signifikanten Assoziationen für das OS (HR = 0,83; 95% CI = 0,57-1,20) oder für das PFS (HR = 0,85; 95% CI = 0,59-1,22) beobachtet.

Im Median lebten die Patienten der Gesamtgruppe noch 1,2 Jahre, Patienten mit Grad-III-Gliom noch 3,2 und Patienten mit Grad-IV-Gliom noch 1 Jahr. Das PFS betrug 0,8 (Gesamtgruppe), 2,5 (Grad III) und 0,7 Jahre (Grad IV).

Von den 177 Krebspatienten, die auch Diabetiker waren, erhielten 55 Metformin (32 als Monotherapie), 34 einen Sulfonylharnstoff, 55 Insulin, 26 ein Glitazon und 7 ein anderes Antidiabetikum. Die Metforminbehandlung war in einer Multivarianzanalyse mit einem signifikant besseren Gesamtüberleben (HR: 0,62) und progressionsfreien Überleben (HR: 0,71) assoziiert. Für die Behandlung mit Sulfonylharnstoffen, Insulin, Glitazonen und Kombitherapien wurde kein Zusammenhang ermittelt.

Bei 55 Studienteilnehmern wurden Mutationen in dem Gen für das Enzym IDH nachgewiesen. Bei diesen ergab sich unter Metformin ein Trend zu einem längeren Überleben. Allerdings hatten nur fünf Patienten mit Mutation eine Metformin-Therapie erhalten. IDH-Mutationen waren an der Klinik in Regensburg erst ab 2009 routinemäßig getestet worden.

Fazit

Die Einnahme von Metformin ist bei Patienten mit Gliom WHO-Grad III mit einem besseren Gesamt- und progressionsfreien Überleben assoziiert. Ein möglicher zugrunde liegender Mechanismus ist die höhere Prävalenz von IDH-Mutationen im WHO-Grad-III-Gliom, welche das Ansprechen auf Metformin erhöhen könnte.

Eine Einschränkung der Studie ist die niedrige Zahl an Patienten mit Grad-III-Gliomen.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 05.09.2018

Quelle:
  1. Seliger et al. (2018): Use of metformin and survival of patients with high‐grade glioma. International Journal of Cancer, DOI: https://doi.org/10.1002/ijc.31783
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