ASCO 2019: Urothelkarzinom: Nectin-4 als neues Target

Das Antikörper-Drug-Konjugat Enfortumab vedotin, das an Nectin-4 adressiert, könnte nach Zulassung ein neuer Behandlungsstandard bei vorbehandelten Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom werden.

Arzt Gespraech Patient

Bei Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom besteht ein hoher Bedarf an weiteren Behandlungsoptionen. Nach einer platinbasierten Erstlinienbehandlung erleiden die meisten einen Patienten leider einen Progress und durch eine Zweitlinientherapie mit Checkpoint-Inhibitoren (PD-1 oder PD-L1) werden derzeit lediglich Ansprechraten von 13 bis 21 % erreicht. Es existiert momentan keine Standardtherapie für Patienten, die nach platinbasierter Therapie und Behandlung mit einem Checkpoint-Inhibitor einen Progress erleiden.

Dr. Daniel Petrylak (New Haven, CT, USA) stellte eine einarmige Phase-II-Studie vor, die die Wirksamkeit und Sicherheit des Antikörper-Drug-Konjugates Enfortumab vedotin (EV) bei vorbehandelten Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom evaluierte.

Die in klinischer Entwicklung befindliche Substanz adressiert die Zielstruktur Nectin-4, die in vielen soliden Tumoren einschließlich dem Urothelkarzinom exprimiert wird.

Auf dem Kongress in Chicago stellte Petrylak die Auswertung der Kohorte 1 vor. Sie umfasste 128 Patienten, die zuvor sowohl eine platinbasierte Therapie als auch einen Checkpoint-Inhibitor erhalten hatten. Primärer Studienendpunkt war die Gesamtansprechrate (ORR) nach vRECIST-Kriterien, wichtige sekundäre Endpunkte waren das Gesamtüberleben (OS) und das progressionsfreie Überleben (PFS).

44% der Patienten sprachen auf die Behandlung mit EV mit einer Krankheitsstabilisierung oder einer Schrumpfung ihres Tumors an, 12 % sogar mit einer kompletten Remission. Im Median hielt die Response 7,6 Monate an. Das mediane OS betrug 11,7 Monate und das mediane PFS 5,8 Monate. Unter den Patienten, die nicht auf die Behandlung mit einem den Checkpoint-Inhibitor angesprochen hatten, sprachen 41 % auf EV an.

Petrylak betonte, dass sogar 38 % der Patienten mit Lebermetastasen eine Response auf die neue Behandlung zeigten. EV erwies sich laut Petrylak als vergleichsweise gut verträglich mit einem handhabbaren Sicherheitsprofil. Die häufigsten dokumentierten Nebenwirkungen waren Fatigue (50 %), Alopezie (49 %), Hautausschläge (48 %) und verminderter Appetit (44 %).

Petrylak zeigte sich überzeugt, dass EV, sobald es eine Zulassung erhalten hat, ein neuer Behandlungsstandard für Patienten mit Urothelkarzinom wird, die nach Platin und PD-1/PD-L1-Inhibitoren einen Rückfall erleiden.

Autor: Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann, DER PA ONKOLOGIE & HÄMATOLOGIE

Stand: 12.08.2019

Quelle:

Petrylak DP et al. J Clin Oncol 37;2019 (suppl;abstr LBA4505)

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